Unikat in Düren: Grünen-Poltiker Bruno Voß

Von: Ingo Latotzki
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„Schöne Gestaltungsvereinbarungen mit der CDU“. Der Grüne Bruno Voß paktiert auf Kreisebene mit den Christdemokraten, in der Stadt Düren hat er sie gegen sich. Foto: Ingo Latotzki

Kreis Düren. Es war der Wunsch des Vaters, dass der Sohn eine Lehre zum Bankkaufmann macht. Der lehnte aber dankend ab, aus einem einfachen Grund: Er wollte keine Krawatten tragen. Das ist bis heute so, auch wenn Bruno Voß heute im Verwaltungsrat der Sparkasse Düren sitzt – und dort die Krawatte zum Anzug gehört wie derzeit niedrige Zinsen zum Kredit.

Die kleine Geschichte ist wichtig, um sich Bruno Voß, 65, ein bisschen zu nähern. Voß ist ein Unikat: Im Kreistag koaliert er als Grünen-Politiker mit der CDU. Im Stadtrat Düren ist die CDU sein politischer Gegner, da koaliert er mit SPD, Linken und FDP. Bruno Voß ist der Mann, der es mit allen hinbekommt.

Der Grüne geht einen unkonventionellen Weg, nicht nur politisch, sondern manchmal eben auch kleidungstechnisch. Nur einmal hat er eine Krawatte getragen, auf einem Sparkassentag in Düsseldorf – und da hat er sich den Schlips vom örtlichen Sparkassenvorstand binden lassen.

Sonst kommt Voß aber gut alleine klar. Auf die Frage, ob er sein politisches Fähnchen nach dem Wind hängt, wie es in den 80ern der FDP vorgeworfen wurde, sagt er: „Nein. Mir geht es um die Themen.“

Als sich nach der Kommunalwahl 2014 im Kreis die Frage stellte, wie die Grünen ihre sechs Mandate am besten einsetzen können, kam Voß nicht zuerst über die Parteien, sondern über die Sachfragen. Jugendpolitik war ihm immer schon wichtig, Migrationspolitik, Flüchtlingspolitik und Bildung. Natürlich auch Verkehr und der Klimaschutz. „Die größten Möglichkeiten, meine Themen umzusetzen, habe ich bei der CDU gesehen.“

Heute ist Voß Fraktionsvorsitzender und sagt: „Wir haben damals schöne Gestaltungsvereinbarungen geschlossen.“ Er spricht extra von Gestaltung, weil es ihm darum geht: Machen. Handeln.

Das würde er auch am Landrat schätzen. „Spelthahn denkt unternehmerisch“, sagt Voß, er will das auch machen und spricht deshalb nicht von der Kreisverwaltung, sondern von der Kreisfirma. Statt Haushalt sagt er Wirtschaftsplan.

Das sei im Dürener Rat anders. Rein rechnerisch wäre nach der Wahl 2014 eine Koalition mit der CDU möglich gewesen, zusammen hätten es beide auf 26 Stimmen gebracht. Das wäre eine Mehrheit von einer Stimme gewesen, wie heute mit der „Ampel“. „Wir haben damals auch mit der CDU gesprochen“, sagt Voß. Aber schon im ersten Gespräch sei „eine deutliche Distanz zu spüren gewesen“.

Jetzt lächelt Voß: „Bei uns gibt es natürlich auch einige, die nur wenig CDU-kompatibel sind“. Und es gibt welche, die sagen, die heutige „Ampel“ sei vor allem ein Anti-CDU-Bündnis, weil 2014 verhindert werden sollte, dass die seit 1999 herrschenden Christdemokraten am Ruder bleiben.

Voß sagt, es sei für ihn „kein Problem, auf Kreisebene für und auf Stadtebene gegen die CDU“ zu sein. „Noch mal“, sagt er, „es geht mir um die Themen.“ In der Kommunalpolitik würde doch in erster Linie um konkrete, die Orte betreffende Fragen gerungen. Er sitzt in einem Café in der Dürener Innenstadt und sieht aus dem Fenster. Unter ihm liegt der Marktplatz, der in diesem Jahr umgestaltet wird. „Wie das gemacht wird, hat eigentlich nichts damit zu tun, ob du Grüner oder Christdemokrat bist“, sagt Voß. Er sei „nicht gespalten“, schon gar „kein Machtmensch, der nach jedem Posten hechelt“.

Voß, Jahrgang 1952, ist Ende der 60er Jahre politisch sozialisiert, zu einer Zeit, „als es in Deutschland losging“. Seinen Vater bezeichnet er als Nationaldemokraten, an dem er sich „gerieben hat“. Voß wächst in Lahnstein auf und trifft auf dem Gymnasium einen gewissen Rudolf Scharping, der ihn für die berühmte „Willy wählen“-Wahl 1972 anheuern will. Aber Voß will nicht, er sieht seine politische Heimat nicht bei der SPD. Die Grünen gibt es noch nicht.

Statt Sozialdemokrat wird er Sozialarbeiter, seit 1977 ist er in Düren, arbeitet bis zum Ruhestand 2014 bei der Evangelischen Gemeinde und ist seit 1984 im Dürener Rat. Damals war eine rot-grüne Koalition noch etwas Besonderes, in Düren gab es sie.

Doch bei aller Sachfragenorientierung: Manchmal überschneiden sich die Themen auch. Wenn die Bürgermeister des Kreises immer wieder klagen, dass die Städte eine zu hohe Kreisumlage zahlen müssten, betrifft das Voß als Dürener Stadtrat. Es betrifft ihn aber auch als Kreis-Politiker, weil er als solcher die Interessen des Kreises vertreten soll.

Bei dieser Frage trägt er den Hut des Kreises. Voß sagt, dass nicht der Kreis der Schuldige sei, sondern das Land. Düsseldorf müsse die Kommunen weitaus mehr unterstützen als bisher. Der Kreis habe keinen finanziellen Spielraum, eine Stadt wie Düren zum Beispiel könnte „viel mehr an freiwilligen Leistungen verteilen als der Kreis.“

Voß scheint seine Jobs mit einer gesunden Gelassenheit anzugehen. Die brauchte er auch in der eigenen Partei. Die Koalition mit der CDU brachte auch Gegenwind. Den hat er auch privat erlebt. Mit einer sicher augenzwinkernd gemeinten Drohung seiner Frau musste er leben. Sie sagte damals: „Wenn du das machst, wähle ich dich nicht mehr.“

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