Düren - Ungezinkt, messerscharf, offenherzig: Anka Zink im Komm

Ungezinkt, messerscharf, offenherzig: Anka Zink im Komm

Von: han
Letzte Aktualisierung:
Ein Abend vor allem für Fraue
Ein Abend vor allem für Frauen, aber auch für Männer: Anka Zink war im Komm zu Gast. Foto: han

Düren. Plaudertasche und Fachfrau: Ungezinkt, messerscharf und offenherzig setzte sich Anka Zink im Komm mit dem Leben im digitalen Zeitalter auseinander. Ein Reizthema für sie mit der Erkenntnis: „Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass wir digital seien, hätte er uns mit einer USB- Schnittstelle ausgestattet und nicht mit Stecker und Dose”.

„Sexy ist was anderes”, klagt sie in ihren Minidramen, Standups und Slapsticks, seufzte der Vergangenheit hinterher als „Fummeln noch nicht Twittern” war. In rheinischer Gemütlichkeit kommt sie auf der Bühne daher, um dann blitzschnell ihre Pointen abzuschießen, überraschte mit spitzzüngigen Wortkaskaden.

Zwei „Daseins-Formen” machte sie aus: „Da und Weg”. Sie hatte in diesem Zusammenhang Mitleid mit der Jugend. Waren die Eltern früher beunruhigt, weil die Teenies fort waren, so wissen sie heute immer ganz genau, worüber sie beunruhigt sein müssen. „Wo bist du?”, hab sich wohl zur nervigsten aller Fragen entwickelt, gleich dem in ihrer Jugendzeit „Wo warst du?”. Die kleinen Lügen und Ausflüchte blieben die gleichen.

„Zuhaus”, definierte sie den Heimatbegriff neu ist, wo „der Strom stabil ist und die Akkus für die Ladegeräte erziehe”. „Unser Leben findet im Stand-by-Modus statt”, stellte sie süffisant fest, um dann mit ihren Geschlechtsgenossinnen über Vorteile eines „Navis” zu plaudern”. Frauen hörten eben doch zu, wenn man mit ihnen spräche. Was wäre aus Moses oder Odysseus mit einem solchen Empfänger geworden, vor allem mit ihren Ausreden, wenn sie erst nach zehn Jahren nach Hause käme. Die Circe habe aus Männern Schweine gemacht, schüttelte sie ungläubig den Kopf, um dann eiskalt zu fragen: „Kann mir einer sagen, wo da der Trick ist?”

Handys hatten ihre es angetan. Der Mann trage sein „kleines Ding in der Hose”, während die Frauen die Handtaschen mit den ganzen Lagegeräten schleppten. „Facebook”, amüsierte sie sich, „ist wie Kirmes. Entweder man geht hin oder lässt es”. Und zur Toilette geht man auch nicht mehr, sondern „trägt ein biologisches Spam auf den biologischen Filter”. Sie beklagte vergangene Zeiten mit einem Schmunzeln, dachte an alte Begriffe wie Wollust („ob er wohl Lust hat”), vermutete, dass frühere Eitelkeit heute als Individualität definiert werde, das Märchen vom „Spieglein an der Wand” noch eine „substanzielle Angelegenheit” war, während die „Königin heutzutage mit den sieben Zwergen wohl eine Botox-Party” feiern würde.

Eine „Schwarm-Intelligenz” machte sie aus. Alle seien heutzutage darauf aus, fast alles richtig zu machen, es zu bevorzugen, in einer „Welt der Halbwahrheiten zu leben.”

Ein Abend mit Anka Zink, der auch für Männer geeignet war. Sie würzte ihr Wissen um die digitale Welt mit typisch weiblicher Neugier: „Wenn in China ein Sack Reis umfällt, wollen wir das wissen. Könnte ja eine internationale Verschwörung alter Säcke dahinterstecken!”

Sie zog die digitale Welt genüsslich durch den Kakao, schilderte das Kreuz mit den Passwörtern („Wenn der Kühlschrank die Flache Wein verweigert”) und servierte einen gekonnten Obstsalat. „Im Paradies war der Apfel die Versuchung, heute ist der App(e)l(e) die Erkenntnis.”

Ein netter Abend, der allerdings einige Längen hatte. „Wenn Frauen anfangen zu reden...”, dachte sich so mancher Mann.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert