Uwe Ochsenknecht liest: Ein Auftragsmörder gerät unter Pazifisten

Von: Lukas Weinberger
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Uwe Ochsenknecht und die Band
Uwe Ochsenknecht und die Band „The Toxic Truth” sorgten für eine tolle siebte Lesung in der Merzenicher Alten Kirche. Foto: Weinberger

Merzenich. „Vorsicht, Künstler!” Uwe Ochsenknecht bahnte sich den Weg zwischen den rund 200 Gästen in der Alten Kirche. Der Verein Merzenich Event hatte am Wochenende zur siebten Lesung geladen, in diesem Jahr mit dem 55-jährigen Ochsenknecht.

Die Karten seien innerhalb von einer halben Stunde ausverkauft gewesen, berichtete Bernd Ohlemeyer, Vorsitzender des Vereins. „Das hat auch einiges mit dem Charme der Alten Kirche zu tun”, ist Ohlemeyer überzeugt. Und auch die Lesung gefiel den Gästen: Mit langanhaltendem Applaus lobten sie Uwe Ochsenknecht nach dessen Vorstellung.

Dabei hatte dieser sich ein nicht alltägliches Buch zur Lesung ausgesucht: „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen” vom isländischen Autors Hallgrímur Helgason. Eigentlich ist Buch-Protagonist Tomislav Auftragskiller. Über 100 Leute hat er auf dem Gewissen. Erst mordete er als Berufssoldat der kroatischen Armee, dann tötete er auf Auftrag.

Unter seinem richtigen Namen kennt ihn seitdem niemand mehr. Nun ist er Toxic. Doch auch dieser Umstand sollte sich ändern: Der Auftragskiller wird zum Priester. Als er am New Yorker Flughafen in die Bredouille geraten war, das FBI ihn verfolgte, tötete Toxic einen Priester, um dessen Identität und dessen Reiseticket ansichzunehmen. Sein neuer Name? Reverend David Friendly. Sein nächstes Ziel? Reykjavik, Island. Völlig killeruntypisch.

Doch Toxic muss sich damit arrangieren. Am Flughafen in Island empfängt ihn ein Komitee. Priester Friendly war in Amerika ein bekannter Fernsehprediger. Nun spielt Toxic seine Rolle, betet, hält Predigten und sinniert zwischendrin über sein vorheriges Leben. Doch Island ist so gar nicht die Welt, die Toxic kennt: „Keine Waffen, keine Armee, keine Morde.” Und zu allem Überfluss verliebt sich Toxic auch noch in die schöne Tochter seiner Gastgeber. Ein Hitman im idyllischen Island - das kann nun mal nicht gutgehen. Toxic fliegt auf und eines wird ihm klar: „Krieg tötet jeden - auch die, die ihn überleben.”

Die Stimmung kommt rüber

Uwe Ochsenknecht brachte den skurillen, oft sarkastischen Antikriegsroman perfekt rüber. Mal mit einer Prise Dramatik in der Stimme, mit einem Lächeln auf den Lippen, mal spöttisch-witzig. Sogar einen kroatischen Akzent hatte Ochenknecht im Repertoire. Unterstützt von der eigens für die Veranstaltung zusammengestellten Rock-Jazzformation „The Toxic Truth” brachte er jede Stimmung der Textzeilen rüber.

Das Publikum - darunter auch Vertreter der Politik und der Sponsoren - wurde sehr gut unterhalten. Ein Glas Wein, Merzenicher Spezialitäten und der unverkennbare Charme der Alten Kirche taten ihr Übriges und ließen die siebte Lesung zu einem echten Höhepunkt werden. Einziges Manko: ein recht unnahbarer Künstler. Uwe Ochsenknecht verlor - bis auf die Textzeilen des Romans von Helgason - auf der Bühne kein Wort. Kein Hallo, kein Tschüss. Nur eine Verbeugung gemeinsam mit der Band am Schluss.

Gelesen hat er aber zweifelsohne gut.
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