Düren - Tedrive: Massive Einschnitte, 240 Jobs weg

Tedrive: Massive Einschnitte, 240 Jobs weg

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:

Düren. Ohne drastische Einsparmaßnahmen ist der angeschlagene Automobilzulieferer Tedrive nicht zu retten. Auf der Betriebsversammlung am Donnerstag erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Andreas Ringstmeier der Belegschaft zwar, dass die Produktion auch mit dem offiziellen Gang in die Insolvenz am 1. März fortgeführt wird, bestätigte aber die Aussage des Betriebsrates, dass 240 der insgesamt 920 Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, quer durch alle Bereiche.

Um das monatliche Defizit auszugleichen, das sich zwischen drei und fünf Millionen Euro bewegen soll und nach IG-Metall-Angaben noch bis Juni vom Hauptkunden, der früheren Tedrive-Mutter Ford, gedeckt wird, sind aber noch weitere Einschnitte erforderlich.

Gewerkschaft und Betriebsrat sprechen von zusätzlichen 7,1 Millionen Euro, die die restliche Belegschaft jährlich einsparen muss - durch Lohnverzicht beispielsweise, Kürzungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld oder bei der betrieblichen Altersvorsorge.

Ziel ist es, das Werk nach einem erwarteten Umsatzrückgang auf nur noch 145 Millionen Euro im Jahr 2009 (2008: rund 200 Mio. Euro) so aufzustellen, dass keine Verluste mehr eingefahren und es an einen strategischen Investor aus der Branche verkauft werden kann.

Mit der Münchner Orlando-Gruppe, die Tedrive bislang im Auftrag von Investmentfonds managte, und die der IG-Metall-Bevollmächtigte Paul Zimmermann für die Pleite verantwortlich macht, will Ford dem Vernehmen nicht mehr kooperieren, auch nicht mit einem neuerlichen Finanzinvestor.

Dass die mit Blick auf die betroffenen Familien schmerzlichen Maßnahmen zur Rettung unvermeidbar sind, räumen auch Gewerkschaft und Betriebsrat ein.

Gleichzeitig stellen die Arbeitnehmer-Vertreter vor den nun anstehenden Gesprächen über einen Sozialplan aber auch Forderungen. „Ford muss zusagen, sich auch über 2009 hinaus keinen anderen Lieferanten zu suchen”, betonte Zimmermann.

Und Orlando müsse nicht nur die Miete für die Gebäude senken, sondern auch dem Verkauf des mit Düren untrennbar verbundenen Partnerwerks im polnischen Praszka zustimmen und die in die niederländische Holding ausgelagerten Patente zur Verfügung stellen.

Dazu sei Orlando zeitlich befristet bis Ende Mai bereit, habe Ringstmeier der Belegschaft mitgeteilt, so Zimmermann. Ob bis dahin ein Käufer gefunden ist, bleibt aber ungewiss.

Alexander Lennemann, Sprecher des Insolvenzverwalters, rechnet damit, dass sich ein Verkauf auch noch bis Ende des Jahres hinziehen könnte.

Alles hänge jetzt vom Verlauf der Sanierung und den weiteren Gesprächen mit Ford und Orlando ab. Ein Ford-Partner aus den USA hat dem Vernehmen nach Interesse bekundet, das Geschäft zu übernehmen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert