Telefonseelsorge Düren-Jülich-Heinsberg: Anonymität schafft Vertrauen

Von: Hendrik Buch
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Wer Sorgen hat und Rat sucht, aber lieber anonym bleiben möchte, findet bei der Telefonseelsorge Düren-Jülich und Heinsberg Hilfe. Foto: Stock/Westend61
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Die hauptamtlichen Mitarbeiter Margot Kranz und Pfarrerin Kirsten Prey. Foto: Hendrik Buch

Kreis Düren. Für die Öffentlichkeit bleiben die sieben neuen Ehrenamtler, die am Freitag im evangelischen Gemeindezentrum in Birkesdorf in ihren Dienst eingeführt wurden, namenlos. Bei der Telefonseelsorge gilt es nicht nur die Anonymität der Hilfesuchenden zu wahren, sondern auch die der Seelsorger.

„Schließlich sollen auch die Ehrenamtlichen nicht in ihrem Alltag über den Rahmen ihres Dienstes hinaus belastet werden“, erklärt die hauptamtliche Leiterin des Telefondienstes Margot Kranz. „Die beiderseitige Anonymität stärkt auch das Vertrauen der Anrufer.“

Rund 23.000 Telefonate haben die 60 Helfer im Jahr 2014 geführt, 16 Stunden ist jeder dafür im Monat am Telefon. Mit Fortbildung und dem eigenen Gesprächsbedarf nach den Telefonaten kommen pro Mitarbeiter rund 22 Monatsstunden zusammen – Freizeit. Der Bedarf wäre noch höher, still steht das Telefon nie.

„Ich möchte etwas zurückgeben. Dass es mir gut geht, halte ich nicht für selbstverständlich“, erklärt Vera Kallbach (Namen geändert) ihre Motivation, sich im anspruchsvollen Ehrenamt zu engagieren. „Bei der Suche nach ehrenamtlichen Aufgaben schien mir diese anonyme Aufgabe im Hintergrund genau passend.“

Auch für den erfahrenen Seelsorger Daniel Wittlich (Name geändert) stand bei der Entscheidung, sich vor dem Renteneintritt zum Telefonseelsorger ausbilden zu lassen, vor allem die Arbeit mit Menschen im Vordergrund: „Ich bin einerseits von Natur aus neugierig auf jede Geschichte und glaube andererseits, dass ich mit meiner langjährigen Erfahrung auch helfen kann.“

Die ersten Eindrücke im Dienst haben die beiden, genau wie ihre fünf neuen Kollegen, schon gesammelt. Die Gespräche dauern manchmal wenige Minuten, manchmal Stunden, sagen sie. Bei den Themen gebe es keine Tabus, sie umfassen die ganze Palette der Menschlichkeit, wobei die Anrufer gerade über Beziehungs- und Suchtprobleme besonders häufig sprechen wollten.

Auf die Frage, wie sie es schaffen würde, die Telefonate nicht mit nach Hause zu nehmen, antwortet Vera Kallbach: „Einerseits hilft mir mein Heimweg sehr, andererseits stehen uns mit Kollegen und Stellenleitung natürlich auch selbst Ansprechpartner zur Verfügung.“ Am Ende würden sie ja helfen, wissen beide, das ließe einen auch über die leider vielen – oft geschmacklosen – Scherzanrufe hinwegsehen.

Neben dem Anruf betreiben die Mitarbeiter auch eine E-Mail-Seelsorge. „Gerade die junge Generation ist im Internet unterwegs und nutzt dies auch, schriftlich ihre Sorgen auszudrücken und sich Hilfe zu holen“, erklärt Margot Kranz. „Die Anzahl an Mails hat sich von 2013 auf 2014 verdoppelt.“

Symbolisch überreichte die Leiterin den neuen Seelsorgern am Freitag kleine Eulen und erklärte: „Die nachtaktiven Vögel passen mit ihrem guten Gehör und ausgeprägtem Sozialverhalten sehr gut zu euch.“

Für die Telefonseelsorge suchen sie und ihre Stellvertreterin Pfarrerin Kirsten Prey immer neue Helfer. Die nächste Ausbildungsgruppe beginnt im Herbst.

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