Tatkräftige Hilfe ohne große Worte

Von: Stephan Johnen
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Ehrenamtlich im Einsatz in der Vettweißer Kleiderkiste: Kätchen Geuenich, Christel Leufgens und Gertrud Christoffels. Foto: Stephan Johnen

Vettweiß. Reisefreudig. Mit diesem Wort lässt sich Christel Leufgen beschreiben. Alle sechs bis acht Wochen macht sich die 79-Jährige mit ihrer Tochter auf den Weg durch die Republik. Sie fahren in den Norden, den Süden, den Osten, manchmal bis zu 600 Kilometer weit. Letztlich dreht sich jedoch jede Tour um nur einen Ort: die Kleiderkiste in Vettweiß.

Seit 13 Jahren wird dort, in einem ehemaligen Lebensmittelladen an der Gereonstraße, Kleidung gegen einen kleinen Obolus an Bedürftige abgegeben. „Eine Kleiderkiste wird nicht benötigt, hieß es früher. Da haben wir die Sache selbst in die Hand genommen. Und seitdem ist der Laden immer voll”, blickt Christa Leufgen auf die ersten Schritte der privaten Vettweißer Initiative zurück. Mit Hilfe der Gemeinde und des Ortsvorstehers fand sich schnell der alte Laden in Nähe des Rathauses als zentrale Anlaufstelle.

Seitdem ist Christel Leufgen Vielfahrerin. Ungezählte Privatpersonen und zwölf Textilhersteller sind es, die die Kleiderkiste unterstützen - seit Jahren. „Wenn wir einen Betrieb anfahren, ist der Wagen voll”, berichtet Christel Leufgen. Mehr als 200 Händler und Produzenten habe sie angeschrieben. Es bildete sich ein treuer Stamm von Unterstützern. Gleiches gilt auch für die Kleiderkiste: Fünf Frauen sind es, die ehrenamtlich den Laden schmeißen (Infokasten). Voller Tatendrang - mit diesen Worten lassen sich die Helferinnen beschreiben.

Die Vettweißer Kleiderkiste ist ein gutes Beispiel für privates Engagement. Deswegen hat sie auch einen Ehrenamtspreis verliehen bekommen, die Urkunde hängt gerahmt an der Wand des kleinen Ladens. Sie ist sicher nur ein Beispiel für Engagement in unserer Region. Aber für Vettweiß ist die Kleiderkiste sicherlich etwas ganz Besonderes: Das Hilfsangebot gehört zu den regelmäßigen Spendern in der Gemeinde.

Ob Jugendgruppen, Kindergärten, Schulen oder Vereine: Seit ihrer Gründung hat die Kleiderkiste das kulturelle, soziale und sportliche Leben im Ort finanziell unterstützt. Doch auch für Brunnenbauprojekte in Afrika, Soforthilfen für Tsunami-Opfer und Wiederaufbauprojekte nach Vulkanausbrüchen wurde gespendet. Engagiert - mit diesem Wort lässt sich das Team der Kleiderkiste beschreiben.

„Wir sind froh, mit der Kleiderkiste Menschen ein wenig zu können”, sagt Christel Leufgen. Die Armut nehme schließlich zu. Gleichzeitig auch die Scham, die Bedürftigkeit einzugestehen. Armut auf dem Dorf sei anders als in der Stadt. „Wir kennen Menschen, die sich nicht trauen, zu uns zu kommen”, sagt Leufgen. „Zu denen fahren wir hin.” Ganz still. Ohne große Worte.

Dienstags und donnerstags geöffnet

Die Kleiderkiste an der Vettweißer Gereonstraße ist an Dienstagen von 9 bis 12.30 Uhr und an Donnerstagen von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Zu diesen Zeiten nehmen die ehrenamtlichen Helferinnen auch gerne Kleiderspenden entgegen.

Gegründet wurde die Kleiderkiste vor 13 Jahren. Christel Leufgen, Gertrud Christoffels, Käthchen Geuenich, Christel Rothlander und Irmgard Janowski kümmern sich um die Ausgabe. Um Nachschub zu haben, werden regelmäßig zwölf Textilbetriebe angefahren.

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