Traumberuf Regisseur: Philipp Lenhart dreht seinen zweiten Film

Von: Stephan Johnen
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Grenzerfahrung im Kellergewölbe: Die Schauspieler Peter Clös („Der Name der Rose“, links) und Daniel Kötter loten im Psychothriller „Das Umher-Gefühl“ die menschliche Psyche aus. Gedreht wurde im Keller der Fabrik für Kultur- und Stadtteil (Becker & Funck). Foto: Stephan Johnen

Düren. Der weiße Kittel ist blutverschmiert, in der einen Hand hält der glatzköpfige Metzger ein Messer, die andere Hand ist zur Faust geballt. Das vermeintliche Opfer des Psychopaten sitzt auf einem Stuhl, gefesselt, verletzt, das Gesicht verzerrt. Zu einer Grimasse des Schmerzes? Ach was. Der Kerl ist glücklich!

Das vermeintliche Opfer heißt Rob. Er ist 25 Jahre alt, Single, er studiert. Womöglich Psychologie, vielleicht aber auch Jura. Wenn er schreit, wird ihn keiner hören. Das mächtige Kellergewölbe verschluckt alle Schreie. Schmerz ist für Rob jedoch keine Pein, Schmerz ist für ihn eine Droge geworden. Rob will leiden. Normal ist das nicht. Aber was ist in unserer Welt schon normal?

Dieser zentralen Frage geht der neue Film des Düreners Philipp Lenhart nach, der die menschliche Psyche und das vermeintlich Vertraute im Alltag ausloten möchte. Es ist ein Kurzfilm, ein Psychothriller, maximal fünf Minuten lang. „Der Film besteht eigentlich nur aus einer Szene mit zwei Schauspielern. Aber ich möchte zeigen, dass man auch ohne Action & Co. Spannung erzeugen kann“, sagt Philipp Lehnart. Er möchte mit seinem Trip in den Keller eines Schlachthauses und in die Gedanken eines Menschen Gänsehaut erzeugen – und zum Nachdenken anregen. Zuviel verraten möchte er im Voraus allerdings auch nicht.

Der 16 jährige ist Schüler des Stiftischen Gymnasiums – und wenn er seine Hausaufgaben gemacht hat, widmet er sich seinem großen Traum: Nach einem entsprechenden Studium Regisseur zu werden. „Das Umher-Gefühl“ ist Philipp Lenharts zweites Filmprojekt. Sein Erstlingswerk „2500“ wurde beim „Euregionale Filmfestival“ in Roermond im vergangenen Jahr für einen Sonderpreis nominiert.

Diese Woche hat Philipp Lehnart in Düren gedreht, im Keller der Fabrik für Kultur und Stadtteil (ehemals Becker & Funck). Für die Umsetzung des Drehbuchs von Autor Stefan M. Fischer hat der junge Filmemacher namhafte Schauspieler gewinnen können. Peter Clös, der bereits im Film „Der Name der Rose“ mitgespielt hat und demnächst neben Götz George im ARD-Fernsehdrama „Besondere Schwere der Schuld“ zu sehen sein wird, spielt den namen- aber nicht seelenlosen Metzger. Daniel Kötter schlüpft in die Rolle des Rob.

„Das Drehbuch hat mich fasziniert. Es ist eine Herausforderung, die Zuschauer zu packen“, sagt Philipp Lenhart. Produziert wird der Film von Norbert Peter, Geschäftsführer der Xine Loyd GmbH aus Hannover, der auch den Part des Kameramanns in Düren übernommen hat. Unterstützung gab es zudem von Maskenbildnerin Jennifer Zenz aus Hürth und Philipp Lenharts Bruder Simon, der bei der Organisation des Drehs half und Sponsoren an Land zog, darunter die Bürgerstiftung Düren, die maßgeblich an der Finanzierung des Projekts beteiligt ist. Große Gagen kann der Schüler nicht zahlen – es sind eher Aufwandsentschädigungen.

„Für meine Entscheidung war ausschlaggebend, dass Philipp eine große Vision hat, aber bodenständig bleibt“, sagt Peter Clös augenzwinkernd. Er unterstütze den Schüler sehr gerne auf dem nicht gerade einfachen Weg. „Ich hatte keinen Drehtag und keine andere Verpflichtung. Gerade bei Kurzfilmen hilft man gerne schon einmal aus“, fügt Daniel Kötter hinzu. Der Kurzfilm sei „eigentlich wie ein langer Film“ – die Kunst jedoch, auf wenigen Minuten alles zu konzentrieren, mache dieses Genre so reizvoll – für Schauspieler und Regisseure gleichermaßen.

„Talent muss gefördert werden“, findet Peter Clös, der seine schauspielerische Ausbildung 1979 mit Diplom in Wien beendete. „Wir sprechen über eine Form der Kunst“, sagt er. Nicht zuletzt die zahlreichen Casting-Shows vermittelten ein anderes Bild. Für ihn ist der Weg auf die Bühne, der Weg vor eine Kamera mit Talent verbunden – aber auch mit harter Arbeit: „Es geht nicht darum, die schnelle Mark zu machen.“

Nach etwa vier Wochen Nachbearbeitung sollen die Ergebnisse eines langen Drehtages zu einem kurzen Film geworden sein. Mit dem „Umher-Gefühl“ möchte sich Philipp Lenhart beim Festival „Shocking Short Awards 2015“ bewerben – und das fertige Werk danach auch auf Youtube öffentlich zugänglich machen.

„Selbstverständlich würde ich mich freuen, einen Preis zu gewinnen“, sagt der 16-Jährige. Doch er sieht den Film auch als ein weiteres Stück des Weges zum Studium. „Entscheidend ist, dass ich viel Erfahrung sammle“, sagt Philipp Lenhart. Leidenschaft allein reiche wohl kaum aus.

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