U3-Betreuung: Von Anspruch und Wirklichkeit

Von: Bruno Elberfeld und Christoph Lammertz
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Bis 2013 sollen 35 Prozent aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz haben. Derzeit scheitert der Ausbau in Düren am Geld. Foto: imago

Düren. An diesem Mittag ist es durchaus friedlich in der Aachener Straße unweit vom Annakirmesplatz. In der Tagesstätte „Krümelkiste” ist Schlafenszeit. Nur ab und zu wird ein Kind unruhig. Hat es schlechte Träume? In diesem Alter kann es ja noch nicht wissen, dass seine Tagesstätte sehr wahrscheinlich im Frühjahr nächsten Jahres ihre Pforten schließen muss.

80 Plätze bei Tagesmüttern

Die „Krümelkiste” ist nur ein kleines Rädchen im großen „U-3-Geschehen”. Doch sie steht beispielhaft dafür, wozu eine große Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit führen kann. Der Ausbau der Betreuung von Kindern unter drei Jahren wird in Nordrhein-Westfalen seit Jahren postuliert.

Doch die Kommunen werden vom Land finanziell nicht so ausgestattet, dass sie die Ausbauziele auch erreichen können. So ist auch die klamme Stadt Düren inzwischen an ihre Grenzen gestoßen. Eine Folge: Seit September werden keine neuen Plätze mehr in der U-3-Betreuung durch Tagesmütter gefördert, obwohl diese lange offensiv beworben wurden. 80 solcher Plätze fördert die Stadt so, dass die Eltern den gleichen Beitrag bezahlen, der auch in einer Kita fällig würde, obwohl die Tagesmütter-Betreuung teurer ist.

Neun bis zehn Kinder, um wirtschaftlich zu arbeiten

Und nun kommt die „Krümelkiste” ins Spiel. Die Tagesmütter Cornelia Rieger und Sylvia Weihrauch hatten sie in der Phase gegründet, als die Stadt offensiv für U-3-Betreuung durch Tagesmütter geworben hat. Mit neun bis zehn Kindern können sie wirtschaftlich arbeiten. Doch während nun über Dreijährige die „Krümelkiste” verlassen, werden kaum neue Kinder kommen, weil das für die Eltern ohne städtische Förderung einfach zu teuer ist.

Cornelia Rieger und Sylvia Weihrauch haben derzeit zehn Anfragen von Eltern, die aber ohne finanzielle Unterstützung des Jugendamtes die Tagespflege nicht bezahlen können. Unter ihnen sind Hartz-IV-Bezieher, die eine Arbeitsstelle antreten könnten, wäre ihr Sprössling untergebracht. Eine andere Mutter müsse ihr drei Monate altes Baby mit zur Schule schleppen, weil sie die Tagespflege nicht bezahlen kann, sagt Rieger.

Existenz gefährdet. Weil die Stadt sparen muss.

Sie und Sylvia Weihrauch sind verzweifelt, denn aller Voraussicht nach müssen sie ihren Arbeitsplatz im März nächsten Jahres aufgeben, weil die „Krümelkiste” nicht mehr genügend Kinder hat. Miete und Nebenkosten für die Räume aber laufen weiter. „Unsere Existenz ist gefährdet, weil die Stadt sagt, sie müsse sparen”, klagen die Tagesmütter.

Manfred Savelsberg, der Leiter des städtischen Jugendamtes, verweist dagegen auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Finanzsituation der Stadt. Gespräche haben die Frauen von der „Krümelkiste” auch schon mit Politikern unterschiedlicher Fraktionen geführt. Zu Wahlkampfzeiten, erinnert sich Sylvia Weihrauch, hätten sich die Parteienvertreter die Klinke in die Hand gegeben. Im Augenblick scheint das Interesse eher gedämpft. Auch Gespräche der Frauen mit Jugendamtsleiter Manfred Savelsberg endeten ohne Ergebnis. Im Endeffekt, sagt Savelsberg, müssten die „Krümelkiste”-Tagesmütter das „privat-betriebliche Risiko” tragen.

Es bleibe aber die Hoffnung, dass sich das Land in Sachen U-3-Betreuung bald bewege und die Kosten endlich in angemessener Form übernehme. Für die Tagesmütter und Kinder in der „Krümelkiste” könnte es dann allerdings schon zu spät sein.
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