Kreis Düren - Unterwegs mit Oliver Krischer: Heimspiel mit der Bundesvorsitzenden

Unterwegs mit Oliver Krischer: Heimspiel mit der Bundesvorsitzenden

Von: Sandra Kinkel
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Unterwegs im Wahlkampf mit Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen): Treffen mit der Parteifreundin und Bundesvorsitzenden Simone Peter an den Bienenständen am Solarpark Inden, ...
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...Podiumsdiskussion in Jülich... Foto: Sandra Kinkel
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...und Gespräch mit Bürgern bei veganen Teigtaschen mit Gemüsefüllung und Eistee am Food-Truck. Foto: Sandra Kinkel
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Oliver Krischer absolviert bundesweit weit mehr als 100 Wahlkampfauftritte. Foto: Sandra Kinkel

Kreis Düren. Wahlkampf ist nicht immer das pure Vergnügen. An diesem Morgen steht Oliver Krischer an vier Bienenstöcken direkt am Solarpark Inden. Es stürmt und schüttet wie aus den buchstäblichen Eimern. Dem Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen scheint das nicht viel auszumachen. Der Mann ist in seinem Element.

Die Parteivorsitzende Simone Peter hat auf ihrer Deutschland-Tour im Kreis Düren Station gemacht, seine beiden Parteifreunde Hella Rehfisch aus Inden und Gudrun Zentis aus Nideggen sind ebenfalls gekommen. Mit den beiden Imkern Frank Schmutzler und Maik Prautzsch diskutieren die Politiker übers Bienensterben im Besonderen und Insektensterben im Allgemeinen.

In unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk Weisweiler und dem riesigen Solarpark geht es aber – natürlich – auch um den Kohleausstieg und erneuerbare Energien. Das sind die Themen, die Krischer besonders am Herzen liegen. Er ist stellvertretender Fraktions-Chef der Grünen im Bundestag und gleichzeitig auch umweltpolitischer Sprecher seiner Partei. Also der Mann, der den Grünen bei Umweltthemen ein Gesicht gibt. „Man sieht hier“, erklärt er seiner Parteichefin, „dass da, wo früher eine große Hausmüll-Deponie war, heute mehr Natur ist, als auf manch landwirtschaftlicher Fläche.“

Was der Politiker meint: Auf der ehemaligen Deponie befindet sich heute der Solarpark Inden, der bei seiner Entstehung vor sechs Jahren der größte in ganz Deutschland war. Die Wiese drumherum wird nur einmal im Jahr gemäht.

Nachhaltige Landwirtschaft

Krischer: „Hier gibt es Insekten, die man sonst in einer solchen Vielfalt nur noch selten findet.“ Schnell ist der Abgeordnete, der mit Platz zwei auf der NRW-Liste so gut abgesichert ist, dass er am 24. September zum dritten Mal in den Bundestag einzieht, wenn seine Partei die Fünf-Prozent-Hürde überspringt, beim Thema nachhaltige Landwirtschaft. „Es muss sich etwas ändern“, sagt der 48-Jährige. „Die industrielle Landwirtschaft mit ihrem Pestizid-Einsatz, das Verschwinden artenreicher Blumenwiesen und die anhaltende Flächenversiegelung sind Ursachen für großes Insektensterben.“

Bei den beiden Imkern und seinen Parteifreunden sowieso rennt Krischer, der demnächst die Patenschaft über die beiden Bundestags-Bienenstöcke übernimmt, offene Türen ein. Bei diesem Termin hat er ein echtes Heimspiel. Vermutlich auch deshalb trotzt er einer Regenschauer nach der anderen – und das ohne Kapuze und Schirm.

Wie viele Wahlkampftermine er vor der Bundestagswahl absolviert, kann Krischer nicht genau beziffern. „Es ist aber eine Zahl deutlich im dreistelligen Bereich“, sagt er. Krischer ist bundesweit unterwegs. „Der Diesel-Skandal“, sagt er, „ist das absolut bestimmende Thema. Das bewegt die Menschen unglaublich.“

Bei all den Terminen nimmt Krischer sich zwischendurch immer mal wieder Zeit für ein Stündchen Haustürwahlkampf. An diesem Tag ist er mit seinem 16-jährigen Sohn Stefan, der sich auch bei den Grünen engagiert, im Bereich Holzstraße in Düren unterwegs. „Es ist immer noch ungewohnt, mit und vor allem für meinen Vater Wahlkampf zu machen“, sagt Stefan Krischer. „Aber ich tue das, weil ich von den grünen Themen überzeugt bin.“

Unaufdringlich

Die Straßen für den Haustürwahlkampf sind sorgfältig ausgewählt. „Wir wissen, wo Grüne-Wählerklientel wohnt“, sagt Oliver Krischer. „Und wir wissen auch, dass die manchmal unentschlossen ist. Deswegen machen wir genau dort den Haustürwahlkampf. Wir wollen die Menschen überzeugen, zur Wahl zu gehen, Grün zu wählen.“

Krischer hat Flyer dabei, er klingelt und sagt „Guten Tag, ich bin Oliver Krischer von den Grünen und würde mich freuen, wenn Sie mich 24. September wählen würden.“ Er wolle beim Haustürwahlkampf, so unaufdringlich wie möglich sein. „Ich möchte die Menschen nicht belästigen. Aber ich möchte ihnen zeigen, dass da jemand ist, der zu ihnen kommt. Wenn jemand das Gespräch sucht und Fragen stellt, freue ich mich aber natürlich.“ An diesem Abend kommt das nur einmal vor, eine ältere Dame scheint durchaus Lust zu haben, mit Krischer zu plaudern.

Ansonsten sind die Menschen freundlich, aber reserviert. „Herr Krischer, sind Sie es selbst“, fragt ein Mann auf der Straße und freut sich offensichtlich wirklich, den Abgeordneten zu treffen. „Ich habe Sie auch schon gewählt.“

Einmal, erzählt Krischer später, sei ihm beim Haustürwahlkampf mit der Polizei gedroht worden. „Im Allgemeinen sind die Menschen aber freundlich. Manchmal wundert mich das, vor allem wenn ich sehe, wie viel Aggressivität ich manchmal in den sozialen Medien erlebe.“ Krischer mag Haustürwahlkampf. „Man lernt Ecken seiner Stadt kennen, in die man sonst nicht kommt. Man trifft viele Menschen. Und man bewegt sich auch noch.“

Unterschiede deutlich machen

Bei der Landtagswahl habe er 1000 Haushalte geschafft. „Jetzt sind es deutlich weniger. Ich bin einfach zu viel unterwegs.“ Grüne Inhalte kommen bei dieser Stunde Haustürwahlkampf wenig zur Sprache, dafür ist aber Raum bei einer abendlichen Podiumsdiskussion im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Jülich. „Ich finde solche Veranstaltungen wichtig“, sagt der Grünen-Politiker, „weil man deutlich machen kann, dass es eben doch große Unterschiede zwischen den Kandidaten und den Parteien gibt.“ Der Saal ist voll, um die 100 Menschen sind zu der Veranstaltung gekommen.

Krischer steht, genau wie seine drei Kontrahenten, an einem Stehtisch. Falls er nervös ist, ist ihm diese Aufregung nicht anzumerken. Er sieht entspannt aus. Arbeitsmarktpolitik, Rente, Flüchtlingskrise, Auslandspolitik und am Schluss „noch ein bisschen Klima“ sind die Themen, die Moderatorin Elke Bennetreu für die Veranstaltung ankündigt. Am Ende hat sie selbst einen sehr hohen Redeanteil, ein wirkliches Streitgespräch zwischen den Kandidaten entsteht kaum. Trotzdem kann Krischer einige seiner Positionen deutlich machen.

Er plädiert dafür, dass Männer und Frauen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen sollen und betont, dass es der deutschen Wirtschaft zwar gut gehe, die Verteilung des Reichtums aber äußerst problematisch sei. „Ich will gar nicht von exorbitant hohen Managergehältern sprechen, aber die Schere zwischen Arm und Reich wird in Deutschland immer größer. Die Kinderarmut steigt. Daran müssen wir arbeiten.“

Krischer versucht, Zündstoff in die Runde zu bringen, will provozieren. Die Moderatorin entzieht ihm das Wort. Zum ersten Mal bekommt man den Eindruck, dass der Grüne sich ärgert. Seine klimapolitischen Überzeugungen kann er an diesem Abend kaum an den Mann bringen, aber bei der Flüchtlingsdebatte wird er noch einmal deutlich – und laut. „Ein Europa, das sich mit Zäunen abschottet und versucht, mit Waffengewalt Menschen zurückzuhalten, ist nicht mein Europa.“

„Bleiben Sie hartnäckig“

Neuer Tag, anderer Ort: In der Dürener Fußgängerzone steht ein Food-Truck. Krischer und seine Parteikollegen verteilen vegane Teigtaschen und Eistee. Krischers Eltern sind aus Hergarten gekommen, ein Fernsehsender dreht einen Film über den Politiker. „Darf ich Ihnen etwas Leckeres von den Grünen anbieten?“, fragt Krischer, der mit einem Tablett unterwegs ist. „Um Gottes willen“, ruft ein Passant. „Auf keinen Fall. Sie sind doch die arbeitsfeindliche Partei.“ Der Mann geht weiter.

Und Krischer? Der nimmt es gelassen. „Man kann nicht alle erreichen“, sagt er. „Und das muss man auch gar nicht.“ Wieder steht ein Mann vor ihm. „Bleiben Sie weiterhin hartnäckig mit Ihren Forderungen gegen die Bundesregierung“, sagt der. „Ich finde das toll. Und ich wähle Sie auch.“ Oliver Krischer bedankt sich, lächelt. Auch wenn Wahlkampf nicht immer Spaß macht, viele schöne Momente hat er doch.

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