Verabschiedung von Dr. Erhard Knauer in der LVR-Klinik

Von: Stephan Johnen
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Mit einer feierlichen Zeremonie wurde Dr. Erhard Knauer (links), Ärztlicher Direktor der LVR-Klinik, am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet. LVR-Direktor Harry K. Voigtsberger würdigte die Verdienste Foto: Johnen

Düren. „Wie wird es ohne dich wohl weitergehen?”, hat die Schulband der Dürener Louis-Braille-Schule eines ihrer einfühlsamen Lieder überschrieben. Sicher kein Zufall, dass die Schüler aus der benachbarten Einrichtung genau diesen Song zur gestrigen Verabschiedung von Dr. Erhard Knauer, dem Ärztlichen Direktor der LVR-Klinik, ausgewählt hatten.

„Ihr Ausscheiden aus dem Dienst des Landschaftsverbandes markiert eine wichtige Zäsur”, sagte anschließend auch LVR-Direktor Harry K. Voigtsberger im vollbesetzten Festsaal der Klinik. „Mit Ihnen geht der letzte Ärztliche Direktor aus einer Generation von Ärzten, die die Psychiatriereform von ihren Anfängen her unterstützt und aktiv gestaltet haben.”

Zahlreiche Wegbegleiter, Kollegen, Freunde, Vertreter von Verbänden, Einrichtungen und Institutionen und Politiker nahmen an der sehr persönlichen Verabschiedung Erhard Knauers teil. Standen im Festsaal die fachlichen und menschlichen Qualitäten des scheidenden Ärztlichen Direktors im Mittelpunkt der Redebeiträge, bewiesen Knauer Voigtsberger anschließend in der Turnhalle bei einem Volleyballspiel ihre sportlichen Talente.

Dr. Erhard Knauer lenkte 22 Jahre lang als Ärztlicher Direktor die Dürener Einrichtung. 1980 begann er dort seine Karriere als Stationsarzt. Warum genau Knauer das Gebiet der Psychiatrie für sich gewählt hatte, lasse sich für Harry K. Voigtsberger nicht mehr genau erklären. „Die einen behaupten, es sei die irrige Annahme gewesen, Psychiater hätten einen leichten Dienst”, sagte der LVR-Direktor augenzwinkernd. Wahrscheinlicher scheint ihm aber der Umstand, dass der junge Arzt in der persönlichen Begegnung mit psychisch Kranken sehr früh einen „verstehenden Zugang” zur Psychiatrie gefunden habe. „Sie waren betroffen von den miserablen Zuständen, die damals herrschten”, blickte Voigtsberger zurück.

Sein ganzes Berufsleben lang habe Knauer auf die „Humanisierung der Lebensbedingungen der chronisch Kranken gebaut”, sich für die Behandlung und Rehabilitation gerade älterer Menschen eingesetzt und die Kooperation mit den Gemeindepsychiatrischen Diensten und den Pflegeeinrichtungen ausgebaut. Zudem installierte er Fachtagungen und setzte sich für eine Aufarbeitung des „schrecklichen Erbes der deutschen Psychiatrie ein”: In den Kliniken und Pflegeanstalten des Rheinischen Provinzialverbandes, in dessen Nachfolge der LVR steht, wurden während der NS-Diktatur Menschen gequält und misshandelt und in Vernichtungsanstalten deportiert.

Als einen „Teil deutscher Psychiatriegeschichte” bezeichnete Jens Bröker, Vorsitzender des Krankenhausausschusses 1, das Wirken Knauers und seiner Reform-orientierten Kollegen. Ziel des Ärztlichen Direktors sei es gewesen, die Psychiatrie zu humanisieren und den Patienten durch respektvolle Behandlung ihre Würde zurückzugeben. Die Qualität einer Gesellschaft zeige sich darin, wie sie mit ihren Kranken umgeht, sagte Bröker. Knauer habe stets vorbildhaft gehandelt.

„Unter Ihrer Leitung hat die LVR-Klinik es vermocht, psychiatrische Behandlungsqualität mit Wirtschaftlichkeit zu vereinbaren”, bilanzierte Harry K. Voigtsbeger. „Wird werden uns besonders anstrengen müssen, dass dies auch in Zukunft weiterhin gelingt.”
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