Kreuzau - Trauergäste schockiert: Sarg stürzt ins Grab

Trauergäste schockiert: Sarg stürzt ins Grab

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Bei einer Beerdigung auf dem Friedhof in Drove funktionierte die Absenkvorrichtung nicht, der Sarg stürzt in die Tiefe. Die Trauergäste sind entsetzt. Noch schlimmer: Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Foto: smb

Kreuzau. Edith Schmidt (Name von der Redaktion geändert) klingt nicht so, als ob sie leicht aus der Ruhe zu bringen wäre. Das aber, was ihr am Montag auf dem Friedhof in Drove passiert ist, macht sie nahezu sprachlos.

Beim Absenken eines Sarges stürzt dieser zwei Meter in die Tiefe und verkantet sich. Zum Glück bleibt er heil. Ein Unfall? Wohl eher nicht. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art.

Edith Schmidt aus Aachen war geschockt. In dem Sarg lag ihr Vater. „Wir wollten eine sehr persönliche Feier und haben uns bemüht, eine Bestattung in seinem Sinne zu arrangieren, mit viel Liebe zum Detail“, erzählt sie. Ihr Vater war zuletzt schwer krank, hat in Düren gelebt. Bestattet werden wollte er in einem Doppelgrab in Drove, neben seiner Frau.

Der Gottesdienst von Pfarrer Georg Scherer war so, wie die Angehörigen sich das gewünscht hatten. Gemeinsam ging man dann zum Grab, dort wurde der Sarg auf die Absenkvorrichtung gestellt. Der Pfarrer will zur Grabesrede anheben, dann passierte das Unglück: Der Seilzug reißt, der Sarg stürzt zwei Meter in die Tiefe, es gibt ein krachendes Geräusch, so, als ob Holz splittert.

„Es gab einen richtigen Aufschrei auf dem Friedhof und der Pfarrer stand mit offenem Mund da“, hat Edith Schmidt den Vorgang noch genau vor Augen. Das krachende Geräusch des Aufpralls hat sie auch Tage später noch im Ohr. Die dann doch noch gehaltene Grabesrede hat sie gar nicht mehr mitbekommen.

Was die Aachenerin noch mehr entsetzt hat, ist das, was nach dem Vorfall passierte. „Ein Mitarbeiter der Firma, die für die Absenkvorrichtung zuständig ist, hat zum Pfarrer gesagt ‚Ich hab‘s gewusst.“, erinnert sie sich. Und: „Einer der Trauergäste sagte, es sei schon die vierte Beerdigung, bei der das passiert sei.“ Das macht Edith Schmidt erst recht sprachlos: „Das war nicht fahrlässig. Man hat in Kauf genommen, dass die Vorrichtung nicht funktioniert.“

Für Siegfried Schmühl, Allgemeiner Vertreter des Kreuzauer Bürgermeisters, ist der Vorfall „der Super-Gau. So etwas darf nicht passieren.“ Zuständig ist Schmühl aber nur indirekt. Die Kommune hat sämtliche Arbeiten bei Beerdigungen an eine Firma (kein Bestattrungsunternehmen) vergeben. Auch Schmühl bestätigt, dass es nicht der erste Vorfall dieser Art sei. „Natürlich haben wir Fragen an den Unternehmer. Zum Beispiel, wann das Gerät das letzte Mal kontrolliert wurde. Wir haben auch darauf gedrängt, dass eine neue Absenkvorrichtung angeschafft wird. Das Gerät wurde umgehend am Dienstag bestellt.“

Um sicherzustellen, dass sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholt, wird für eine Beerdigung heute eine entsprechende Absenkvorrichtung beim Service-Betrieb in Düren ausgeliehen. Unklar bleibt für Edith Schmidt, warum nicht schon früher reagiert wurde: „Der Amtsleiter der Gemeinde Kreuzau hat mir berichtet, dass er nach einem Vorfall in der letzten Woche das Unternehmen aufgefordert hatte, das Gerät zu überprüfen.“ Es soll allerdings auch am letzten Freitag nicht funktioniert haben – und kam dann offenbar immer noch defekt am Montag erneut zum Einsatz. Edith Schmidt: „Es fehlt hier offensichtlich jeder Respekt und jede Achtung vor den Toten.“

Gerade diese „billigend in Kauf genommene“ Störung der Totenruhe macht Edith Schmidt so fassungslos. „Nach dem Vorfall waren meine Gedanken sofort bei meinem Vater, der zu Lebzeiten krankheitsbedingt so viel Leid erleben musste, der zuletzt gebettet wurde, da jede Bewegung schmerzhaft war und der nach seinem Tod Ruhe und Frieden verdient hatte“, schildert Edith Schmidt. Als Erinnerung an die Beerdigung wird ihr stattdessen dauerhaft das Bild von dem herabstürzenden Sarg im Kopf bleiben und das krachende Geräusch.

Edith Schmidt will gemeinsam mit ihren Schwestern Anzeige erstatten, nicht, um eine finanzielle Forderung zu stellen. „Aus Respekt unserem Vater gegenüber können wir diesen Vorfall nicht einfach so entschuldigen, sonst würden wir all dies billigen und somit moralisch auch verantworten“, sagt sie.

Dem Unternehmer aus Kreuzau ist der Vorgang „sehr, sehr peinlich. Mir fehlen da die Worte.“ Er habe das Gerät kontrollieren lassen, sogar einen Belastungstest habe es gegeben. „Es hat alles funktioniert. Dass der Automat dann am Freitag wieder hakte, haben mir meine Mitarbeiter nicht gesagt. Sie können mir glauben, dass mich das selbst nervlich sehr mitnimmt.“

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