Tariferhöhung: Der Druck auf Taxi-Betriebe steigt

Von: Stephan Johnen
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Wartezeiten gehören zwar zum Geschäft dazu, doch steigende Kosten setzen die Taxi-Branche zunehmend wirtschaftlich unter Druck. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Taxifahren wird teurer. Wer im kommenden Jahr ein Taxi besteigt, muss mit deutlich höheren Fahrpreisen rechnen. „Ohne eine Tariferhöhung wird es zu einem Taxi-Sterben kommen“, prognostiziert Guido Antons, Taxi-Unternehmer aus Birkesdorf. Kein Unternehmer sei ansonsten in der Lage, den ab Januar geltenden Mindestlohn von 8,50 Euro zu finanzieren, ist Antons überzeugt.

Deswegen hat die Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein Taxi-Mietwagen beim Kreis Düren eine Erhöhung des derzeit gültigen Tarifs gefordert. Ab dem 1. Januar 2015 sollen nach Vorstellungen der Vereinigung die Gebühren im Kreisgebiet um 25 Prozent steigen.

Der 35-Jährige, der in den Betrieb des Vaters eingestiegen ist, weiß, dass Preiserhöhungen bei Kunden nicht gerade gut ankommen. Doch er sieht keine Alternative. Durchschnittlich erhalte ein Taxifahrer derzeit 6 bis 6,50 Euro pro Stunde. Die Einführung des Mindestlohns erhöhe die Lohnkosten um 30 Prozent, auch die Lohnnebenkosten steigen.

Im Kreis Düren gibt es nach Auskunft der Kreisverwaltung rund 60 Taxi- und Mietwagenunternehmen mit 260 Fahrzeugen. Der Grundpreis pro Fahrt beträgt derzeit 2,80 Euro. Pro Kilometer werden weitere 1,65 Euro (nachts, an Feiertagen und sonntags 1,75 Euro) fällig. Die Fachvereinigung hat eine Erhöhung der Grundgebühr auf 3,50 Euro beantragt, das Kilometergeld soll auf 2,10 Euro steigen (nachts sowie an Sonn- und Feiertagen 2,20 Euro).

„Selbst mit einer Erhöhung des Tarifs bekommen wir die Mehrkosten nicht vollständig aufgefangen“, sagt Guido Antons. Er führt zudem noch weitere Kostensteigerungen ins Feld, die Taxi-Unternehmen stemmen müssen: Die Anschaffungspreise der Fahrzeuge seien gestiegen, ebenso die Kosten für Ersatzteile. „Eine Untersuchung in NRW zeigt, dass ein Taxi pro Stunde etwa 18 Euro Umsatz erwirtschaftet“, sagt der 35-Jährige. Große Sprünge seien da kaum möglich. Gerade in ländlichen Regionen wie im Kreis Düren komme hinzu, dass die Frequenz der Fahrten deutlich geringer ist als in großen Städten und jedes Taxi mehr Leerkilometer zurücklege. „Wenn ich von Düren einen Fahrgast nach Merken fahre, fahre ich meist ohne neuen Gast zurück. Wer in Köln vom Flughafen zum Hauptbahnhof fährt, nimmt gleich neue Passagiere auf“, erklärt Antons.

Größter Kostenfaktor sei das Personal – „draußen“ in den Fahrzeugen ebenso wie in der Zentrale. „Taxis sind jeden Tag im Jahr rund um die Uhr erreichbar“, sagt der Unternehmer. Sollte keine Tariferhöhung kommen, werde es wohl besonders bei den geringfügig beschäftigten Mitarbeitern zu Personalabbau kommen. „Die Zahl der Taxis könnte sinken, gerade in Spitzenzeiten werden Kunden länger auf einen Wagen warten müssen“, mutmaßt Guido Antons.

„Wir arbeiten in einem komplett reglementierten Marktumfeld“, verdeutlicht Antons die Ausgangslage der Taxibranche. Eine Branche, die aktuell „neue Konkurrenz aus der Grauzone“ bekommt. Auch im Kreis Düren gebe es offenbar Bemühungen, über Smartphone und Internet eine Vermittlung zwischen potenziellem Fahrer und Fahrgast aufzubauen, sagt Antons. „Der Wettbewerbsdruck von außen steigt“, fasst der Unternehmer zusammen. Daher setzt er darauf, dass die Erhöhung des Taxitarifs kommt. Zuletzt seien die Tarife im Jahr 2012 gestiegen.

Der Ball liegt nun bei der Dürener Kreisverwaltung. „Nachdem die Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein Taxi -Mietwagen eine Erhöhung beantragt hat, läuft das Anhörungsverfahren“, erklärt Kreis-Sprecher Josef Kreutzer auf Anfrage. Eingebunden sind unter anderem alle Kommunen im Kreisgebiet, das Regierungspräsidium Köln, die Industrie- und Handelskammer Aachen sowie die Gewerkschaft Verdi. Über den Tarifvorschlag, der derzeit noch von der Verwaltung ausgearbeitet wird, entscheidet letztlich der Kreistag.

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