Kreis Düren - Über das Seelenleben der FC-Fans: „Zu spät für einen Trainerwechsel“

Über das Seelenleben der FC-Fans: „Zu spät für einen Trainerwechsel“

Von: Sandra Kinkel
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Fans vom 1. FC Köln erleben im Augenblick schwere Zeiten, mit gerade mal zwei Punkten ist ihr Club Tabellenschlusslicht. Nach dem Spiel gegen Hertha am vergangenen Wochenende gab es auch bei den Spielern ziemlich bedröppelte Gesichter. Foto: imago sportfotodienst, dpa

Kreis Düren. 13 Spiele, 2 Punkte, Platz 18: Die Fans des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln erleben im Augenblick bittere Zeiten. Dabei sah im Mai noch alles so gut aus: Platz fünf und damit nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder die Qualifikation für die Europa-League. Was ist schiefgelaufen? Muss Trainer Peter Stöger gehen? Darüber und über ihre Gefühle hat unsere Redaktion mit FC-Fans aus dem Dürener Land gesprochen.

„Es ist im Augenblick echt nicht leicht“, sagt Dominik Krichel, 27 Jahre alt und FC-Fan „seit er denken kann“. „Aber ich glaube, dass realistisch betrachtet kein Weg mehr an der zweiten Liga vorbeiführt.“ Krichel ist enttäuscht – auch von der Einstellung seiner Mannschaft. „Wenn man mit weißen Trikots in die Halbzeitpause geht, ist das kein Zeichen für harte Zweikämpfe. Ich finde, dass das Team nur im Europapokal gegen London wirklich gekämpft hat. In der Bundesliga noch nicht.“

Zu viele Fehlpässe

Natürlich, ergänzt Krichel, sei Platz fünf aus der vergangenen Saison extrem gut gewesen. „Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Mannschaften wie Gladbach, Schalke und Leverkusen im Gegensatz zu uns keine gute Saison hatten. Hätten die so wie immer gespielt, wäre für Köln am Ende Platz acht rausgekommen.“ Krichel glaubt nicht, dass Kölns Misere allein am Weggang von Stürmer Anthony Modeste liegt. „Es passieren zu viele Fehler. Es fehlt an Qualität im offensiven Mittelfeld.“ Krichel ist bei fast jedem Heimspiel im Stadion. „Bisher war die Stimmung immer super. Bei der Partie gegen Hertha am vergangenen Sonntag war es ab der 55. Minute total ruhig im Stadion. Ein bisschen hatte ich den Eindruck, dass die Fans resigniert haben.“

Das hat Thomas Floßdorf anders erlebt. Dürens stellvertretender Bürgermeister (CDU) ist auch überzeugter FC-Fan und war auch am Sonntag im Stadion. „Ich würde sagen, die Stimmung der Fans war besorgt.“ Es habe ein paar leichte Pfiffe gegeben. „Aber mit Blick auf die wirklich desolate Situation ist das alles noch sehr im Rahmen. Die Mannschaft hat am Sonntag wirklich katastrophal gespielt. Das war fast schon ein fußballerischer Offenbarungseid.“

Auch Floßdorf glaubt mittlerweile, dass alles auf die zweite Liga hindeutet. „Ich glaube nicht, dass es noch für den Klassenerhalt reicht. Und auch in die Relegation zu kommen, wird sehr schwer.“ Floßdorf hält es für die beste Lösung, mit Stöger („Der kann ja in den vergangenen viereinhalb Jahren nicht alles falsch gemacht haben!“) einen neuen Kader aufzubauen und mit ihm mit den Planungen für die zweite Liga zu beginnen.

Josef Tappert und Friedel Bläser leiten den „1. FC Köln Fanclub Merzenich“, der erst vor wenigen Wochen sein 50-jähriges Bestehen gefeiert hat. FC-Torwartlegende und Vizepräsident Toni Schumacher hat mit den Merzenicher Fans gefeiert und bei der Gelegenheit auch den Klassenerhalt versprochen. Tappert und Bläser halten das mittlerweile für ziemlich unwahrscheinlich. „Es ist zwar noch nichts endgültig entschieden, aber es müsste schon ein Wunder geschehen, damit wir noch Platz 15 erreichen können.“ Bläser und Tappert finden, dass Peter Stöger Trainer bleiben sollte. „Für einen Trainerwechsel ist es jetzt einfach zu spät.“

Karnevalsverein?

Ewald Feetzki ist 55 Jahre alt und jubelt und leidet seit mehr als einem halben Jahrhundert mit dem FC. „Ich weiß nicht, was passiert ist. Die Mannschaft kann doch in einem halben Jahr nicht alles verlernt haben.“ Feetzki glaubt, dass es im Vereinsgefüge Probleme geben würde. „Das, was ich im Augenblick sehe, erinnert mich sehr stark an frühere Strukturen und den vielzitierten Karnevalsverein.“ Im Pokal und auf europäischer Ebene hätte die Mannschaft bewiesen, dass sie spielen könnte. „Fehlentscheidungen, die trotz Videobeweis getroffen wurden, haben uns darüber hinaus bisher sicher sieben, acht Punkte gekostet. Irgendwie kommt alles zusammen.“

Auch Henning Demke, Gründungsmitglied und Vorsitzender des 1. FC-Köln-Fanclubs „Neffeltal 98“ spricht von einer „Pechsträhne“ für „seine“ Geißböcke. „Viele Spieler sind verletzt, mit Modeste ist ein Torgarant weggegangen, und es gab diese vielen Fehlentscheidungen: Da ist es schwer, ein Spiel noch einmal zu drehen.“

Demke ist ebenfalls der Meinung, dass der Zeitpunkt, den Trainer zu entlassen, vorbei ist. „Wir dürfen auch nicht vergessen, dass der Verein Peter Stöger viel zu verdanken hat.“ Demke bevorzugt das „Freiburger Modell“, also den Abstieg und Wiederaufstieg mit Stöger – so wie es eben Freiburg mit Trainer Christian Streich auch gemacht hat. „Wir haben genug junge Talente im Team“, sagt Demke. „Das hat ja der 16-jährige Innenverteidiger Yann Aurel Bisseck gezeigt. Damit lässt sich für eine Saison in der zweiten Liga gut planen.“ Angemerkt

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