Ursachen der Armut in den Fokus rücken

Von: Stephan Johnen
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Es gibt viele Projekte, die von Armut bedrohte Kinder unterstützen, beispielsweise mit kostenlosen Mittagessen in Schulen und Kitas. Das Handlungskonzept soll die Ursachen in den Fokus rücken. Foto: imago/epd
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Ulf Opländer. Foto: Johnen

Düren. Armut ist in der Stadt Düren keine theoretische Größe. Über 4200 Kinder und Jugendliche erhalten Sozialleistungen, knapp 500 weitere einen Kindergeldzuschlag. 14,8 Prozent aller Einwohner Dürens sind „Hartz-IV-Empfänger“. „Armut ist konkret sichtbar“, heißt es daher in der Armutsdefinition, die das Netzwerk gegen Kinderarmut aufgestellt hat.

„In der Stadt Düren ist Armut zuerst Einkommensarmut, die Spielräume einschränkt, zu Unterversorgung und sozialer Ausgrenzung führt“, heißt es weiter. Kinder und Jugendliche müssten oft schon früh Entbehrungen erleiden und würden in den Bereichen Bildung, Kultur und Sport benachteiligt. Mit der Folge, „dass es ihnen auch später nicht gelingt, ihre vorhandenen Potenziale zu nutzen“. Es besteht die Gefahr eines Armutskreislaufs. Dieser soll in Düren durchbrochen werden.

Die „Ampel“-Koalition hat für die morgige Sitzung des Stadtrats den Antrag gestellt, dass die Stadt ein „integriertes Handlungskonzept gegen Kinderarmut“ aufstellt. „Es geht darum, eine Strategie zu entwickeln, die die bereits vorhandenen Projekte und Konzepte aufgreift und zusammenführt“, erläutert Ulf Opländer, Vize-Fraktionsvorsitzender der SPD. Nicht zuletzt die Arbeit des Netzwerks habe es in den vergangenen fünf Jahren geschafft, das Thema Kinderarmut in der Stadt zu enttabuisieren und viele Akteure aus Verwaltung, Sozialverbänden, Kirchen und Vereinen zusammenzuführen. Das sei wichtig und notwendig – aber nicht genug, um nicht nur an den Symptomen von Armut zu arbeiten.

„Ein gut gemeinter Flickenteppich von einzelnen mit Spendenmitteln finanzierten örtlich und zeitlich begrenzten Maßnahmen kann die strukturellen Behinderungen, denen Kinder ausgesetzt sind, nicht überwinden“, heißt es in dem Antrag. Oder anders formuliert: Wenn es darum geht, die Ursachen anzugehen, sind Politik und Verwaltung gefragt, die die Rahmenbedingungen ändern können. Beispielsweise bei Fragen der Ganztagsbetreuung in Schulen und Kindergärten, beim sozialen Wohnungsbau, der städtebaulichen Entwicklung und bei der Zusammenführung aller „staatlichen“ Akteure sowie einer Bündelung der oft parallel angebotenen Unterstützungsmöglichkeiten. Es bedarf einer Koordinierungsstelle, in der alle Fäden zusammenlaufen und neue geknüpft werden können.

In dieses Horn hatte beim jüngsten Gipfel gegen Kinderarmut der Stadt auch die Sozialwissenschaftlerin Gerda Holz gestoßen. „Viele Akteure sind vorhanden, aber sie haben zu wenig Kontakt untereinander. So ist keine Strategie möglich“, bilanzierte sie. Die strukturelle Armutsprävention sei die Aufgabe von Politik und Verwaltung, die aus allen vorhandenen Elementen und Ansätzen ein Handlungskonzept entwickeln müssten. Als Ergebnis des jüngsten Gipfels sollte ein Antrag für einen politischen Beschluss zur Entwicklung eines integrierten kommunalen Handlungskonzeptes formuliert werden.

„Wir sollten auch über den Tellerrand hinausschauen und nach guten Konzepten anderer Kommunen Ausschau halten“, sagt Ulf Opländer. „Da Armut keine lokalen Ursachen hat, müssen wir auch, die Landes- und Bundespolitiker gewinnen.“ Ein Schwerpunkt soll die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sein, um so indirekt die ganze Familie unterstützen zu können. Opländer ist überzeugt, dass als Folge der Arbeit auch die Attraktivität der Stadt steigt – und sich mehr (zahlungskräftige) Familien für ein Leben in Düren entscheiden. Dies helfe der Ausbalancierung des sozialen Gefüges. Nachgefragt

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