Tina Teubner: Wortwitz, Empathie und Kabarettstimme

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
14654996.jpg
Die Musikkabarettistin begeisterte ihr Publikum im „Komm“-Kulturzentrum. Foto: bel

Düren. Die Musikkabarettistin Tina Teubner und der Mann am Klavier, Ben Süverkrüp, hatten auf der Bühne im „Komm“-Kulturzentrum“ mit ihrem neuen Programm „Wenn du mich verlässt, komm‘ ich mit dir“ quasi ein Heimspiel. Beide Künstler waren schon viele Male vor Ort.

Sich selbst und die Eigenarten des Gegenübers zu kennen, das hilft bei dem Einstieg in die Kommunikation. „Ich werde nicht übergriffig“, versprach die Kabarettistin, „keiner braucht Angst zu haben, dass ich ihn anspreche oder gar auf die Bühne hole.“ Denn das könnte unangenehm werden, wenn sie den Interviewpartner auf der Suche nach der nächsten Pointe ausfrage.

Wie in allen Programmen ging es Teubner um die Erklärung der Welt. Dabei vermischten sich Alltag und Politik.

Teubner prangerte die Kriege an, die Millionen von Menschen zur Flucht zwingen. Wo sollen sie alle hin? Die Willkommenskultur scheine erschöpft. Auf unserer Seite des Globus herrscht Wohlstand. Schon seit Jahrzehnten gibt es keinen Krieg.

Erstaunlich für Teubner sind in dieser komfortablen Situation die Auftritte der stadtbekannten Nörgler, die trotz eines objektiv guten Lebens an vielen Dingen, besonders im privaten Bereich, etwas auszusetzen haben.

Damit sich im Publikum nicht allzu lange schwarze Gedanken einnisteten, wurde die Kabarettistin wieder privat. Sie beleuchtete die Biografie von Programm-Partner Süverkrüp. Fazit: Ben hat wohl im ersten Jahr seines Erdendaseins gelegen und geschlafen. Teubners Diagnose: Burnout. „Alle Babys haben Burnout“, behauptete die Künstlerin.

Der Pianist erzählte, dass er ein schönes Baby gewesen sei. Das rief Widerspruch hervor: „Auf den Fotos siehst Du aus wie eine Mischung aus Marshmallow und Sitzsack.“

Ben Süverkrüp am Klavier und Tina Teubner mit Ukulele entspannten die Situation mit Gesang – als Solisten und im Duett. Teubner brachte ihre volle Altstimme zur Geltung. Ihre Aussprache war oft so schnell, dass die Gäste im voll besetzten „Komm“ begeistert waren. Hängen bleiben werden im Nachhinein vielleicht nur Bruchstücke dieser Sätze – eigentlich schade, denn in einigen Aussagen steckte ein Bündel Weisheit.

Ähnliches gilt auch für die Kombination von Wörtern, meist zusammengesetzte Substantive, die Erstaunen und Begeisterung hervorriefen, für ein längeres Verweilen im Gedächtnis der Hörer aber nicht geeignet sind. Ein Beispiel aus Teubners Wörterbuch: Schulen sind „genormte Erstickungsanstalten“.

In ihrem Auftritt wandte sich Teubner auch den Müttern nach der „Burnout-Phase“ ihrer Kinder zu. Die weiblichen Nachkömmlinge traten dabei als positive Wesen in Erscheinung. Teubner nahm als Beispiel den kleinen Emil. Verwandte und Nachbarn sprechen über Emil: „Emil steht noch nicht“, hört man aus der einen Ecke. „Das ist schlimm“, sagt Emils Tante, „denn – aufgepasst – Emil bleibt in der Krabbelgruppe sitzen.“ Eine Pointe jagte die andere. Emil wird – wie alle Jungen – nicht fähig sein, zu häkeln.

Die Politikerin Ursula von der Leyen soll schon mit Häkelnadeln geboren worden sein. Und Martin Schulz? Er hat sich schon im Alter von vier Monaten von einer auf die andere Seite gedreht, wurde damals hinter vorgehaltener Hand verbreitet. Für einen Jungen sei das eine erstaunliche Leistung, scherzte Teubner.

Mögliche Widersprüche animierten zu Lachsalven: der vegane Jäger, der seinen Blattsalat selbst schießt sowie meditierende Manager vor dem Erhalt ihrer Boni und der Freisetzung tausender Mitarbeiter und Strähnchen beim Friseur gegen Einsamkeit.

Teubner plädierte für mehr Achtsamkeit gegenüber sich selbst und gegenüber den Mitmenschen. Paare sollten sich Zeit für die Echtheit im Leben nehmen, riet die Kabarettistin.

Teubners Mittel, das Publikum mit ihrem Programm zu unterhalten, sind breit gefächert: eine starke Kabarettstimme, Wortwitz, Empathie und die Möglichkeit, explosiv laut oder gefühlvoll leise rüberzukommen. Und natürlich ihr Dialogpartner Ben Süverkrüp am Piano.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert