Kreis Düren - Untreue-Prozess: Jobcom-Mitarbeiter überwies sich selbst 280.000 Euro

Untreue-Prozess: Jobcom-Mitarbeiter überwies sich selbst 280.000 Euro

Von: Burkhard Giesen
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Untreue und Unterschlagung: Ehemaliger Jobcom-Mitarbeiter muss sich ab Oktober vor dem Dürener Schöffengericht verantworten. Symbolfoto: Colourbox

Kreis Düren. Es passiert im August 2012. Ein Personalvermittler der Dürener Jobcom macht das, was er immer macht: Auf dem Tisch liegt eine Rechnung, er muss das Geld an einen Jobcom-Kunden überweisen. Alltagsgeschäft. Neu ist im August 2012, dass der Personalvermittler die Rechnung fingiert hat und die Personalien frei erfunden sind.

„156 Fälle der gewerbsmäßigen Untreue im Amt in Tateinheit mit Urkundenfälschung“, sagt Dürens Amtsgerichtsdirektor Ulrich Conzen, werden dem heute 60-Jährigen vorgeworfen. Verhandelt wird der Fall Ende Oktober vor dem Dürener Schöffengericht. Was genau dazu geführt hat, dass der bis dahin unbescholtene Personalvermittler das Geld, das er überweisen sollte, lieber auf seinem eigenen Konto sieht, bleibt im Vorfeld des Prozesses unklar.

Die Summe steht allerdings deutlich im Raum: Mit 280.000 Euro beziffert Conzen den Schaden. Auf die Motivation des 60-Jährigen gibt es einen Hinweis: „Der Mann hat auf größerem Fuß gelebt, als sein Einkommen es hergab“, erklärte der mit dem Fall betraute Aachener Staatsanwalt Dr. Georg Blank im November 2016.

Ausgedehnte Reisen ins Ausland seien vorrangig von dem veruntreuten Geld finanziert worden. Was im August 2012 erstmals problemlos funktionierte, gestaltete sich auch in den kommenden Monaten und Jahren reibungslos.

Das Muster war immer gleich: Der Personalvermittler beschaffte sich von einem Dürener Werkstattbetreiber eine fingierte Rechnung und rechnete die über erfundene Personen ab. 156 Mal. Im Monat kam der Dürener so auf einen Zusatzverdienst von 5800 Euro. Einen Teil davon dürfte der Dürener an den 46 Jahre alten Werkstattbetreiber abgegeben haben, der im Oktober mit auf der Anklagebank sitzen wird und der Beihilfe angeklagt ist.

Das System war perfekt

Das System, das sich der Dürener ausgedacht hatte, war offenbar so perfekt, dass es nie aufgefallen ist. Zum Verhängnis wurde dem Mann etwas ganz anderes. Unabhängig von ihm hatte eine andere Mitarbeiterin der Jobcom sich ebenfalls im 140-Millionen-Etat der Jobcom bedient und so rund 40.000 Euro unterschlagen. Ihr Betrug war aufgeflogen.

Die Folge: Die Innenrevision des Kreises Düren prüfte alle Unterlagen der letzten Jahre und stieß dabei eher zufällig auf die Unregelmäßigkeiten bei dem Personalvermittler, der eine viel höhere Summe veruntreut hatte. Seinen Arbeitsplatz durfte er daraufhin mit einer Gefängniszelle tauschen – er landete Ende Oktober 2016, als der Kreis Düren selbst den Fall öffentlich machte, vier Wochen lang in Untersuchungshaft. Geld wurde bei dem früheren Jobcom-Beschäftigten nicht mehr gefunden.

Maximal vier Jahre Haft drohen dem Dürener. Denkbar ist, dass er mit einem blauen Auge davonkommt. Amtsgerichtsdirektor Ulrich Conzen: „Die beiden Angeklagten haben ein Geständnis abgelegt.“ So ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass es schon am ersten Prozesstag zu einem Urteil kommen wird.

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