Tod in der Nacht: Was suchten die Männer auf dem Gleis?

Von: Stephan Johnen
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Ein Triebwagen der Rurtalbahn hat in der Nacht zum Mittwoch zwei Männer erfasst, die 200 Meter vor dem Bahnübergang an der Tivolistraße zu Fuß auf den Gleisen unterwegs waren. Foto: Johnen
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Die Körper wurden bis zur Tivolistraße mitgeschleift, der Triebwagen kam dahinter zum Stillstand. Foto: Roeger
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Bis zum Ende der Spurensicherung und Bergung der Leichen waren Bahnstrecke und Straße gesperrt. Foto: Johnen

Düren. Weiße Markierungen auf dem Asphalt zeugen am Mittwochmorgen von einem Einsatz, der den Einsatzkräften am Vortag emotional einiges abverlangt hat. Ein Triebwagen der Rurtalbahn, der Richtung Heimbach unterwegs war, hat am Dienstagabend gegen 21.25 Uhr zwei Männer erfasst, die 200 Meter vor dem Bahnübergang Tivolistraße auf den Gleisen unterwegs waren.

Der Zugführer hatte zwar eine Notbremsung eingeleitet, als er die Personen entdeckte, konnte einen Zusammenstoß aber nicht verhindern. Die Körper wurden bis zum Bahnübergang mitgeschleift, der Triebwagen kam hinter dem Übergang zum Stillstand. Der Notarzt konnte vor Ort nur noch den Tod der Männer feststellen. Die Spurensicherung und Bergung der sterblichen Überreste dauerte bis 23.30 Uhr, die Bahnstrecke und die Tivolistraße waren zwei Stunden lang gesperrt. Der Zug wurde abgeschleppt.

Der Lokführer erlitt einen schweren Schock und wurde in einem Krankenhaus behandelt. Die 13 Passagiere der Rurtalbahn blieben unverletzt. Aus Sicherheitsgründen blieben die Türen des auf der Strecke stehengebliebenen Zuges bis zum Eintreffen der Rettungskräfte verschlossen. Das Team der Notfallseelsorge im Kreis Düren stand und steht sowohl für Passagiere als auch für die Rettungskräfte zur Verfügung.

Aufgrund der Sperrung musste der letzte Zug des Tages Richtung Heimbach am Dienstag ab Lendersdorf starten. Für alle betroffenen Passagiere wurden nach Auskunft der Rurtalbahn Taxen zur Verfügung gestellt.

Die Identität der beiden vom Triebwagen erfassten Männer ist mittlerweile geklärt: Bei einem Opfer handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 65-Jährigen aus Düren, das zweite Opfer ist ein 31-Jähriger aus Nörvenich.

Die Frage, ob beide Männer auf den Gleisen unterwegs waren, um eine Abkürzung auf ihrem Weg durch die Stadt zu nehmen, bleibt unbeantwortet. „Es gibt einen Zeugen des Vorfalls“, teilte Polizei-Sprecherin Julie Greve am Mittwoch auf DZ-Anfrage. Der Zeuge stehe allerdings „unter einem sehr starken Eindruck des Erlebten“, hieß es weiter, die Vernehmung sei noch nicht abgeschlossen.

Gingen die Beamten in der Nacht zum Mittwoch noch von einem Unfall aus, könne auch ein Suizid nach aktuellem Stand der Ermittlungen „nicht ausgeschlossen werden“. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen laufen.

Der tödliche Unfall von Dienstagnacht ist der dritte in der Geschichte der Rurtalbahn, die im März 1993 den Betrieb der Strecke von Jülich bis Heimbach aufnahm. Anfang 1996 hat ein Triebwagen zwischen Birkesdorf und Arnoldsweiler ein Auto auf einem Bahnübergang erfasst. Zwei Insassen des Wagens kamen ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt. Zu Beginn des neuen Jahrtausends ist in Düren an einem Bahnübergang eine Frau überfahren worden, die trotz geschlossener Schranken noch den Übergang queren wollte.

„Als Eisenbahnunternehmen versuchen wir, unsere Mitarbeiter auf solche Extremsituationen vorzubereiten“, sagte Rurtalbahn-Geschäftsführer Sebastian Nießen. Im Unternehmen gebe es dafür beispielsweise geschulte Kollegen, die nach Unfällen Gesprächsangebote unterbreiten würden. Lokführer könnten im Falle eines Unfalls auch auf professionelle psychologische Hilfe zurückgreifen, um eine Traumatisierung zu vermeiden. Bei Fragen zum Unfallhergang verwies der Geschäftsführer auf die laufenden Ermittlungen der Polizei.

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