Unvergessen und witzig: Die „Comedian Harmonists“

Von: Hannes Schmitz
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Sie boten einen überwiegend glanzvollen Abend: die „Comedian Harmonists in Concert“, die sich für dieses Programm am Staatstheater zusammenfanden. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Ein brillantes Feuerwerk krönte einen glänzenden Silvesterabend im Haus der Stadt, der durch exorbitante Lebendigkeit, intensive und eindrucksvolle Wiedergaben von Schlagern und Kunstliedern der einstigen „Comedian Harmonists“ auf der Bühne bestach. Nach dem letzten Vorhang startete dann zum Jahresbeginn ein durchaus atemberaubendes Spektakel.

Zu der symphonischen Dichtung von Richard Strauss „Also sprach Zarathustra“ zündeten im Takt der Musik die ersten Feuerwerkskörper und entwickelten zu einer ausgewählten Musik eine fantastische „Symphonie“ aus Farben und Bildern. Ein staunendes Publikum bewunderte den berauschenden Farbbogen über dem Theater Düren. Es stieß nicht nur auf das neue Jahr an, sondern auch auf einen gelungenen Theaterabend.

Die „Comedian Harmonists in Concert“ standen auf der Bühne und zelebrierten überwiegend hinreißend die unsterblichen Arrangements des Vokalquintetts und ihres Pianisten, die in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts für Furore sorgten.

Mark Weigel, Felix Steinhardt, Ulrich Bildstein, Stephan Clemens, Hermann Enkemeier und Pianist Ralf Schurbohm servierten musikalische Hochgenüsse und ließen mit Klassikern wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Veronika, der Lenz ist da“ das legendäre Vokalensemble noch einmal auferstehen. Das Publikum im Saal war hin- und hergerissen von einer Musik, die zwar von vorgestern stammt, aber unverändert berührend, witzig und unvergänglich zu sein scheint.

Die Sänger auf der Bühne waren gut und steigerten sich im Verlaufe des Abends. Man merkte der Gruppe an, dass sie nicht jeden Abend gemeinsam auf der Bühne stehen, sonst würde die Feinabstimmung der tiefen und hohen Lagen besser ausfallen. Leise Unsauberkeiten im ersten Teil waren im zweiten fast verschwunden. Die Formation hatte sich wieder „aneinander“ gewöhnt, die Akteure harmonierten stimmlich immer besser und sangen sich meist elegant durch die enge Harmonieführung und die schwierigen A-capella-Passagen.

Die Gruppe verstand es die Höhen und Tiefen der „Comedian Harmonists“ , die es eine Zeit lang schafften, ihren Traum berühmt zu werden und die Welt mit Liedern zu unterhalten, als Bilderbogen vorbei ziehen zu lassen und den Zeitgeist zwischen Bourgeoise und Boheme lebendig werden zu lassen. Das Atmosphärische der 20er Jahre und das Düstere der beginnenden Nazizeit.

Das Publikum war begeistert, applaudierte frenetisch dem „Kleinen grünen Kaktus“, sehnte sich nach dem „Guten Freund“ und litt mit, als es hieß „Kein Schwein ruft an“. Mit Eichendorffs Vers „In einem kühlen Grunde ich möcht‘ am liebsten sterben“ und „Irgendwo auf der Welt“ endete ein Abend, der geschickt auf der Klaviatur der Gefühle spielte zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt und alle Stimmungslagen auslotete bis zu einem furiosen, virtuosen Zugabenteil, der viele von den Sitzen riss.

1928 hatten die „Comedian Harmonists“ ihren ersten großen Auftritt. Sie wurden in Deutschland gefeiert, bis die Nationalsozialisten an die Macht kamen. 1935 mussten sie auseinandergehen. Drei der sechs Deutschen waren Juden oder galten als sogenannte „Nicht-Arier“. Die Gruppe zerstritt sich. Ihre Musik durfte in Nazi-Deutschland nicht mehr gespielt werden. Zwischen den Liedern wurde die Geschichte der wahren „Comedian Harmonists“. Allerdings war das Ganze sehr „weich gespült“ und wohl eher auf Unterhaltungsshow gerichtet. Auf einige Fakten wurde verzichtet.

Das tat dem Bühnenspiel aber keinen Abbruch, das mit stehenden Ovationen und tosendem Applaus endete. Die Premiere im Haus der Stadt, den Silvesterabend in Düren einmal anders zu gestalten, war gelungen.

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