Arnoldsweiler - Ultras und „halbe Portionen“ stürmen Viktoria-Stadion

Ultras und „halbe Portionen“ stürmen Viktoria-Stadion

Von: Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
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Rund 60 Anhänger des harten Kerns des Bonner SC stürmten am Sonntag das Bertram-Möthrath-Stadion, ohne zu bezahlen. Der Präsident des BSC griff für die Platzstürmer in die Tasche und zahlte den Eintritt. Bereitschaftspolizei kümmerte sich um jeden einzelnen Ultra.
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Zugeparkt: Der Weg zum Bertram-Möthrath-Stadion war zu, als die Bereitschaftspolizei anrückte und sich um die Platzstürmer kümmerte.

Arnoldsweiler. „Da waren Jüngelchen mit Sonnenbrille dabei, praktisch halbe Portionen“, sagte Josef Möthrath. Der Vorsitzende des Fußball-Mittelrheinligisten Viktoria Arnoldsweiler schüttelte den Kopf: „Die waren an dem Platzsturm auch beteiligt.“

Sonntagnachmittag geriet die Fußballwelt in Arnoldsweiler aus den Fugen: 60 Rowdys stürmten nach Schätzungen der Verantwortlichen von Viktoria vor der Partie zwischen den „Kleeblättern“ und dem Spitzenreiter Bonner SC (4:2) das Stadion. Polizisten, die Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes und Arnoldsweiler Ordner wurden überrannt. Ohne zu bezahlen, begaben sich diese sogenannten Anhänger des Klubs aus der ehemaligen Bundeshauptstadt schnurstracks auf die Tribüne.

Normalerweise ist kein Polizist bei einem Heimspiel der Arnoldsweiler Viktoria dienstlich anwesend: „Wer besucht denn auch unsere Spiele?“, fragte Möthrath. Die Antwort: „Hauptsächlich ältere Fußballfans und Jugendliche, die Spaß an Sport haben.“ Also reichen die Ordner, die Viktoria stellt.

Nur wenn der Bonner SC kommt, gelten andere Maßstäbe. Deshalb hatten die Viktorianer extra einen Sicherheitsdienst verpflichtet, die Dürener Polizei war mit mehreren Beamten und auch einem Hund präsent. Und der BSC hatte seine beiden Fanbeauftragten und Ordner geschickt, die sich um die Problemfans kümmern sollten.

Die tauchten zu Fuß am Bertram-Möthrath-Stadion auf. Der Reisebus war zuvor leer angekommen. Nach Informationen der Viktoria sollen sich die Bonner in Düren mit Mitgliedern einer Fangruppierung des Viertligisten Alemannia Aachen getroffen haben, zu denen eine Fanfreundschaft besteht.

Gegen 14.15 Uhr – die Partie sollte um 15 Uhr beginnen – tauchten die unerwünschten Besucher, unter denen sich auch Aachener befunden haben sollen, auf. Zunächst sah es nicht nach Unheil aus. „Die ersten Bonner hatten das Eintrittsgeld schon in den Händen“, sagte Möthrath. Dann aber habe einer aus den hinteren Reihen gerufen: „Stürmen.“ Und schon setzte sich die Meute in Bewegung. Polizei und Security hatten keine Chance. Eine Polizistin wurde dabei verletzt, musste mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus transportiert werden: Sie soll beim Platzsturm einen Schlag mit einem Megafon gegen den Kopf erhalten haben.

Von der Tribüne geholt

Auf dem direkten Weg eilten die Stürmer zur Tribüne am Kunstrasenplatz. Einen Teil hatte die Viktoria extra für die Bonner Ultras auf Bitten des BSC reserviert. Denn der harte Kern der Bonner Fans reist zu Auswärtsspielen mit Fahnen, Doppelhaltern und ähnlichen Fanutensilien an.

Wegen des Platzsturms wurde die Bereitschaftspolizei alarmiert. Die kam zur Mitte der ersten Halbzeit des mit einer Stunde Verspätung angepfiffenen Spiels an, bezog sofort Stellung vor den Ultras. Alle Platzstürmer wurden nach und nach von der Tribüne geholt und nach verbotenen Gegenständen untersucht, ihre Personalien überprüft. So mancher wurde dann zum Reisebus geleitet. Bis eine halbe Stunde nach Spielende war, die Polizei beschäftigt.

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