Düren - Ulrike Folkerts und die polnischen Klopse in New York

Ulrike Folkerts und die polnischen Klopse in New York

Von: Anke Holgersson
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Kann Ruth (Ulrike Folkerts, Bildmitte) davon überzeugt werden, dass die Klopse-Restaurant-Idee ihres Vaters Edek (Joachim Bliese) und dessen Freundin Zofia (Angelika Bartsch) eine gute Idee ist? Foto: Anke Holgersson

Düren. „Chuzpe” besitzt jemand, der sich traut, zu sagen oder zu tun, was andere nicht wagen. Der 87-jährige Edek, gespielt von Joachim Bliese, besitzt jede Menge davon. Seinen Lebensabend möchte der polnische Jude, der Auschwitz überlebte, bei seiner Tochter Ruth in New York verbringen.

Bliese bringt Edeks Charakterstudie so voller Spielfreude auf die Bühne, dass die gut 500 Zuschauer im Haus der Stadt am Donnerstagabend sichtlich gerne zuschauen und über seine frech-charmanten Weisheiten herzhaft lachen.

So urteilt Edek mit einigem Unverständnis über seine Tochter Ruth (Ulrike Folkerts), die Fetten und Cholesterin den Kampf angesagt hat: „Ich finde es schrecklich, was die Leute in New York alles auf sich nehmen, damit sie aussehen wie wir damals”. Oder über die strenge New Yorker Gesundheitsbehörde, denen er schließlich die Erlaubnis, sein Klopse-Restaurant „You Gotta have Balls” (übrigens der Originaltitel der Romanvorlage von Lily Brett) zu eröffnen, abringt: „Sie sind sehr speziell. Sie können Mücken in der Luft klistieren.”

Ruth ist eine typische New Yorker Seele, wie man sie von Woody Allen oder auch aus Roman Polanskis filmischer Brooklyn-Version von „Gott des Gemetzels“ kennt. Es macht Spaß, Ulrike Folkerts zuzuschauen, denn sie schenkt der Figur neben den neurotischen auch sympathische, selbstzweiflerische Züge.

Im Interview verriet Folkerts, dass sie Ruth nicht besonders gut leiden mochte, als sie anfing, sich mit ihr zu beschäftigen. Und dass sich das geändert habe, je besser sie Ruth über ihr eigenes Spiel kennenlernte. So entstand eine authentische Bühnenfigur, die zwar beinahe an dem Kontrollverlust, den der Umgang mit dem eigenen Vater von ihr fordert, verzweifelt, die sich aber andererseits in das Abenteuer stürzt, das aus eigener Sicht völlig aussichtslose Unterfangen ihres Vaters und seiner neuen, deutlich jüngeren Freundin Zofia, den verwöhnten New Yorkern ein polnisches Klopse-Restaurant unterzujubeln, zu finanzieren.

Unnötig zu sagen, dass das Restaurant New Yorck entzückt und alles gut endet. Ein lustiger, aber auch tiefgründiger Theaterabend im Haus der Stadt mit Starbesetzung.

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