Düren - Unbekannte werfen Böller auf Einsatzfahrzeuge

Unbekannte werfen Böller auf Einsatzfahrzeuge

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Auf dem Weg zum Einsatzort beim Brand in einem Möbelhaus in der Silvesternacht sind Feuerwehrfahrzeuge mit Böllern beworfen worden.

Düren. „Wir haben uns zu Tode erschrocken.“ Als Christoph Rüttgers, seit mehr als zehn Jahren Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Langerwehe, in der Silvesternacht zu einem schweren Brand in einem Möbelhaus an der Hauptstraße unterwegs war, traute er seinen Augen kaum: Beim Weg über die Hauptstraße seien die Feuerwehrfahrzeuge mit Böllern und Krachern beworfen worden.

„Einige Leute haben sogar bewusst eine Silvesterraketenbatterie in Richtung unseres Fahrzeugs gedreht und gezündet. Das war wirklich ein Unding.“ Auch Markus Schöller war in der Silvesternacht im Einsatz. Er möchte nicht so weit gehen, dass Leute die Feuerwehrfahrzeuge mit Absicht mit Krachern oder Böllern beworfen hätten.

„Tatsache ist aber“, so Schöller, „dass munter weitergeböllert worden ist, als wir mit den Feuerwehrfahrzeugen zum Brandort unterwegs waren. Der Krach war unglaublich. Da hätte ich mir schon ein bisschen mehr Rücksicht gewünscht.“Gerade vor einer Gaststätte an der Hauptstraße hätten kurz nach dem Jahreswechsel sehr viele Leute gestanden und mit Böllern und Krachern hantiert. Schöller: „Das hat die Einsatzfahrt für uns schon erschwert. Ich möchte sogar sagen, dass die Fahrt behindert worden ist.“ Beschädigt worden sind die Einsatzfahrzeuge zum Glück nicht.

Ob das Verhalten der Leute einfach Unüberlegtheit oder einem erhöhten Alkoholkonsum geschuldet war, können die beiden Feuerwehrleute nicht sagen. Markus Schöller: „Ich denke schon, dass die Bevölkerung eigentlich weiß, wie wichtig die Arbeit der Feuerwehr ist. Viele wissen aber einfach nicht mehr, wie sie sich im Notfall verhalten müssen. Oder sie geraten in Panik, wenn sie ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn sehen und machen deswegen Fehler.“

Christoph Rüttgers ergänzt: „Ich habe grundsätzlich nicht den Eindruck, dass die Menschen im Kreis Düren die Arbeit der Feuerwehr nicht schätzen. Im Gegenteil. Ich weiß, dass das gerade in Großstädten häufiger ein Problem ist, aber ich habe bei uns in Langerwehe schon den Eindruck, dass die Bevölkerung uns stark unterstützt. Da gibt es ein sehr gutes Miteinander.“

Ähnlich sieht das auch Ralf Butz, Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz beim Kreis Düren. „Dass Rettungskräfte oder Kräfte der Feuerwehr tätlich angegriffen werden, ist bei uns zum Glück bisher wirklich nur sehr vereinzelt aufgetreten.“ Es sei bei allen Einsätzen wichtig, dass die Helfer ruhig, besonnen und deeskalierend agieren würden. „Dann können viele Konflikte vermieden werden.“

Bei der Dürener Feuerwehr, so Stadtbrandmeister Hans-Jürgen Pelzer, gebe es relativ häufig Probleme mit Gaffern, die die Arbeit der Wehr behindern würden. „Bei unseren Rettungskräften kommt es dagegen in letzter Zeit gehäuft zu Übergriffen. Wir mussten schon mehrere Verfahren wegen Körperverletzung und Bedrohung einleiten.“ Gerade wenn Betroffene oder deren Angehörige unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen würden, käme es nicht selten zu Zwischenfällen. Pelzer: „Allein schon, um unsere Mitarbeiter zu schützen, müssen wir diese Vergehen zur Anzeige bringen.“

Grundsätzlich ist auch Pelzer davon überzeugt, dass die Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genießen. „Ich habe aber den Eindruck, dass die Leute eine immer höhere Erwartungshaltung an Feuerwehr und Rettungsdienst haben. Daraus resultiert dann sehr oft die Haltung, dass alles, was Feuerwehrleute und Rettungskräfte tun, selbstverständlich ist und man darauf keine besondere Rücksicht nehmen muss. Und das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar.“

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