Venezianisches Liebesspiel im Haus der Stadt

Von: Hannes Schmitz
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Lustvolles Treiben auf der Bühne: Zeitweise war „Eine Nacht in Venedig“ richtig aufregend. Die Spielfreude des Ensembles steigerte sich Lauf der Vorführung, die zur musikalischen Verführung wurde. Foto: Hannes Schmitz

Düren. „Eine Nacht in Venedig“ kann aufregend sein. Mit gemischten Gefühlen sah man aber im Haus der Stadt, wie sich die Dunkelheit über die Lagunenstadt legte, als die Kammeroper Köln die Operette von Johann Strauß aufführte.

Eine Inszenierung, die zwischen Kurzweil und Trägheit schwankte, nette Turbulenzen wechselten mit eher spröden Szenen, verführerische Sequenzen mit Abfolgen, die eine erotische Ausstrahlung wie eine Taube auf dem Markusplatz hatten.

Einen richtigen Schwung nahm das Bühnengeschehen nicht auf, und mancher im meist älteren Publikum hätte sich wohl gewünscht, dass Peter Alexander und Marikka Rökk um die Ecke gekommen wären und die Klischees mitgebracht hätten, die einst Operetten zu den Höhepunkten im Fernsehprogramm machten.

Spiel mit dem Feuer

Das Spiel mit dem Feuer um den Liebeskick war manchmal glutrot, manchmal zündelte es nur. Verschwörungen, Intrigen und Liebschaften waren der Kern des Stückes, in dem weibliche ansprechende, vergnügungssüchtige Wesen darauf warteten, mit heißblütigen und eifersüchtigen Männern nach Irrungen und Wirrungen „in die Gondel“ zu steigen.

Aber wie immer in diesem Unterhaltungsgenre löste sich am Ende auf einem Maskenball alles in Wohlgefallen auf. Jeder/jede erhielt die Herzensdame oder Herzensmann, die er/sie betören wollte. Operetten haben nun mal ein monogames Happyend nach einem Rausch erhoffter Verführungen. Venezianisches Liebesspiel auf kölsche Art, in der alle auf der Suche nach einem Partner sind.

Die Akteure auf der Bühne schienen zu Beginn der Vorstellung irgendwie gehemmt, die Spielfreude kam erst mit der Zeit. Das Publikum ließ sich mit dem Applaus Zeit, brauchte einige Zeit, um sich an eine Aufführung ohne den sonstigen Operetten-Pomp zu gewöhnen. Manche hatten auch in der Pause genug. Sie verzichteten damit aber auf die beschwingten Strauß-Melodien und den „Hit“ des Stückes, „den Lagunenwalzer“.

„Ach, wie so herrlich zu schaun, sind all die reizenden Fraun“ wurde zum Genuss fürs Publikum, ein fast melancholisch anmutender Augenblick auf einer ausgelassenen Karnevals-Party. Sicherlich einer der starken Momente auf der Bühne. Im Orchestergraben überzeugten die Kölner Symphoniker unter der Leitung von Inga Hillsberg

Musikalisch war alles wie aus einem Guss. Sängerinnen wie Sabine Lauternbach und Maria Mucha hatten nicht nur „Stimme“, sondern auch schauspielerisches Talent. Anderes wirkte zeitweise gestelzt, wenn im Stile des Boulevard-Theaters agiert wurde. Dann wurde die Komik komisch. Entschädigung für manche Schwächen waren aber die federleichten Melodien, die über Vieles hinweg blicken ließ.

Gesanglich war das Ensemble bestens aufgelegt. Und schließlich doch lang anhaltender amüsierter Beifall von den Zuschauern im ausverkauften Haus der Stadt.

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