Theo Fuhs ist vor 25 Jahren zur Wiedervereinigungsfeier gereist

Von: Stephan Johnen
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Vor 25 Jahren hat Theo Fuhs an der Wiedervereinigungsfeier in Berlin teilgenommen. Zur Erinnerung ließ er ein Bild malen. Foto: Stephan Johnen

Düren. Das Erlebte hat ihn bewegt. So sehr, dass Theo Fuhs kurz nach seiner Rückkehr aus Berlin bei einem Künstler ein Bild in Auftrag gab, das den Augenblick festhalten sollte. „Ich war in Berlin dabei“, sagt der 74-Jährige aus Hochkirchen.

Er verfolgte am 3. Oktober den Festakt am Reichstag und am 4. Oktober 1990 die erste „gesamtdeutsche“ Sitzung des Bundestages mit eigenen Augen – und später fleißig Unterschriften der politischen Prominenz sammelte.

Wie es dazu kam, wird Theo Fuhs noch erklären. Gerne wäre er auch am 25. Jahrestag der Wiedervereinigung nach Berlin gefahren. Doch der Pensionär, der mittlerweile in der Stadt Düren lebt, muss aus gesundheitlichen Gründen passen. „Ich denke immer noch sehr oft an diese Zeit 1989/90 zurück – und empfinde Dankbarkeit“, sagt Fuhs. „Wir hatten das Glück, als geteiltes Volk die Wiedervereinigung erleben zu dürfen. Und alles verlief friedlich.“

Den Fall der Berliner Mauer verfolgte Theo Fuhs, der damals in der Nörvenicher Gemeindeverwaltung arbeitete, mit seinem Chef, Gemeindedirektor Gerd Bandilla, im Fernsehen. „An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken“, blickt Fuhs zurück. „Wir haben den Bau der Berliner Mauer erlebt. Ich habe es gehofft, hätte aber nie erwartet, dass ich den Fall der Mauer erleben würde“, sagt er. Als später der offizielle Termin für die Wiedervereinigung vereinbart war, reifte die Entscheidung: „Ich fahre hin. Egal, unter welchen Umständen, selbst wenn ich mit dem Fahrrad nach Berlin radeln muss“, berichtet Fuhs. Der Zufall wollte es, dass er dem Dürener CDU-Bundespolitiker und Staatssekretär Wolfgang Vogt über den Weg lief. „Ich habe ihm von meinem Wunsch erzählt und ihm meine Adresse notiert“, sagt Fuhs. „Ich hätte allerdings nie damit gerechnet, noch einmal etwas zu hören.“ Doch nur wenige Tage später überbrachte ein Kurier vier Einladungsschreiben der Bundesregierung für den offiziellen Festakt in Berlin.

Am Morgen des 2. Oktober bestieg die „Nörvenicher Delegation“ in Köln einen Sonderzug nach Berlin. „In unserem Abteil saßen nicht nur Deutsche, sondern auch viele junge Menschen aus anderen europäischen Staaten. Es herrschte eine unglaubliche Stimmung, eine Euphorie“, schildert Theo Fuhs, der eine nicht alltägliche Reise antrat. Akustisch seien vor allem die Bayern Maßstab aller Dinge gewesen. „Mit ihren Kuhglocken veranstalteten sie einen ohrenbetäubenden Lärm.“ An Bord waren auch Fuhs‘ Chef, dessen Ehefrau und der Sohn einer Kollegin, der ebenfalls an einem Stück Zeitgeschichte teilnehmen wollte. „Jedem war damals klar, dass etwas Einmaliges geschieht. Zumal es ohne Zustimmung Gorbatschows ja auch hätte anders enden können“, sagt Fuhs.

Etwas enttäuscht war die Gruppe, dass sie trotz Einladungsschreiben die Plenarsitzung offenbar nur vor einer Leinwand verfolgen sollte. „Mein Chef hat sich dann einmal umgeschaut und hat einen Abgeordneten getroffen, den er über seine Landsmannschaft kannte“, berichtet Fuhs. Auf diesem Weg gelangten sie in den Plenarsaal. „Immer, wenn uns Politiker begegneten, baten wir sie um ein Autogramm auf unserem Einlassschreiben“, erklärt der Hochkirchener, wie er zu der recht imposanten Autogrammsammlung gekommen ist, die auf der Rückseite des von ihm in Auftrag gegebenen Bildes fixiert ist. Otto Graf Lambsdorf gehört ebenso dazu wie Theo Waigel und Sabine Bergmann-Pohl, die letzte Vorsitzende der DDR-Volkskammer. Dieses Autogramm hat der Saaldiener Karl-Heinz Schmidt für Theo Fuhs organisiert. „In laufender Sitzung!“ Etwas exotisch war zu dieser Zeit das Autogramm von Gregor Gysi. „Ich habe ihn einfach gefragt, und er ha ‚Ja‘ gesagt“, schmunzelt der Pensionär.

Auch 25 Jahre danach sei er noch „Feuer und Flamme für die Wiedervereinigung“. „Ich frage mich oft, ob die Menschen heute noch darüber nachdenken, was das vor 25 Jahren Geschehene bedeutet“, sagt Fuhs. Auch wenn Helmut Kohls Versprechen der blühenden Landschaften innerhalb kürzester Zeit etwas übereilt gewesen sei, ist er froh, dass eine einzigartige Chance ergriffen wurde.

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