Testing Center: Hier wird das Fahren in der Stadt simuliert

Von: Antonius Wolters
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Grünes Licht: Mit gleich drei Bewilligungsbescheiden stattete Staatssekretär Thomas Rachel (2.v.l.) im Aldenhoven Testing Center (ATC) die Technik-Wissenschaftler von FH und RWTH Aachen aus. Foto: Antonius Wolters

Kreis Düren. Auch wenn Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, am Montag die versammelten Technik-Wissenschaftler von FH und RWTH Aachen dazu aufforderte, „die zukünftige Mobilität neu zu denken“, fehlt bislang die notwendige Infrastruktur, um all die Ergebnisse solcher Denkvorgänge zum automatisierten Fahren durch Tests in der Realität zu überprüfen.

Insofern wird das Aldenhoven Testing Center (ATC) in Siersdorf, das sich in direkter Nachbarschaft zur „Filmautobahn“ einen Namen gemacht hat, zu einer Art Großlabor oder riesigem Prüfstand ausgebaut. Das steht übrigens nicht allein den beiden Aachener Hochschulen und deren Instituten zur Verfügung, wie mit Landrat Wolfgang Spelthahn einer der „Väter des ATC“ betonte, sondern auch der Industrie und allen interessierten Nutzern.

Ziel der Bemühungen sind Forschung und Entwicklung automatisierter und vernetzter Fahrfunktionen, die aktuell weltweit im Fokus der Automobilindustrie und auch von neuen Playern aus dem IT-Bereich wie Google oder Apple stehen. Damit einher geht die Elektrifizierung der Mobilität, um den Schadstoffausstoß spürbar zu verringern.

Innenstädte stellen dabei in Sachen Simulationsumgebung die größte Herausforderung dar. So errichtet ein Projektkonsortium rund um die RWTH Aachen dank der rund 3,3 Millionen Euro umfassenden Förderung des Berliner Forschungsministeriums bis 2018 ein bundesweit einmaliges urbanes Testfeld im ATC, für das Staatssekretär Rachel jetzt den Startschuss gab.

Damit wird gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit des Testgeländes gesichert. So will Mobilfunk-Netzbetreiber Vodafone hier ebenfalls eine Forschungsinfrastruktur aufbauen.

Um zu demonstrieren, wie ein urbanes Testfeld überhaupt aussieht, machten sich die Gäste bei glühender Hitze auf zu einem so genannten „Forschungskreuz“, das die RWTH quasi als Vorleistung bereits aufgebaut hat. Um die Auswirkung echter Gebäude auf die Abschirmung von Strahlungen besser simulieren zu können, wird die Kreuzung nicht mit Holzwänden nachgestellt, sondern dafür sind solide Betonklötze – Legosteinen gleich – aufgeschichtet worden.

Dazu kommt die „Möblierung“ etwa mit Verkehrsschildern und Lichtzeichenanlagen. Auch durch weitere innerstädtische Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger (-Puppen) sowie Elementen wie Bushaltestellen, Bahnübergänge, Parkbuchten oder Kreisverkehre soll in einer späteren Ausbaustufe das Testfeld möglichst realitätsnah gestaltet und ergänzt werden.

Das Testfeld entsteht im Rahmen des Vorhabens „CERMcity“, an dem neben der RWTH unter anderem auch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, die FH Aachen und der TÜV Rheinland beteiligt sind.

Durch den modularen Aufbau soll es sogar möglich werden, ganze Häuserschluchten oder die Gegebenheiten in anderen Ländern nachzustellen. „Wir bringen die Welt nach Aldenhoven“, fasste das Prof. Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen, griffig zusammen. „Sie kriegen die Förderung zehnfach als Gewerbesteuer zurück“, versprach der Rektor zudem Staatssekretär Rachel eine attraktive Verzinsung der eingesetzten Millionen.

Prof. Lutz Eckstein, der Aufbau und Vernetzung der Profilbereiche Mobility & Transport Engineering der RWTH systematisch vorantreibt, sieht das automatisierte Fahren als Kern für die zukünftige Mobilität, die verkehrssicher, effizient und nachhaltig erfolgen müsse. Es sei zugleich eine gesellschaftlich relevante Innovation, etwa um für Menschen die individuelle Mobilität bis ins hohe Alter zu gewährleisten.

Dass Deutschland als Automobilnation darauf achten muss, auf diesem Feld technologisch nicht ins Hintertreffen zu geraten, betonte Thomas Rachel. Seit den 1990er Jahren habe sein Haus jegliche Assistenzsysteme, die für die Automobilindustrie entwickelt worden sind, mit Fördermitteln unterstützt, um die Beschäftigung in dieser wichtigen Industriebranche hoch zu halten.

Insofern engagiere sich das Bundesforschungsministerium auch hier, „um die Entwicklung und wirklichkeitsnahe Untersuchung von innovativen Fahrzeugsystemen zu fördern“.

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