„Tubülente” Show mit einem Sohn Mannheims

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Er bot einen erstklassigen Auftritte und verzückte das Publikum, das nur selten aus den Lachanfällen heraus kam: Bülent Ceylan. Foto: Schmitz

Düren. „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?”, fragte sich Bülent Ceylan auf der Bühne in der ausverkauften Kreis-Arena in Anlehnung an Richard Daniel Prechts Buch. Das begeisterte Publikum bei dieser „tubülenten” Show hätte ihm die Antwort geben können. Komiker, Standup Comedian, Kabarettist, Kleinkünstler, Charmeur und ein überzeugter „Sohn Mannheims”, jener Bundesligastadt, wie er sie beschrieb, die unter dem „Decknamen Hoffenheim” am Spielbetrieb teilnimmt.

Als Kind habe sie natürlich gerne und viel zu Stift und Pinsel gegriffen, doch der Vater habe anderes mit ihr im Sinn gehabt. „Das Mädchen muss einen ordentlichen Beruf ergreifen!” So wie das früher und manchmal heute noch war und ist.

Der Deutsch-Türke bot viele Gegensätzlichkeiten in einer Person. Er spielte gekonnt auf der Klaviatur des Humors. Auf den platten Witz folgte feinsinnige Ironie („Ich bin kein Rassist, ich akzeptiere jeden Deutschen), makaberen Keulen folgten listige Pointen. Sein scheinbares belangloses Gebabbel entpuppte sich als Jonglage mit den Eigenheiten und Widersprüchen unterschiedlicher Figuren, in die er auf der Bühne schlüpfte.

Der 34-Jährige überzeugte durch Authentizität und einer unnachahmlichen Wortwahl. Das Publikum, insbesondere der überwiegende weibliche Anteil, wurde für den „Jäger aus Kurpfalz” zur schnellen Beute, wenn er mit seinen langen schwarzen Haaren spielte, mit seinem guten Aussehen kokettierte, tanzend seine Rückfront präsentierte oder mit überraschend guter Stimme schmachtend zu „We are the world” sang.

Hundertfaches Gekreische war der Lohn für den „Schönling mit Niveau”, der sich damit selbst auf den Arm nahm. Blitzschnell kam dann wieder der hintersinnige und provokante Kabarettist durch, der Tabus brach, Hitler imitierte und parodierte und im Zwiegespräch mit einem Hannoveraner (den Oxford-Deutschen) diesem Gerd Schröders Stimme „unterschob”, als es um die Bratwurst ging.

Süffisant und geistreich spielte er mit den Klischees im Deutsch-Türkischen Verhältnis, erklärte die „türkische Ohrfeige” (Faust auf die Nase) und das nordische Kebab (Drei Kröten am Stock beim Nordic Walking) und stöhnte: „Ich finde keine Arbeit, der ich aus dem Weg gehen kann”. Den Zuschauern in der Halle ging er nicht aus dem Weg, zeigte Bühnenpräsenz bis in die letzte Reihe, die er während seines Auftritts auch besuchte und sich über die Gesichter amüsierte, die ausdrückten: „Jetzt bin ich dran.”

Bülent Ceylan „dachte, was er sagte”, was allerdings manchmal als Gag nicht zündete, weil nicht alle seines Mannheimer Dialekts mächtig waren und so mancher Witz verpuffte. Und so reagierte der mimik- und gestenreiche Mime: „Wenn ein Türke auf der Bühne steht, um euch Dialekt beizubringen, ist das Integration.”

Er verteilte Seitenhiebe in alle Richtungen über sein Panoptikum aus skurrilen Figuren, alle von ihm gespielt, glänzte mit seinen Wortspielen und seiner immensen Wandlungsfähigkeit.

Beschrieb er sich am Anfang noch als „Kuschelhasitürk” kam Bülent Ceylan gegen Ende seines Programms stark „rammsteinmäßig” und ausgeflippt über die Bühne. Dem Publikum gefiel es, und es verabschiedete den Künstler mit stehenden Ovationen.
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