Telefonterror im Amateurfußball

Von: Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
viktoriabu
Einen unerwarteten Heimsieg sahen die Zuschauer am Wochenende in Arnoldsweiler. Dem Vorwurf eines anonymen Anrufers, das Spiel gegen Dürwiß sei manipuliert worden, treten die Vereinsverantwortlichen massiv entgegen. Vor allem wegen der Drohungen des Anrufers haben sie Fußballverband und Polizei eingeschaltet.

Arnoldsweiler. Der Anrufer brüllte ins Telefon. „Wir wissen definitiv, dass das Spiel manipuliert worden ist. Wir haben Beweise. Und wir wissen, wo ihr wohnt”, schrie der Mann, der sich mit „Hoffmann von Viktoria Köln” vorstellte.

Zwei Mal musste sich Josef Möthrath, der Vorsitzende der Arnoldsweiler Viktoria, am Sonntagmorgen die Beschimpfungen anhören, zwei Mal beendete er die Schimpfkanonaden: Er drückte die entsprechende Taste seines Telefons.

Tags zuvor hatten die Arnoldsweiler Fußballer in der Mittelrheinliga ihr Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Germania Dürwiß 2:0 gewonnen und damit drei wichtige und nicht unbedingt erwartete Zähler im Kampf gegen den Abstieg verbucht. Die Ausgangslage blieb aber schlecht: Die ebenfalls abstiegsbedrohte Kölner Viktoria wahrte zwei Spieltage vor Schluss den Fünf-Punkte-Vorsprung gegenüber den Dürenern. Sie gewann in Hürth 2:1.

Dennoch kam der dringend benötigte Heimsieg der Arnoldsweiler bei dem Anrufer, der den Viktoria-Vorsitzenden am Telefon bedrohte, offenbar nicht gut an. Denn nicht nur Möthrath wurde am Sonntagmorgen beschimpft und bedroht. Auch der ehemalige Jugendgeschäftsführer des Vereins, Jürgen Mybach - von Beruf Polizeibeamter -, wurde laut Möthrath angerufen, wie auch Vorstandsvertreter und deren Angehörige von Germania Dürwiß. Die waren auch bereits am Samstag vor dem Spiel von einem Anrufer bedrängt worden. Der Tenor des Mannes, der sich mit „Müller von Viktoria Köln” vorstellte, lautete: Verliert nur ja nicht in Arnoldsweiler! Und auch hier sagte der Mann: „Wir wissen, wo ihr wohnt.” Sonntag registrierte Germania-Geschäftsführer Willi Greven sogar 15 Anrufe dieser Art. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dem Anrufer um ein und dieselbe Person handelt, zumal der Mann, dessen Rufnummer unterdrückt war, ein akzentfreies Hochdeutsch ohne Kölner Einschlag sprach.

Die Vereine, die die Manipulationsvorwürfe zurückweisen, handelten: Staffelleiter Hans-Josef Geiser wurde informiert, ebenso die Polizei. Außerdem hat die Viktoria ihren Rechtsbeistand informiert.

Der Fußballverband Mittelrhein wurde aktiv: Viktoria Köln muss eine Stellungnahme abgeben. Die restlichen Saisonspiele der beiden Klubs werden unter die Aufsicht des Verbandes gestellt. Die Kölner empfangen am 30. Mai Bergneustadt. Arnoldsweiler erwartet Pfingstsamstag im Nachholspiel Borussia Freialdenhoven und trägt ebenfalls am 30. Mai die letzte Partie bei Germania Lich-Steinstraß aus. Geiser ist betroffen: „In einer solch massiven Weise ist das noch nicht aufgetreten.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert