Hürtgenwald - Verein Regenerative Energien Hürtgenwald löst sich auf

Verein Regenerative Energien Hürtgenwald löst sich auf

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Spektakulärer Blick von Windrad zu Windrad: Heute gehören regenerative Energien zum Alltag.
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Hans Gert Müller (l.) und Dr. Rainer Wiertz blicken auf 20 Jahre REH zurück

Hürtgenwald. Wer heute eine Photovoltaikanlage installiert, wird kaum als Pionier oder gar Visionär bezeichnet. Als der vor 20 Jahren gegründete Verein Regenerative Energien Hürtgenwald (REH) die ersten Photovoltaikanlagen auf Schuldächern installierte und ein Bürger-Windrad plante, bei dem sich jeder Interessent ab 200 Mark beteiligen konnte, galt dies als Pionierarbeit.

„Viele Menschen haben sich gefragt, warum wir Deppen Geld für diese in den Kinderschuhen steckende Technik ausgeben“, blickt Vorstandsmitglied Dr. Rainer Wiertz zurück. Am Wochenende feiert der Verein seinen 20. Geburtstag. Und löst sich danach auf. „Wir haben unser Ziel erreicht“, bilanziert der REH-Vorsitzende Hans Gert Müller im DZ-Interview.

Warum löst sich der Verein Regenerative Energien Hürtgenwald auf?

Müller: Wir haben damals davon geträumt, dass sich Menschen über Photovoltaikanlagen auf dem Dach unterhalten. Heute gehören erneuerbare Energien zum Alltag. Wiertz: Ganz zu Beginn hatten wir einen Professor zu Gast, der eine Prognose für das Jahr 2030 gewagt hat und von einem Vier-Prozent-Anteil der erneuerbaren Energien gesprochen hat. Im Jahr 2013 liegen wir bei über 25 Prozent. Von dem heutigen Ist-Zustand haben wir vor 20 Jahren nicht zu träumen gewagt.

In welchem Klima haben Sie angefangen?

Wiertz: Viele Menschen haben sich gefragt, warum wir Deppen Geld für diese in den Kinderschuhen steckende Technik ausgeben. Die Technik galt als unsicher und teuer, es gab bei Weitem nicht die Förderung wie heute. Damals haben wir wirklich Pionierarbeit geleistet. Eine neue Technik kann aber nur dann Fortschritte machen, wenn es Menschen gibt, die in der unsicheren Anfangszeit auf sie bauen. Das haben wir getan. Der Wind, der uns vor 20 Jahren ins Gesicht blies, kommt heute von schräg hinten.

Mit welchen Zielsetzungen ist der Verein angetreten?

Müller: Wir haben eine Chance gesehen, im Klimaschutz tätig zu werden und wollten für die neuen Technologien werben, sie öffentlich bekannter machen. Dafür haben wir beispielsweise die „Öko-Tech-Tage“ ins Leben gerufen. Es ging uns immer auch um ökologisches Bauen, Energiesparen und Bewusstseinsbildung.

Aber dieser Prozess ist doch noch nicht abgeschlossen, es gibt doch sicher noch viel für den Verein zu tun?

Wiertz: Sportler bekommen meist ein besonders hohes Ansehen, wenn Sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aufhören. Auch deshalb haben wir diesen Zeitpunkt gewählt, bevor wir langsam in der Unbedeutsamkeit verschwinden.

Wie meinen Sie das?

Wiertz: Damals gab es nur wenige Mitstreiter, heute werden wir von allen Seiten überholt. Ohne Vereine wie die REH hätte es die Energiewende vermutlich nicht so früh und nicht mit dieser Rückendeckung in der Bevölkerung gegeben. Wir fühlten uns als kleiner Verein aber zuletzt wie der Hase und der Igel. Wir haben uns beispielsweise schon lange mit dem Thema Elektromobilität befasst, aber andere haben schlichtweg mehr finanzielle Möglichkeiten und schaffen solche Autos zur Demonstration an. Wir waren immer darauf bedacht, Vorreiter zu sein. Das schaffen wir kaum noch. Es ist aber gut, dass es mehr Akteure gibt. Das sind mittlerweile alles Profis.

Stehen denn oft nicht wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, wenn sich Menschen für erneuerbare Energien interessieren?

Müller: Wer heute ein Haus baut und die Photovoltaikanlage direkt einplant, denkt vermutlich nicht nur an ökologische Interessen. Aber letztlich dient es dem gleichen Zweck. Die große Masse der Menschen erreicht man vor allem über Wirtschaftlichkeit. Uns ist es doch lieber, dass viele Bürger das Thema selbst in die Hand nehmen, als dass Großinvestoren den Markt kontrollieren.

Erneuerbare Energien werden oftmals als Preistreiber an den Pranger gestellt. In den vergangenen Jahren hat sich immerhin die EEG-Umlage, die die Verbraucher zahlen müssen, beinahe verdoppelt.

Wiertz: Grüner Strom ist deutlich preiswerter als Atomstrom und Braunkohlestrom. Die Rechnung wird für Stromkunden auch deswegen teurer, weil es so viele Ausnahmeregelungen für die sogenannte energieintensive Industrie gibt. Jahrelang ist zudem versäumt worden, die entsprechende Infrastruktur zu errichten. Es wird sich grundlegend etwas ändern müssen.

Wie sieht denn aus Ihrer Sicht der Energiemarkt in 30 Jahren aus?

Wiertz: Die dezentrale Energiegewinnung spielt eine sehr große Rolle, sie liegt in Bürgerhand. Kraft-Wärme-Kopplung und Blockheizkraftwerke sind bei jedem Bauvorhaben eine Selbstverständlichkeit.

Und wie sieht es mit den Möglichkeiten zur Energiespeicherung aus?

Müller: Die Speichermöglichkeiten sind noch überschaubar, aber auf diesem Gebiet wird sich noch einiges tun. Während die Windräder ausgereift sind, steckt die Speicherung noch in den Kinderschuhen. Wie schnell es Innovationen gibt, haben wir ja selbst erlebt.

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