Tierschützer sprechen von „Hühner-Qual”, Staatsanwalt ermittelt

Von: Hartmut Prüss
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Tierschützer kämpfen seit langem um bessere Bedingungen für Legehennen. Inzwischen sind die sogenannten Legebatterien verboten, in größeren Käfigen dürfen die Tiere aber nach wie vor gehalten werden. Foto: ddp

Froitzheim/Düren. Die Beschreibungen sind drastisch und ziemlich ekelerregend. Am Donnerstag brachte der Bundesverband Menschen für Tierrechte Zustände an die Öffentlichkeit, die einem im wahrsten Sinne des Wortes den Appetit vergehen lassen.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe um „Hühner-Qual und Eier-Skandal”, wie der Bundesverband bei einer Pressekonferenz in Köln die Situation beschrieb, steht ein Betrieb im Vettweißer Ortsteil Froitzheim.

Hellhörig wurde auch die Kreisverwaltung Düren, die umgehend zu einer Pressekonferenz einlud, um als zuständige Behörde Stellung zu beziehen.

Denn in den Vorwürfen des „Bundesverbandes Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.”, der seinen Sitz in Aachen hat, ist unter anderem von untragbaren hygienischen Zuständen die Rede.

Als „Beweismittel” verweisen die Tierschützer auf eine Video-Aufnahme. Mit Dutzenden von toten Hühnern, die angeblich nicht ordnungsgemäß aus dem Betrieb entfernt worden sind und zum Teil schon mumifiziert gewesen sein sollen.

Die Rede ist ferner von einer mit toten Hühnern übervollen Tonne, „aus der scharenweise Maden krabbeln” - so der Originalton der Tierschützer.

Und: Am Dienstag dieser Woche sei bei der Staatsanwaltschaft Aachen Strafanzeige gestellt worden. Oberstaatsanwalt Robert Deller bestätigte diesen Vorgang, korrigierte indes den Zeitpunkt.

Die Anzeige sei am Donnerstag per Fax eingegangen. Inhaltlich erklärte Deller, dass dem Betreiber des Legehennenbetriebes „Verstöße gegen das Tierschutzgesetz” und „unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen” vorgeworfen wird.

Bevor die Leiterin des Kreis-Veterinäramtes, Dr. Mounira Bishara-Rizk, über einen aktuellen „Besuch” ihres Amtes in dem betroffenen Betrieb, zu dem auch ein Hofladen gehört, berichtete, dankte Landrat Wolfgang Spelthahn dem Bundesverband Menschen für Tierrechte, den er nach ersten Recherchen als „seriösen und glaubwürdigen Tierschutzverband” einschätze.

„Die Zustände, die wir in dem Betrieb vorgefunden haben, waren nicht in Ordnung, besonders in hygienischer Hinsicht”, erklärte Dr. Bishara-Rizk.

Der Betreiber der Legehennenhaltung sei seit 40 Jahren im Geschäft und in all diesen Jahren habe es dort aus Sicht der Amtsveterinäre solche Verhältnisse nie gegeben.

Als erste Auflage sei für den Freitag ein Reinigungstrupp bestellt worden. Außerdem sei der kommende Dienstag für die nächste Schlachtung festgelegt und der Transport zum Schlachtbetrieb verbindlich bestellt worden.

„Man kann nicht immer überall sein”, warb die Amtstierärztin um Verständnis dafür, dass bei rund 700 Betrieben im Kreis eine lückenlose Überwachung nicht möglich sei.

Aber die Betriebe würden im Schnitt ein- bis zweimal pro Jahr von Amts wegen kontrolliert. Diese Kontrollen erfolgten natürlich ohne vorherige Anmeldung.

Der jetzt in die Kritik geratene Betrieb war zuletzt im Juli 2008 kontrolliert worden. Damals habe es einige Mängel gegeben, die in einwöchiger Nachbesserungsfrist behoben wurden.

Beim Besuch am Donnerstag sei nur ein totes Tier gefunden worden, dies sei aber nichts Ungewöhnliches. Allerdings war es diesmal laut Bishara-Rizk so, „dass der Gesamteindruck nicht stimmte”.

Die Gründe dafür liegen derzeit noch im Dunkeln. Zunächst müsse geklärt werden, ob eine Straftat oder „nur” eine Ordnungswidrigkeit vorliege.
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