US-Soldaten beim Hürtgenwaldmarsch: Geschichte am eigenen Leib erfahren

Von: Markus Niederhöfer
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Zu den rund 650 Teilnehmern am 34. Marsch durch den Hürtgenwald gehörte auch diese Gruppe aus deutschen und ausländischen Soldaten sowie Zivilisten. Foto: Markus Niederhöfer
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Private First Class Habiba und Staff Sergeant Zorrilla, Soldaten der US-Armee, wollten auch zur Versöhnung mit ihrer Teilnahme beitragen. Foto: Markus Niederhöfer
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Mit einer Ausstellung „Leben im Feld“ versuchten Teilnehmer, das Soldatenleben in einem originalgetreuen US-Feldlager darzustellen. Foto: Markus Niederhöfer

Vossenack. „Wir hören, was passiert ist, lesen es in den Geschichtsbüchern. Ich bin hier, um am eigenen Leib zu erfahren, was die Soldaten ertragen mussten. So kann ich besser nachempfinden, was hier vor über 70 Jahren geschah.“ Erschöpft, aber zufrieden meisterte Staff Sergeant Zorrilla aus New York die letzten hundert Meter.

Er und seine Kameradin, Private First Class Habiba, nahmen am Samstag am Hürtgenwaldmarsch in Vossenack teil. Die beiden in Wiesbaden stationierten US-Soldaten marschierten wie viele andere quer durch das Hürtgenwalder Land, in Gedenken an die Opfer der blutigen Kämpfe, die dort gegen Ende des Zweiten Weltkrieges stattgefunden haben.

„Teilgenommen habe ich, weil ich möglichst viel von Deutschland sehen möchte. Es ist toll, hier an diesem einst schrecklichen Ort, deutsche Soldaten zu treffen und Freundschaften zu schließen“, sagte Habiba aus Florida.

Bereits zum 34. Mal wurde der Hürtgenwaldmarsch ausgerichtet, organisiert von der Reservistenkameradschaft Hürtgenwald in Kooperation mit der Bundeswehr. Bei schönem Wetter absolvierten rund 650 Teilnehmer, darunter auch viele Zivilisten, einen Zehn-, 20-, 30- oder 40-Kilometer-Marsch. 13 Versorgungsteams mit Sanitätern und Ärzten sicherten die Strecken und sorgten für Verpflegung.

Oberstleutnant Thomas Frank (51) aus Düren, hauptverantwortlich für die Planung, zog eine positive Bilanz: „Hauptsächlich geht es darum, ins Gespräch miteinander zu kommen. Es sind Menschen aus über acht Nationen zu uns gekommen. Das Motto ‚Versöhnung über den Gräbern‘ wird hier gelebt. Das ist Völkerverständigung pur.“

Auf den Strecken in der ehemals umkämpften Region traf man etliche Menschen verschiedenster Herkunft. Sie alle ehrten die zahlreichen Soldaten, die den Schlachten rund um Hürtgenwald Ende 1944/Anfang 1945 zum Opfer fielen. So auch Obergefreiter Marc Poelen aus Oftersheim und Marilyn Mingou, Majorin der belgischen Armee.

Sie sind Teil des „Belgian-German Friendshipteam“, einer multikulturellen Gruppe eines belgisch-deutschen Freundschaftskreises, die weltweit an Märschen teilnimmt. „Bei uns gibt es Menschen aus 17 Nationen. Wir wandern, lachen, haben Spaß zusammen. Wie könnten wir je verfeindet sein?“, fragte Poelen.

Ein Platzkonzert des Reservemusikzuges Sauerland musste allerdings abgesagt werden, da der zuständige Offizier sich im Auslandseinsatz in Mali befand. Trotzdem wurde den Teilnehmern und Besuchern ein beachtliches Rahmenprogramm geboten.

Das Gelände am Vossenacker Sportheim bot Platz für die Ausstellung „Leben im Feld“. Darsteller aus mehreren Ländern setzten das Soldatenleben in einem originalgetreuen US- Feldlager in Szene. Volker Dederichs (42) aus Würselen war einer von ihnen. „Das Equipment, dass wir hier verwenden, entspricht dem Originalequipment von 1944/45. Wir kochen in einer echten Feldküche nach echten Rezepten, spülen und waschen wie damals, schlafen in den alten Schlafsäcken der US-Armee.“ Fahrzeuge, Sanitätshaus, Kommandozelt – die Darsteller boten einen detaillierten Einblick.

Zum Abschluss des Hürtgenwaldmarsches ergriff Major General John L. Gronski, ranghoher General der US-Armee, das Wort. In seiner Rede rief er zu Anerkennung für die gefallenen Soldaten auf und betonte, dass Amerikaner und Deutsche heute vereint sind und für die gleichen Werte einstehen.

Die verbliebenen Teilnehmer ließen im Anschluss den Tag in einem gemeinschaftlichen Kameradschaftsabend ausklingen.

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