Düren/Alsdorf - Tödliches Unfalldrama auf A44: Angeklagter bittet um Entschuldigung

Tödliches Unfalldrama auf A44: Angeklagter bittet um Entschuldigung

Von: Hartmut Prüss
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So fanden die Einsatzkräfte die Unfallstelle auf der A 44 zwischen Alsdorf-Hoengen und Aldenhoven vor: Zertrümmert lag der schwer beschädigte Bus der RWTH Aachen auf der Seite. Foto: Dagmar Meyer-Roeger
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So fanden die Einsatzkräfte die Unfallstelle auf der A 44 zwischen Alsdorf-Hoengen und Aldenhoven vor: Zertrümmert lag der schwer beschädigte Bus der RWTH Aachen auf der Seite. Foto: Dagmar Meyer-Roeger
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So fanden die Einsatzkräfte die Unfallstelle auf der A 44 zwischen Alsdorf-Hoengen und Aldenhoven vor: Zertrümmert lag der schwer beschädigte Bus der RWTH Aachen auf der Seite. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Düren/Alsdorf. Lara A. wurde nur 25 Jahre alt. Die RWTH-Studentin war am Morgen des 1. Februar dieses Jahres bei einem Unfall auf der Autobahn A 44 so schwer verletzt worden, dass sie drei Tage später an den Folgen ihrer schweren Verletzungen starb.

In der Anklageschrift heißt es unter anderem, dass der Pkw-Fahrer nach einem Überholmanöver beim Wiedereinscheren die Kontrolle über seinen Wagen verloren habe und auf das Heck eines Kleinbusses geprallt ist.

Der Kleinbus mit Studierenden der RWTH Aachen auf war auf die rechte Seite gekippt, was für die Insassen erhebliche Folgen hatte. Elf von ihnen erlitten Verletzungen, der Pkw-Fahrer und seine beiden Mitfahrerinnen wurden leicht verletzt. Ein gravierender Vorwurf der Anklage verweist auf eine Blut-Alkoholkonzentration des Autofahrers von 0,78 Promille. Vor Gericht hat er sich wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs zu verantworten.

Der Prozess begann ziemlich emotionsgeladen, was sich nicht nur in zahlreichen Momenten absoluter, betretener Stille zeigte, sondern auch bei einigen Zeugen, die nur mit Mühe ihre Tränen unterdrücken konnten. Einfühlsam ermutigte die Vorsitzende Richterin Christina Lange die mit ihren Erinnerungen an jene Bilder ringenden Zeugen, sich „ruhig Zeit zu nehmen, bis es wieder geht“.

Dass die Ereignisse auch beim Angeklagten selbst Spuren hinterlassen haben, zeigte sich beispielsweise, dass er gleich zu Beginn des Prozesses Worte der Entschuldigung suchte. So sprach er nicht nur die bei dem Unfall Verletzten, sondern auch die Eltern der wenige Tage nach dem Unfall verstorbenen Studentin an, um sich zu entschuldigen. Auch während der Hauptverhandlung sucht er immer wieder den Blickkontakt zu ihnen.

Er bedauere es, dass durch diesen Unfall, an dem er maßgeblich beteiligt war, viele Menschen Schaden, Schmerz und Trauer erlitten haben. Gleichwohl sei er kein rücksichtsloser und gewissenloser Fahrer. Trotz des Restalkohols vom Vorabend und nur wenig Schlaf habe er sich nicht fahruntüchtig gefühlt.

Ungeachtet dessen könne er sich an das „Zustandekommen des Unfalls nicht erinnern“. In der Dunkelheit sei plötzlich der Bus vor ihm gewesen und für ihn sei zudem nicht klar, ob dessen Rücklichter funktioniert hätten. Der Angeklagte sagt dann aber auch: „Ich lebe mit dem Gedanken, dass durch den Verkehrsunfall ein Mensch getötet und mehrere verletzt wurden.“

Mithilfe von insgesamt acht Zeugen versuchten die Prozessbeteiligten, sich ein präzises Bild von damaligen Geschehen zu machen. Dabei richtete sich die Aufmerksamkeit im Wesentlichen immer wieder auf drei Frage-Komplexe: Wie war das Fahrverhalten des 28-jährigen Angeklagten unmittelbar vor der Kollision? War der Bus mit den Studierenden der RWTH ordnungsgemäß beleuchtet und war die Innenbeleuchtung eingeschaltet? Warum waren nicht alle Insassen des Busses vorschriftsmäßig angeschnallt?

Gerade bei der letzten Frage stellte sich heraus, dass Lara A. – aus welchen Gründen auch immer – offensichtlich den Sicherheitsgurt nicht angelegt hatte. Die junge Frau saß nach Zeugenaussagen auf einem Platz links im Bus und wurde, nachdem das Fahrzeug auf die rechte Seite gekippt war, durch das Fahrzeug geschleudert und an einem Fenster eingeklemmt.

Der Fahrer des Busses erklärte, dass vor jeder Fahrt ein technischer Kontrollgang obligatorisch sei. Zudem habe er die Fahrgäste auf die Anschnallpflicht hingewiesen, aber nicht die einzelnen Gurte kontrolliert. Ein 27-jähriger Student erklärte: „Ich glaube nicht, dass alle angeschnallt waren, weiß es aber nicht genau.“ Weiter berichtete er von zwei Insassen, die durch den Unfall eingeklemmt worden waren. Zu seinem eigenen Verhalten legte er nach: „Ich war angegurtet und hatte nur ein Schleudertrauma.“

Das Gericht möchte auf jeden Fall weitere Zeugen hören, die zur Aufklärung des Unfallhergangs beitragen können. Der Termin dafür ist am Freitag, 26. Januar, um 10 Uhr im Sitzungssaal 1.07 des Dürener Amtsgerichts. Dann soll auch ein Gutachter seinen Bericht vorlegen.

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