Oberzier - Über Skulpturen im Dialog: Kunstwerke von Peggy M. Kanacher

Über Skulpturen im Dialog: Kunstwerke von Peggy M. Kanacher

Von: Ingo Latotzki
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Peggy M. Kanacher im Garten ihres Hauses in Oberzier. Die Skulpturen hat sie geschaffen. Sie stellt derzeit in Düren aus. Foto: Ingo Latotzki

Oberzier. Zwei Menschen sitzen auf einer durchschnittenen Kugel, Rücken an Rücken, ihre Augen gehen in entgegengesetzte Richtungen. Sollte einer der beiden aufstehen, gerät die Kugel ins Wanken. Dann hält es auch den anderen nicht mehr auf seinem Platz. „Ohne Worte“ hat Peggy M. Kanacher diese Skulptur genannt.

Es ist eine von 20, die die in Oberzier wohnende Bildhauerin zurzeit in der Dürener Marienkirche ausstellt. Auch wenn die Künstlerin ihren Werken meist konkrete Titel gibt, versteht sie diese nur als Anregungen, sich Gedanken zu machen. Jeder solle seine eigene Interpretation finden.

Kanacher, die in Essen an der Kunstakademie studierte, ist nicht böse, wenn der Betrachter eine andere Sichtweise auf die Skulpturen hat als sie selbst. Im Gegenteil: Die verschiedenen Deutungen gehören zu ihrem Kunstverständnis. Der Dialog darüber sei wichtig.

Kanacher entwickelt Ideen für ihre Skulpturen aus dem Alltag heraus. Es können Gespräche mit Verwandten sein, Beobachtungen, die sie in einem Wartezimmer macht oder Dinge, die ihr auf Reisen auffallen. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie alle Kontinente gesehen. Einige ihrer Kunstwerke werden von Seelsorgern, Kunsttherapeuten und Medizinern zur Behandlung eingesetzt.

Eine Skulptur heißt „Kern des Lebens“ und stellt die Frage: Wer bin ich selbst? Eine andere heißt: „Durchleben“. Es geht um Lähmung und Befreiung daraus. Eine weitere trägt den Titel: „Der kleine Geist des Königs“ und sagt etwas über Leben zwischen Manipulation und Eigenständigkeit. Teil einer Therapie kann schon sein, sich Gedanken zu machen, wie ein Patient die Kunstwerke sieht und was er für sich selbst ableiten kann.

20 Arbeitsgänge sind nötig

Die Arbeit an einer Skulptur dauert mehrere Monate. In ihrer Werkstatt in Oberzier fertigt Peggy M. Kanacher zunächst ein Modell, das später mit speziellen Techniken ausgegossen und zu Ende bearbeitet wird. 20 Arbeitsgänge sind nötig, bis ein fertiges Kunstwerk aus Bronze entsteht. Im Mittelpunkt ihres Schaffens steht der Mensch. Kanacher beschäftigen Fragen, was Mensch- sein bedeutet, es geht um Freud und Leid, um Nachdenklichkeit, Melancholie und auch um die Frage, wie wichtig entschlossenes Zupacken ist.

Auf ihrer Homepage veröffentlicht Kanacher ein Gedicht von Rabindranath Tagore, einem bengalischen Dichter, Maler und Philosophen. Es heißt: Ich schlief und träumte / Das Leben wäre Freude / Ich erwachte und sah: / Das Leben war Pflicht. / Ich handelte und siehe: / Die Pflicht ward Freude.

Diese Zeilen passen zu Kanachers Arbeit. Am Anfang steht die Tat, die Arbeit, die Pflicht und am Ende ist es Freude, wenn das Werk vollendet ist. „Dann entsteht der Wunsch nach etwas Neuem“, sagt sie, allerdings erst, wenn die Skulptur gegossen ist. Wie viele Werke sie Zeit ihres 40-jährigen Künstlerinnenlebens angefertigt hat, weiß sie nicht genau.

Viele hat sie verkauft, einige stehen in ihrem Haus und Garten in Oberzier. Und derzeit in der Marienkirche. „Wenn der Himmel die Erde berührt“, heißt die Ausstellung im Altarraum. Das Gotteshaus ist sicher ein geeigneter und passender Ort, an dem die Kunstwerke ihre Wirkung entfalten können.

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