Uraufführung im Stadtmuseum: Der Gesang der Massai

Von: kel
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Professor Dr. Wilfried Glöckner (links) und Rolf Terkatz erläuterten, wie es gelang, die Aufnahmen auf historischen Wachswalzen aus der Schillings-Sammlung wieder hörbar zu machen. Foto: Axel Keldenich

Düren. Eine Uraufführung ganz seltener Art erlebten die Gäste im Stadtmuseum an der Arnoldsweiler Straße in Düren. Sie hörten als Erste Tonaufnahmen des bekannten Schriftstellers und Fotografen Carl Georg Schillings, die dieser vor rund 120 Jahren auf Wachswalzen aufgenommen hatte. Ganz deutlich war zu erkennen, wie der Autor von „Mit Blitzlicht und Büchse“ das Lied „Guter Mond, Du gehst so stille“ anstimmte.

Mehr noch: Nach dessen eigenem Gesang und einer Darbietung des gleichen Liedes durch einen Chor waren Aufnahmen zu vernehmen, die bei einer seiner Expeditionen nach Äquatorial-Ostafrika Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Unter anderem schildert dabei ein Massai in seiner Sprache, wie er ein Wild erlegt hat. Und schließlich war der Chorgesang einer Gruppe weiblicher Massais zu hören.

Dass diese Tondokumente überhaupt wieder zum Leben erweckt wurden, ist vor allem Professor Dr. Wilfried Glöckner zu verdanken. Der Wissenschaftler, der wie Schillings selbst eine Zeit lang in Gürzenich gelebt hat, sammelt alte Musikinstrumente und Wiedergabegeräte und kennt sich bestens mit deren Technik aus.

Ihn hatte Rolf Terkatz, der sich seit 1966 um die heute im Stadtmuseum untergebrachte Schillings-Sammlung kümmert, angesprochen. Denn zu Schillings‘ Nachlass gehören auch 30 Wachswalzen, an die sich bisher niemand „herangetraut“ hatte.

Aufwendige Aktion

Professor Dr. Glöckner gelang es nun, den historischen Tonträgern mit Hilfe eines Original-Edison-Phonographen tatsächlich die erwähnten Klänge zu entlocken, die inzwischen auch in einer aufwendigen Aktion digitalisiert wurden, indem man unter anderem zur Aufnahme ein Mikrofon vor den Trichter des Wiedergabegeräts platzierte.

Er berichtete auch, dass solche Walzen früher mehrfach wieder abgeschliffen und neu bespielt werden konnten. Waren die Aufnahmen von optimaler Qualität, konnten sie bis zu 100 Mal abgespielt werden.

Zum Ende des Vortrags präsentierte Professor Dr. Glöckner einige Stücke seiner Sammlung und bot an, dass man mit der alten Technik eine Aufnahme machen könne. So trat Bernd Hahne, seines Zeichens der Vorsitzende der Dürener Geschichtswerkstatt und des Vereins „Stadtmuseum“, vor den Trichter und schmetterte gewissermaßen als „weißer Massai“ das alte „Stammeslied“ der alteingesessenen Dürener. Kurz darauf erscholl dann die Aufnahme „Mir sin allemole Dürener Jonge“ aus dem Trichter des Phonographen.

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