Teure Investition: „Biogas ist kein Schuldenbringer für Kleinhau“

Von: Stephan Johnen
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Betriebsleiter Marco Nießen (links) sowie die Geschäftsführer Stefan Grießhaber und Willibert Bertram (rechts) sind überzeugt, dass die Biogasanlage in Kleinhau ruhiges Fahrwasser erreicht hat.
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Nach Verlusten in den Vorjahren schreibt die Biogasanlage nun schwarze Zahlen.

Kleinhau. Von der Beteiligung an einer Biogasanlage hatte sich die Gemeinde Hürtgenwald im Sommer 2011 zusätzliche Einnahmen erhofft. Die Gemeindeentwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft (GED) stieg mit 25,1 Prozent in die „Bioenergie Kleinhau GmbH“ ein. Doch statt satter Gewinne gab es zunächst nur Verluste, eine Beinahe-Insolvenz, ein Sanierungsgutachten sowie Nachbesserungsbedarf bei der Technik.

„Die Probleme der Vergangenheit haben wir gemeistert, wir werden auch das Jahr 2016 mit einem Gewinn abschließen“, ist Geschäftsführer Stefan Grießhaber überzeugt, dass die Biogasanlage ruhiges Fahrwasser erreicht hat. Nach einem Verlust von 80.000 Euro im Jahr 2014 stand unter dem Jahresabschluss 2015 erstmals ein Gewinn von 24.000 Euro. Die Umsatzerlöse stiegen von 750.000 Euro im Jahr 2014 auf 820.000 im Jahr 2015. Für das aktuelle Jahr prognostiziert der Geschäftsführer einen Umsatz in Höhe von 840.000 Euro und einen Gewinn in Höhe des Vorjahres, mindestens. Grießhaber: „Die Biogasanlage hat gezeigt, dass sie wirtschaftlich arbeiten kann.“ Jährlich sei künftig mit Gewinnen in Höhe von bis zu 30.000 Euro zu rechnen.

Betriebsleiter Marco Nießen weiß zu berichten, dass nach dem Sanierungsgutachten getätigte Investitionen in niedriger sechsstelliger Höhe die Effizienz der Anlage „deutlich erhöht“ haben. Zum Betrieb seien mittlerweile etwa 1000 Tonnen Mais pro Jahr weniger nötig als in den ersten Jahren.

Fünf Jahre nach dem Start des Projekts steht damit aber ebenfalls fest, dass die Biogas-Beteiligung kaum dazu geeignet ist, den stark gebeutelten kommunalen Haushalt mit kräftig sprudelnden Gewinnen zu entlasten. „Die Biogas-Beteiligung ist aber auch kein Schuldenbringer für die Gemeinde Hürtgenwald“, legt Grießhaber Wert auf die Feststellung, dass sich die Anlage mittlerweile selbst trägt – und die Gemeinde nicht zuletzt 20.000 Euro pro Jahr weniger für Energie aufwenden müsse. Rathaus, Schulzentrum und Bauhof beziehen Fernwärme aus der direkten Nachbarschaft.

„In fünf bis zehn Jahren werden wir auch als GED höhere Gewinnausschüttungen verbuchen können“, ist Grießhaber überzeugt. „Zu einem früheren Zeitraum ist das leider nicht realistisch“, räumt er ein, dass anfangs die Erwartungen womöglich zu hoch gesteckt worden seien. „Die Anlage ist aber eine gute Sache, wir haben ausreichend Liquidität und müssen eher Bauern vertrösten, denn Mais-Lieferanten suchen“, sagt Grießhaber. Der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters hatte sich 2012 bereit erklärt, die Geschäftsführung zu übernehmen und die Sanierung zu starten.

„Die Mission ist erfüllt“

„Die Mission ist erfüllt“, sagt Grießhaber, der sich in den kommenden Monaten aus der Geschäftsführung herausziehen und sich wieder voll den Aufgaben im Rathaus widmen möchte. Mit dem ehemaligen Notariatsbüroleiter Willibert Bertram ist derzeit ein zweiter Geschäftsführer an Bord, der eingearbeitet wird und die Aufgaben Grießhabers übernehmen soll. Wie der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters wird auch Bertram „eine kleine Aufwandsentschädigung“ erhalten, heißt es.

Eine offene Baustelle gibt es aber dennoch: Die Anlage produziert etwa 1,6 Millionen Kilowattstunden ungenutzte Wärme. Beinahe doppelt so viel, wie Schule und Rathaus abnehmen. Doch wohin mit dem Produktionsüberschuss?

„Wir führen derzeit vielversprechende Gespräche“, sagt Grießhaber, der bis zum Abschluss auch dieser Baustelle an Bord bleiben möchte. Die überschüssige Wärme könne beispielsweise dafür genutzt werden, um Filtratsand aus der Trinkwasseraufbereitung einer benachbarten Talsperre zu trocknen. Dieser könne dann für den Straßenbau oder für Rekultivierungszwecke verkauft werden. „Wir sprechen über eine Investition in Höhe von 400 000 Euro“, erklärt Willibert Bertram. Auf dem Gelände sei noch ausreichend Platz, das Volumen betrage 1200 Tonnen pro Jahr, „also etwa zwei zusätzliche Lkw-Fahrten pro Woche“.

Sollte sich das Interesse verhärten, müssten neue Gutachten zum Schall- und Geruchsschutz in Auftrag gegeben werden. Positiver Nebeneffekt: Die überschüssige Wärme könnte genutzt werden, zudem würden Fördergelder in Höhe von jährlich 40.000 Euro gezahlt, wenn für die Trocknung des Filtrats statt fossiler Energie erneuerbare Energie zum Einsatz kommt. „Wir hoffen, dass wir noch in diesem Jahr ein Ergebnis präsentieren können“, ist Geschäftsführer Stefan Grießhaber optimistisch.

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