Gürzenich - Teddybären: Beste Freunde aus 23 Teilen

Teddybären: Beste Freunde aus 23 Teilen

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
In der Bärenhöhle: Lydia Rei
In der Bärenhöhle: Lydia Reiff hat schon 500 plüschige Zeitgenossen genäht. Foto: Berners

Gürzenich. Bruno ist ein ziemlich wilder Zeitgenosse, Einstein sieht aus, wie sein Name es erahnen lässt, und Theo stecken die Jahre in den Knochen. Die drei bärigen Zeitgenossen wohnen in Gürzenich bei Lydia Reiff. Und sie sind nicht allein. Schätzungsweise 500 Bären hat Lydia Reiff schon genäht. Klassische und extravagante, kleine und große, braune und bunte.

Als sie klein war, hat die Mittfünfzigerin gerne mit Puppen gespielt. „Aber mein Vertrauter, der, mit dem ich gelacht und geweint habe und der auch mal meine Wut abbekommen hat, das war mein Bär”, erzählt sie. Und wer hatte nicht einen Teddybären zum Freud? Und viele haben den treuen Weggefährten der Kindheit noch heute, längst Erwachsen, im Schlafzimmer stehen.

Lydia Reiff hat Bären schon lange gesammelt, kleine Figuren aus Porzellan zum Beispiel. Die mag ihren Ausdruck, die Ausstrahlung. Und weil sie gerne stickt, strickt und näht, kam Eins zum Anderen: „Irgendwann hat mir mein Mann ein Bären-Nähset geschenkt. Und ich dachte nur: Den bekommst Du nie zusammen”, erzählt die Bärenmacherin. Sie hat es dank eines Kurses doch geschafft und die Leidenschaft für die plüschigen Zeitgenossen mittlerweile zum Beruf gemacht.

Momentan hat sie einen Faible für die Bären, die alt aussehen, es aber nicht sind. So wie Theo. Seine Nase ist zerrupft, das Fell stellenweise dünn und ein bisschen schmutzig, die Ohren sind geflickt. Mit Pinzette, Kreide und Zahnbürste macht Lydia Reif aus einem gerade gefertigten Bären ein „altes Schätzchen”. „Damals hatten die Bären ganz andere Proportionen”, erklärt sie. Die Arme und Beine waren gerader, der Oberkörper länger. Solche Schnitte entwirft die Näherin oftmals selbst. Und wenn sie einen Stoff kauft, hat sie schon vor Augen, wie der Bär (oder ein anderes Tier) aussehen soll. Und so gibt es neben den klasssichen Teddys auch blaue Bären mit Blumentatzen, grüne Zottelbären und Charakterköpfe.

In den Schubladen im Nähkeller - der Bärenhöhle - liegen Augen in allen Größen und Farben, da liegen Unterlegscheiben, Splinte, Brummstimmen und Füllwatte. Stoff ist nicht alles, was man braucht, um Bären zu nähen. Auf dem Tisch liegt sogar ein Rasierer aus dem Tierbedarf, mit dem die Schnauzen vom Fell befreit werden. Es ist das einzige Elektrogerät, das im Keller läuft. „Die Hektik der Nähmaschinen mag ich nicht”, sagt Lydia Reiff. Außerdem würde es jedem Bär eine individuelle Note geben, wenn er mit Nadel und Garn genäht wird.

Aus mindestens 23 Stoffteilen besteht ein kuscheliger Weggefährte. Zwölf Stunden Arbeit stecken selbst in den kleineren Bären, ein großer mit komplizierten Kopfgelenken ist erst nach einigen Tagen fertig. Und allein der Materialwerke eines Bären kann weit über 200 Euro liegen. „Man muss schon ein bischen verrückt sein, für dieses Hobby”, sagt Lydia Reiff, die auch alte Bären flickt, denen Augen oder Ohren abhanden gekommen sind. „Der älteste Bär war 85 Jahre alt. Den hatte eine Tochter auf dem Dachboden der Mutter gefunden”, erzählt Lydia Reiff. Bevor die Fundstücke repariert werden, landen sie allerdings für eine Woche in der Kühltruhe, um Milben abzutöten. „Ich darf nur nicht vergessen, meiner Familie zu sagen, dass sie da jemand angucken könnte.”

Eifelmarkt am Töpfereimuseum

Lydia Reiff ist eine der Ausstellerinnen, die beim Eifelmarkt ihre Arbeit zeigen. Der findet am Sonntag, 9. September, von 10 bis 18 Uhr rund um das Töpfereimuseum in Langerwehe statt. Die DZ stellt vorab einige Aussteller vor.
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