Tedrive-Werk verkauft: „Langer Kampf hat sich gelohnt”

Von: Jörg Abels
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Hat erfolgreich für die Zukunft des Tedrive-Werks gekämpft: Betriebsratschef Peter Nießen. Foto: ja

Düren. Die neuen Firmenschilder müssen zwar noch montiert werden, mit der Übernahme durch den US-Konzern Neapco ist aber wieder verhaltener Optimismus an die Henry-Ford-Straße zurückgekehrt.

Nicht zuletzt weil der Konzern-Vorsitzende Robert Hawkey und Finanzvorstand David Barron am Dienstag bei der ersten Betriebsversammlung nach dem Kauf des Tedrive-Werks die Fertigung neuer Produkte für den US-Markt in Aussicht stellten.

Hinter dem Betriebsratsvorsitzenden Peter Nießen und seinen Kollegen liegt ein 18-monatiger Kampf um den Erhalt des Standorts. „Ein Kampf, der sich gelohnt hat”, spricht Nießen von einem „Wechselbad der Gefühle”.

Obwohl rund 250 Kollegen und mindestens ebenso viele Leiharbeiter ihren Arbeitsplatz im Zuge der Insolvenz verloren haben, konnten 740 Jobs gerettet werden, verbunden mit der vom Betriebsrat bis zuletzt geforderten uneingeschränkten Standortgarantie, inklusive der Zusage notwendiger Investitionen in das Werk. „Produktionsverlagerungen sind nur mit unserer Zustimmung möglich und müssen kompensiert werden”, erklärt Nießen den wichtigsten Passus der Vereinbarung, um die Neapco bis zuletzt pokerte.

Nicht zuletzt aus diesem Grund machte der 61-Jährige auch keinen Hehl daraus, dass die Amerikaner nicht der Wunschkandidat des Betriebsrates waren. „Eine vorübergehende Übernahme durch das Management wäre uns lieber gewesen. Dann hätten wir in Ruhe einen soliden strategischen Partner finden können.” Denn ohne den, und das ist allen Beteiligten klar, ist das Dürener Werk langfristig nicht überlebensfähig.

Bis zur Ankündigung der Geschäftsführung, neue Produkte für den US-Markt zu akquirieren, hatten die Arbeitnehmervertreter den Eindruck, dass Neapco einer Standortgarantie für Düren nur auf Druck des Hauptkunden zugestimmt habe, eigentlich Produktion nach Polen verlagern wollte. Die frühere Werksmutter Ford hat langfristige Aufträge nach Düren vergeben, allerdings auch mit der Forderung, weiter Kosten zu senken. Zum Abbau zusätzlicher 18 Arbeitsplätze habe es deshalb keine Alternative gegeben, betonte Nießen. Zudem sollen die Kosten künftig um drei Prozent jährlich reduziert werden - beim Material, aber auch durch die Optimierung von Arbeitsprozessen. Finanzielle Zugeständnisse der Belegschaft wurden nicht vereinbart.

Im Gegenteil: Weihnachts- und Urlaubsgeld, auf das die Mitarbeiter im Zuge der Insolvenz für 2010 und 2011 verzichtet haben, soll bis 2014 stufenweise wieder auf die alte Höhe angehoben werden.
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