Theaterpädagogin Marion Kaeseler: Vorliebe für Familiengeschichten

Von: Anke Holgersson
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Marion Kaeseler vor ihrem Bücherregal voller Lieblingsbücher und Erinnerungen. Foto: Holgersson

Niederau. „Ich bin eine Bücher-Verschlingerin“”, sagt die Theaterpädagogin Marion Kaeseler von sich selbst. Ganz oben auf ihrem literarischen Speiseplan stehen Familiengeschichten, die über Generationen hinweg erzählt werden – gerne aus der Feder von Jonathan Franzen und Philip Roth.

Früher habe sie einen solchen Wälzer in drei bis vier Tagen gelesen. Heute, nach der Geburt ihres jetzt dreijährigen Sohnes Oskar, komme sie über zehn Seiten am Abend nicht hinaus. Außerdem fände man dieser Tage eher Baby-Ratgeber als Romane auf ihrem Nachttisch.

Auch andere Sachbücher mag die 39-Jährige. „Ich glaube, Julia Friedrichs Buch ‚Ideale‘ hat mich am meisten beeindruckt und sogar zu einem besseren Menschen gemacht.“ Wie das? „Das Buch hat mich motiviert, mein Leben im Kleinen so zu verändern, dass die Welt ein bisschen besser wird. Ich versuche zum Beispiel, kein verpacktes Fleisch zu kaufen und statt billiger Milch, die schlecht für Tiere und Bauern ist, eben die etwas teurere Biomilch. Vielleicht ist das Gutmenschen-Denken. Aber ich glaube, wir brauchen das.“

Und natürlich liest Marion Kaeseler aufgrund ihres Berufes auch viele Theaterstücke. Goethes „Faust“ ist ihr Lieblingsstück. Sie hat es erst im Studium für sich entdeckt, als sie lernte, wie die Szenen im Kopf lebendig und emotional nachvollziehbar werden. „Theaterstücke zu lesen muss man lernen,” betont sie. „Es ist Übungssache, die Seiten mit Leben zu füllen.“ Man könne Schüler nicht einfach so mit Faust konfrontieren. Stoff und Sprache seien auf den ersten Blick zu weit entfernt.

„Dabei ist Faust ja eigentlich einfach ein alter Mann, der ein junges Mädchen verführt.“ Mit Machtübungen aus der Theaterpädagogik könne man den Grundkonflikt von Gretchen spürbar machen. „Ein Schüler führt einen anderen mit einem Bindfaden an der Nase im Raum herum.“ Der Kontrollverlust, der hier erlebbar wird, ist der gleiche, der im Stück Gretchen dazu bringt, Faust ohnmächtig hinterher zu laufen.

Kaeselers Credo fürs Lesen ist leidenschaftlich: „Wenn man, wie ich, Germanistik studiert hat, ist man konfrontiert mit Leuten, die die eine Gattung über eine andere stellen und damit angeben, was sie alles gelesen haben. Das kann einschüchternd sein. Davon sollte man sich aber lösen und das lesen, was einen packt. Und dann ist es auch egal, ob die Autoren Marianne Fredriksson, Hape Kerkeling oder Thomas Mann heißen.“

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