Theater setzt Lortzings Oper brillant um

Von: Anke Holgersson
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Zar Peter I. (Insu Hwang) und das Ensemble des Landestheaters Detmold bewiesen wieder einmal im Haus der Stadt, dass sie sich auf das Musiktheater in hervorragender Weise versteht. Foto: Anke Holgersson

Düren. Die Idee, dass der Chef sich den Blaumann anzieht, um mal an der Basis Recherche (oder besser: Werksspionage) zu betreiben, faszinierte die Menschen schon bei der Uraufführung von „Zar und Zimmermann“ im Jahr 1837. Genau das macht nämlich der russische Zar Peter I. in Albert Lortzings komischer Oper, die in einer Inszenierung des Landestheaters Detmold im Haus der Stadt gezeigt wurde.

Als Peter Michaelow arbeitet er in einer Werft im niederländischen Saardam (heute Zaandam). Er ist befreundet mit Peter Iwanow, obwohl der vom russischen Militär desertierte und nach Holland flüchtete. Iwanow liebt Marie, die Nichte des aufgeblasenen Bürgermeisters van Bett. Als sich das Gerücht verbreitet, der Zar weile in der nordholländischen Hafenstadt, hält der Opportunist van Bett fälschlicherweise Iwanow für den Zaren und richtet ein Fest für ihn aus. Chateauneuf, Nebenbuhler um Maries Gunst, ist derweil auf der richtigen Spur.

Als den Zaren Nachrichten wachsender Unruhen und schließlich des Aufstandes gegen ihn erreichen, will er zurück in seine Heimat. Van Bett hindert ihn. Er will erst einmal gegen alle Fremden ermitteln. Durch die neu gewonnene gute Beziehung des vermeintlichen Zaren Iwanow zu van Bett und dessen Protektor Lord Syndham kann er jedoch entkommen und die Heimreise antreten. Er hinterlässt einen Brief, der seine wahre Identität enthüllt, die Liebe von Marie und Iwanow vor van Bett legitimiert, indem er diesen zum kaiserlichen Oberaufseher ernennt.

Flucht, Fremde, Spionage. Die Oper bietet jede Menge Gelegenheiten, ihr Sujet auf Heute zu übertragen. Diese Aufgabe übernimmt – als Conférencier und Reiseführer durch die Zeit - der dem Libretto hinzugefügte Erzähler (Mathias Eysen), indem er die Industriespionage des Zaren zum Beispiel als „angewandte Entwicklungshilfe“ bezeichnet.

Lortzings volkstümliche Oper enthält – zum Beispiel mit dem bekannten Holzschuhtanz – beeindruckende Chor- und Ensembleszenen, die vom Landestheater Detmold brillant umgesetzt wurden. Die Leichtigkeit und die Frische des Ensembles beleben die historische Aufführung angenehm, so dass sie entstaubt und wenig manieriert wirkt. Es macht Spaß, das detailreiche, liebevoll ausgestattete Bühnenbild anzuschauen, was ein Sich-Einlassen ebenfalls erleichtert.

Stimmlich und komödiantisch war der Baß singende Christoph Stephinger als van Bett großartig. Der Bariton Insu Hwang überzeugte als Zar, Stephan Boving gelang ein vor allen Dingen gestisch und mimisch urkomischer Iwanow. Stephen Chambers sang meisterhaft den nicht erhörten Verehrer Marquis von Chateauneuf, der Marie (Jeanne Seguin) den Hof macht. Das Orchester unter der Leitung von György Mészáros im Haus der Stadt live zu erleben, war ein besonderes Hörvergnügen.

Überhaupt zeigte das Landestheater Detmold einmal mehr, dass es sich auf das Musiktheater in hervorragender Weise versteht. Es ist das größte der vier Landestheater in Nordrhein-Westfalen und das einzige mit einem Musiktheaterensemble. Ein gelungener Musiktheaterabend im Haus der Stadt, der immer wieder Applaus bei den Zuschauern im ausverkauften Haus auslöste.

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