Turmblasen: „Besinnlich und einfach schön“

Von: Sandra Kinkel
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Lange Tradition: Seit über 50 Jahren musizieren Schüler des Stiftischen Gymnasiums vom Turm der Annakirche in Düren. Foto: ja

Düren. Gregor Fuhs hat seit 2004 jedes Jahr am 24. Dezember um 15 Uhr einen Termin. Und zwar einen, den er so gut wie nie verpasst. An diesem Heiligabend auch. Dann steht der 26-jährige Mathematiker aus Golzheim, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH in Aachen arbeitet, wieder mit seinem Saxofon auf dem Turm der Annakirche und spielt Weihnachtslieder.

Gregor Fuhs gehört zu den „Turmbläsern“, also Schülern des Stiftischen Gymnasiums, die diese Tradition seit Jahrzehnten aufrechterhalten. Genauer gesagt seit 52 Jahren. Damals hatte Musiklehrer Christian Reimer die Idee zum Turmblasen an Heiligabend, seit 1984 übt Musiklehrerin Astrid Michels mit den jungen Leuten für das außergewöhnliche Konzert. „Für mich“, sagt Gregor Fuhs, „gehört das Turmblasen einfach zu Heiligabend. Wenn wir vom Turm der Annakirche ‚Stille Nacht, Heilige Nacht‘ gespielt haben, dann ist für mich Weihnachten.“

Fuhs hat mit zwölf Jahren angefangen, Saxofon zu spielen. „Ich habe bei einem Schulkonzert des ‚Stifts‘ die Big Band unserer Schule gehört und war von den Saxofonspielern in der ersten Reihe total begeistert. Das wollte ich auch machen. So bin ich zu meinem Instrument gekommen.“ Gregor Fuhs ist zur Musikschule gegangen, nach zwei Jahren Unterricht hatte er seinen ersten Einsatz im Schulorchester des Stiftischen Gymnasiums, ein halbes Jahr später war er schon Mitglied der Big Band. „Für die Mitglieder des Schulorchesters“, erzählt der junge Mann, „war es eigentlich immer schon Ehrensache, beim Turmblasen mitzumachen. Und so bin ich auch dazu gekommen.“

Gespielt, erzählt Gregor Fuhs, der immer noch bei der Big Band seiner alten Schule mitmacht, würden eigentlich immer die gleichen Weihnachtslieder. „Und zwar in erster Linie die klassischen. ‚Oh du fröhliche‘ ist immer mit dabei, ‚Stille Nacht‘ und ‚Vom Himmel hoch‘ auch.“ Die Mitglieder des Schulorchesters würden die Stücke bei den Proben üben, alle anderen würden sich zu Hause vorbereiten. „Alle kennen die Stücke und beherrschen sie auch.“

Es sei besonders schön, ergänzt der Wahl-Aachener, der sich immer noch sehr mit seinem Heimatort Golzheim verbunden fühlt, dass man beim Turmblasen immer viele ehemalige Schüler treffen würde, die man sonst eigentlich kaum zu Gesicht bekomme. „Das macht einfach Spaß. Überhaupt ist das ganze Turmblasen sehr besinnlich und sehr schön. Mir würde wirklich etwas fehlen, wenn es das Turmblasen nicht geben würde.“

Gregor Fuhs kann sich nur an ein Jahr erinnern, in dem das Wetter so schlecht war, dass das Turmblasen im Turm stattfinden musste. „Wir spielen unsere Lieder sowieso immer einmal im Turm und einmal auf dem Dach. In dem Jahr lag draußen so viel Schnee, dass wir die Klappe nicht aufbekommen haben und nicht nach draußen gehen konnten.“

Windstille ist optimal

Das beste Wetter für die musikalische Stunde an Heiligabend, erklärt Fuhs, sei Windstille. „Dann geht die Musik nach unten und man kann uns in und vor der Annakirche gut hören. Bei viel Wind kann es passieren, dass man erst ein bisschen weiter weg unser Spiel hört.“ Mittlerweile machen so viele Musiker beim Turmblasen mit, dass Zuhörer eigentlich nicht mehr mit hoch auf den rund 50 Meter hohen Turm kommen. „Die warten unten“, sagt Fuhs lachend. „Und von denen bekommen wir dann auch immer unseren Applaus.“

Nach dem Turmblasen fährt Gregor Fuhs, der in seiner Freizeit gerne Rugby spielt und in Golzheim die Messdienergruppe leitet, zu seinen Eltern nach Golzheim, wo er auch die Weihnachtstage verbringt.

„In der Christmette mache ich noch einmal mit einer anderen Formation Musik. Und danach wird zu Hause lecker gegessen und Bescherung gemacht.“

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