Über Transparenz, Neutralität und Vorschusslorbeeren

Von: Burkhard Giesen
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Sieht die Stadt Nideggen unter seiner Regie auf einem guten Weg: Bürgermeister Marco Schmunkamp. Foto: Burkhard Giesen

Nideggen. Bürgermeister Marco Schmunkamp ist Fußballer und Trainer durch und durch. „Man kann 85 Minuten lang ein grandioses Spiel liefern – ein falscher Einwurf, dann kippt die Stimmung“, sinniert er und gesteht, dass er als neuer Bürgermeister von der Politik vielleicht auch mit Vorschusslorbeeren bedacht werde. Immerhin ist ihm gelungen, woran zwei Vorgänger gescheitert sind: Ruhe in den aufgeregten Nideggener Rat zu bringen.

Glichen Ratssitzungen in dem kleinen Städtchen zuletzt eher römischen Gladiatorenkämpfen, wird unter Schmunkamps Vorsitz eher unaufgeregt die Tagesordnung abgearbeitet. Ein Beispiel: Im Dezember verabschiedete der Rat den Haushalt und behandelte 15 Tagesordnungspunkte in 20 Minuten – früher hätte es dafür noch zwei Sondersitzungen oben drauf gegeben. Ja, Vorschusslorbeeren könnten es sein, aber nicht nur.

Der eingesetzte Sparkommissar habe ein neues Bewusstsein auch in der Politik geschaffen, glaubt der Bürgermeister. „Das Ergebnis zeigt auch, dass es der einzig richtige Weg war.“ Immerhin hat Nideggen die finanzielle Talsohle durchschritten, während die Nachbarkommunen die Einschnitte erst noch vor sich haben. Und: Die Politik vertraut Schmunkamp. „Ich habe mit allen Fraktionen sehr konstruktive Gespräche geführt, habe ihre Erwartungshaltung abgeklopft“, erzählt Schmunkamp.

Sein Ergebnis: „Ich versuche Transparenz herzustellen, indem ich alle Ratsmitglieder auf dem gleichen Informationsstand halte.“ Ähnlich geht er mit Anfragen um: „Wenn ein Ratsmitglied eine Frage hat, beantworte ich die und frage mich nicht, was er damit bezweckt.“ Neutralität ist ihm wichtig, ebenso eine klare Vorgabe der Verwaltung, die er führt: „Vorlagen ohne Beschlussvorlage wird es mit mir nicht geben.“

Das hatte seine Amtsvorgängerin ob der unklaren Mehrheiten oftmals anders gehandhabt und dem Rat die Entscheidungsfindung überlassen. Schmunkamp: „Unsere Aufgabe ist die sachliche Information und eine Entscheidung im Sinne der Stadt, aber nicht im Sinne einer Fraktion.“

Viel Zeit, sich in sein neues Amt einzufinden, blieb Schmunkamp ohnehin nicht. Der Haushalt für 2016 stand an, Personalangelegenheiten, die Flüchtlingsthematik, Gremienbesuche, Gespräche mit Bürgern. Das volle Programm eines Bürgermeisters.

Schmunkamp hat in der Verwaltung seine eigene Stabsstelle aufgelöst, das Sozialamt personell verstärkt („Da war auch aufgrund der Flüchtlingsproblematik eine Belastungsgrenze erreicht.“), es mussten mehrere vakante Stellen – unter anderem die des Kämmerers – neu besetzt werden.

Auch wenn Schmunkamp der Verwaltungschef ist, sieht er sich als Teamplayer: „Mit mir kann man sich in der Sache auch hart streiten, aber am Ende muss eine klare Entscheidung stehen.“ Die will er auch gegenüber den Bürgern vertreten. Dabei weiß der Schmidter, dass das nicht immer leicht sein wird. Zum Beispiel in Schmidt, wo er mit 90 Prozent der Stimmen gewählt wurde. „Die Erwartungshaltung ist da natürlich enorm hoch. Aber ich kann mich nicht nur für Schmidt einsetzen.“

Ein sehr positives Feedback habe Schmunkamp von den Bürgern nach seiner Wahl erfahren, sagt er. „Ich komme ja selbst aus der Bürgerschaft und bleibe auch so“, fügt er noch hinzu. Er ist volkstümlich, taucht auf der Kirmes nicht im Anzug auf, wenn er auch die Krawatte für offizielle Anlässe immer dabei hat.

Und offizielle Anlässe gibt es reichlich. Erst recht, wenn Schmunkamp all das umsetzen kann, was er sich für seine Amtsperiode vorgenommen hat: die Innenstadt beleben und ein Einzelhandelskonzept zu erstellen, den Tourismus stärken, das Gewerbegebiet Gut Kirschbaum entwickeln. Eine Liste, die er noch fortsetzen könnte. Und er will am Image der Stadt in der Außendarstellung feilen.

Nideggen soll nicht mehr die Stadt des Sparkommissars oder der politischen Ränkespiele sein. „Wir sind auf einem positiven Weg“, glaubt Schmunkamp nach den Erfahrungen der ersten Wochen seiner Amtszeit. Ob er selbst dabei ein grandioses Spiel abliefert, werden bei der nächsten Wahl die Bürger beurteilen können. Einen falschen Einwurf hat er sich bisher jedenfalls noch nicht geleistet.

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