Düren - „Tartuffe“: Junges Theater spielt Molière

„Tartuffe“: Junges Theater spielt Molière

Von: Hannes Schmitz
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Die Pulcinelli hatten ein beachtliches Repertoire an kleinen akrobatischen Kunststückchen, Gesten, Körperhaltung, sprachlichen Mitteln und Späßen in ihrem exquisiten Spiel. Foto: Hannes Schmitz
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Larissa Belz als Orgon und Stephanie Wagner waren die „heimlichen Stars“ auf der Bühne. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Ein „Tartuffe, frei nach Molière“, der Laune machte, in einer Aufführung des Jungen Theaters Düren, die das Publikum im Rittersaal von Schloss Burgau begeisterte und zu nicht enden wollendem Beifall hinriss.

Die Premiere von Molières Stück um geheuchelte Frömmigkeit, Maßlosigkeit, Überheblichkeit und Ignoranz war ein Glanzstück in der „Theatergeschichte des Jungen Theaters“ und verblüffte das Publikum.

Textsicher, ohne Spur von bemerkbarer Nervosität, bewegte sich das Ensemble in einer zeitgemäßen, modernen Umsetzung, die auf die junge Künstlergruppe zugeschnitten war, und sich in flüssigen Aktionen, Körpersprache und Körperbewegungen äußerte. Die jungen Darsteller auf der Bühne agierten schier traumwandlerisch sicher in einer Inszenierung von Ursula Keppler und Maria Bardenberg, die sich Besonderes mit ihrer Regieassistenz (Sylvia Brinckwirth) hatte einfallen lassen. Der Clou: Die Aufführung verband zwei formale Elemente miteinander, indem Urbilder der commedia dell‘arte in ein Verhältnis zu einer fortschrittlichen Komödienstruktur gesetzt wurden.

Zwei Figurengruppen standen sich gegenüber: Die weiß gekleidete Gruppe in ihren Masken in Gestalt der Pulcinelli (Dorian Belz, Max Cremer, Mira Christoffels, Lea Stollenwerk, Noah Stumm), die auf spezielle Art einzelne Phasen des Stückes interpretierten und kommentierten. Sie hatten ein beachtliches Repertoire an kleinen akrobatischen Kunststückchen, Gesten, Körperhaltung, sprachlichen Mitteln und Späßen in ihrem exquisiten Spiel. Sie waren „Wirbelwinde“ im Gegensatz zu den Mitgliedern der Familie Orgon, die die literarische Entwicklung der Handlung vorantrieben und Ansätze charakterlicher Strukturen erkennen ließen.

Nun standen auf der Bühne (Bühnenbild Pit Goertz) nicht gestandene Mimen, sondern blutjunge Protagonisten im Alter zwischen 13 und 16 Jahren mit einer frappierenden Ausstrahlung. Larissa Belz als verblendeter Hausherr Orgon hatte wohl eine der schwierigsten Rollen, das in ihm/ihr gärende explosive Gemisch aus Naivität, überspannter Frömmigkeit sowie herrischem, gewaltbereiten Auftreten glaubhaft und mit einem Schuss temporeichem Witz darzustellen. Ihr gelang es hervorragend, das Porträt eines Fanatikers darzustellen, der alle mit seiner Intoleranz terrorisiert. Herrlich gut war Stephanie Wagner in ihrem Spiel als freche Zofe, die mit kokettem Eifer sowie witzig und sympathisch zur moralischen Instanz des Stückes wurde.

Auf leise, aber eindringliche Art stellte Astrid Grenzdörffer die Geschichte des gerissenen Betrügers Tartuffe dar, der Frömmigkeit vortäuscht, doch in Wahrheit der Frömmelei frönt.

Mit leisem Ton ließ sie „ihn“ die moralische Keule schwingen, tarnte Arroganz als Demut und machte sich als „Grapscher“ an die Frau des Hausherrn heran. Während die übrige Familie schon längst erkannt hatte, von welchem Kaliber Tartuffe war, dauerte es, bis er als „Hahnrei“ auch irgendwann merkte, wem er aufgesessen war. Auch die anderen Mitspielerinnen in der „Familie“ (Shaena Steiger, Aylin Kesdogan, Dorian Belz) zeigten Gespür für Details, Tempo und Komik.

Das Ensemble spielte in Kostümen, die Brigitte Bausenwein und Gerlinde Pohl entworfen hatten. Eine eindrucksvolle Vorstellung des Jungen Theaters mit einer für das Alter der Schauspieler erstaunlichen Reife. Eine letzte Vorstellung findet heute im Rittersaal von Schloss Burgau um 18 Uhr statt.

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