Tausende Besucher beim Moto-Cross-Flutlicht-Rennen

Von: Kevin Teichmann
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Die Rennen der Seitenwagen-Klassen üben auf die Zuschauer immer eine ganz besondere Faszination aus, auch bei den Flutlicht-Rennen am Raffelsberg. Foto: Teichmann
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MSC-Urgestein Gerd Blatter hat 2013 seine Laufbahn beendet. Jetzt hilft er anderen Fahrern. Foto: Teichmann

Kleinhau. Motoren heulen auf. Die Temperatur ist mittlerweile ein wenig gesunken und verspricht Abkühlung – doch die Zuschauer sind am Freitagabend am Raffelsberg Feuer und Flamme. Beim Moto-Cross-Flutlicht-Rennen des MSC Kleinhau, das nun schon seit 28 Jahren Motorsportbegeisterte aus aller Welt anlockt, kommen sie voll und ganz auf ihre Kosten.

Tausende haben wieder den Weg in den Hürtgenwald gefunden. An diesem Wochenende fand die 100. Rennveranstaltung im 50. Jahr des MSC Kleinhau statt. Zwei Rennen richtet der Verein im Jahr aus. „Das ist eine stolze Leistung“, findet Adrian Braun, seit über 30 Jahren Vorstandsmitglied und seit 15 Jahren Vorsitzender des MSC. Zwei Wochen vor einem solchen Rennwochenende ist Braun fast rund um die Uhr auf der Strecke: „Es muss viel organisiert werden.

Wir betreiben alles in Eigenleistung“, betont er. „Moto-Cross ist ein Familiensport. Ohne die Unterstützung der Familie ginge es gar nicht. Meine drei Söhne fahren auch leidenschaftlich gern“, erzählt Braun. „Man bekommt auf unserer Anlage von Anfang an aber auch mit, dass mehr als ‚nur‘ fahren dazugehört. Zu einer Stunde Fahrspaß muss man mindestens zwei Stunden Fahrzeugpflege dazurechnen“, erklärt Braun.

Einer, der sich damit bestens auskennt, ist Gerd Blatter. Er ist hochkonzentriert, gerade startet seine frühere Rennklasse, die der Seitenwagen mit Fahrern bis 55 Jahre. Er selbst ist mittlerweile 60 Jahre alt. Die Gespanne heizen los und wirbeln jede Menge Staub auf. Vor zwei Jahren hat Blatter seine Karriere beendet, nach 35 Jahren. Beim Veteranencup wurde er 2006 Meister, 2008 Vizemeister und 2009 immerhin noch Dritter.

Bei der Meisterschaft des Deutschen Amateur-Moto-Cross-Verbands wurde er auch zweimal „Vize“ und holte einmal Bronze, außerdem viele Einzelsiege bei diversen Rennen in ganz Europa. In welchen Jahren er welche Titel holte? „Das weiß ich doch nicht mehr. Sind die Jahreszahlen denn überhaupt so wichtig?“, fragt Blatter vielsagend. Ihm sind andere Dinge wichtiger. Zum Beispiel, die Jugend an die Leidenschaft Moto-Cross heranzuführen: „Ich betreue junge Talente, gebe ihnen Tipps und helfe ihnen beim Reparieren der Maschinen.“ An Fachwissen mangelt es ihm nach all den Jahren nicht.

Mittlerweile haben die Gespanne ihre zweite Runde erreicht. „Keine Runde ist wie die zuvor. Streckenverhältnisse können sich durch Nuancen verändern“, erklärt Adrian Braun.

Zurück zu Blatter. „Anfangs bin ich immer alleine gefahren. Irgendwann hat mich ein junger Fahrer überredet, mit ihm im Gespann zu fahren. Mir hat es Spaß gemacht, ich bin dabei geblieben“, erinnert sich der Moto-Cross-Nostalgiker gerne zurück, der einen Großteil seines Lebens auf den Rennstrecken verbracht, viel Zeit, Geld und Leidenschaft investiert hat.“

Ob seine Frau das Ganze mitgemacht habe? „Klar, sie hat mich doch so kennengelernt“, sagt Blatter, der erst mit 42 Jahren die Frau fürs Leben fand. „Mit 44 Jahren wurde ich dann Papa – natürlich nicht der jüngste.“ Der Sohnemann ist mittlerweile auch begeisterter Moto-Crosser. „Das ist sehr schön. Wir können dadurch viel Zeit miteinander verbringen und ich helfe ihm beim Schrauben und Werkeln, wo ich nur kann“, lächelt Gerd Blatter glücklich.

Bei der Jugend des MSC Kleinhau bemerkt Blatter einen Reifeprozess. „Die Jugendlichen lernen auf dieser Strecke das Fahrzeug kennen und warten sehnlichst auf den Tag, an dem sie 15 werden. Dann dürfen sie mit dem Mofa auf die Straßen – endlich wird die eigene Welt größer.“

Allgemein findet er die Szene attraktiv für alle Altersgruppen: „Ich kann jedem empfehlen, hier mitzumachen, es ist eine verschworene Gemeinschaft. Hier gibt es Akzeptanz untereinander, egal wie alt jemand ist. Und wenn jemand etwas nicht kann, wird direkt geholfen, ohne lange nachzudenken.“ Ein anderer Effekt, der mit dem Moto-Cross-Sport einhergeht? „Man kennt überall Leute. Aus England, der Schweiz oder den Niederlanden.“

Blatter kann natürlich auch von einer besonderen Anekdote berichten: „Vor einigen Jahren war einmal ein Gespann aus Lettland hier. Sie hatten im Internet vom Flutlicht-Moto-Cross in Kleinhau erfahren. An ihrem Wagen funktionierte keine Bremse. Da habe ich einen halben Tag lang an der Maschine gebastelt, und die Jungs konnten antreten – das Wochenende über hatte ich daraufhin lettisches Freibier.“ Kaum hat er die Geschichte erzählt, bittet ihn bereits ein Fahrer um Hilfe.

Gerd Blatter ist mit seinem Wissen ein gefragter Mann an der Strecke, auch bei diesem Flutlicht-Moto-Cross-Freitagabend.

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