„tanzwärts“: Weil Heimat immer Emotion bedeutet

Von: Sandra Kinkel
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Kinder und Erwachsene, Männer und Frauen, Behinderte und Nicht-Behinderte: Die erste Auflage von „tanzwärts“ im vergangenen Sommer hat ganz unterschiedliche Menschen zusammengebracht. Foto: Claudia Veith

Düren. Eins ist Dirk Kazmierczak besonders wichtig: „Alle, die bei uns mitmachen“, sagt der ausgebildete Tänzer und Choreograph, „sind für mich Tänzer. Das, was wir in Düren auf die Beine stellen wollen, ist eine professionelle Tanzproduktion mit Laien-Tänzern – und kein sinnentleertes, zweckfreies Sich-Versammeln. Es geht um künstlerisches Arbeiten, den künstlerischen Prozess.“

Dirk Kazmierczak ist in Düren längst kein Unbekannter mehr. Im vergangenen Jahr war er für die erste Auflage des Projektes „tanzwärts“ zum Thema „Vier Jahreszeiten – Vom Werden und Gehen“ verantwortlich. Ende April startet die zweite Runde des außergewöhnlichen Tanzprojektes, das diesmal den Titel „Sehnsuchtsort Heimat“ trägt – passend zum Jahresmotto „Sehnsucht. Heimat. Identität“ des städtischen Kulturbetriebes „Düren Kultur“. Dieter Powitz, Leiter des Kulturbetriebes, hat „tanzwärts“ initiiert und hofft, dass anspruchsvolles Tanztheater in der Rurstadt zu einer echten Marke wird.

Dirk Kazmierczak: „Wir suchen bis zu 100 Tänzer für unser neues Projekt. 15 Menschen haben sich bereits angemeldet.“ Gesucht werden Männer und Frauen aller Altersgruppen, aller Nationalitäten und verschiedenster Bildungsgruppen. Kazmierczak: „Wie im vergangenen Jahr arbeiten wir wieder mit Jungen und Mädchen der Klassen drei und vier der Grundschule St. Joachim in Düren zusammen.

Und ansonsten kann jeder bei uns mitmachen.“ Zumindest jeder, der Lust hat zu tanzen und bereit ist, hart zu arbeiten – auch an sich selbst. „Wir arbeiten mit den Menschen auch biografisch zum Thema Heimat“, erklärt der Choreograph und nennt ein Beispiel: „Es kann sein, dass Menschen zusammen tanzen, die ihre Heimat verloren haben. Die einen, weil sie vielleicht dem Tagebau weichen mussten, und die anderen, weil sie vielleicht vor den Bomben in Aleppo geflohen sind.“

Der Begriff Heimat, ergänzt der Künstler, sei ein „weicher Begriff“. „Damit meine ich“, sagt Kazmierczak, „dass er immer emotional besetzt ist. Es müssen nicht immer positive Gefühle sein, die entstehen, wenn Menschen an ihre Heimat denken. Aber es sind immer Gefühle da.“ Alle, die sich für „tanzwärts“ bewerben, werden gebeten, einen Text oder ein Foto einzuschicken, mit dem deutlich wird, was für sie Heimat bedeutet. Kazmiercak: „Das, was wir zum Thema Heimat auf die Bühne bringen, soll schon mit den Menschen zu tun haben, die tanzen. Wir wünschen uns beispielsweise, dass auch Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund bei ‚tanzwärts‘ mitmachen. “

Heimat in Düren

Darüber hinaus wollen Kazmierczak und seine Kollegen Karen Piewig und Ronja Nadler, die ebenfalls als Choreographen bei „tanzwärts“ arbeiten, sich auch mit der Frage auseinandersetzen, was Heimat in Düren bedeutet. „Warum fühlen sich Menschen hier zu Hause?“, sagt Kazmierczak. „Dieser Frage wollen wir auf den Grund gehen und dabei eben nicht nur auf die Defizite dieser Stadt gucken.“ Natürlich sollen auch die Kostüme und die Musik zum Thema Heimat passen. Kazmierczak: „Denkbar sind folkloristische Anklänge und Kostüme, die verfremdete Trachten sind.“

Auch die Bühne versteht der Tänzer als Heimatort. „Sie soll ein Ort werden, an dem man sich rundherum wohl und heimisch fühlt.“ Das Projekt wird erstmals vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen un-terstützt. Ende April beginnen die Proben, Anfang Juni sollen die beiden Aufführungen stattfinden. „Das sind gut sechs Wochen Zeit“, sagt Dirk Kazmierczak. „Und das kann nur gelingen, wenn wir fast jeden Abend proben. Wir haben wirklich einen professionellen Anspruch. Unser Projekt erfordert von den Teilnehmern viel Zeit und Kraft.“

Gleichsam gibt es aber auch viel zurück. „Im vergangenen Jahr“, erzählt Dieter Powitz, „hat ein Teilnehmer zu mir gesagt, dass er Dank ‚tanzwärts‘ endlich in seinem Körper angekommen sei. Das war für mich ein Gänsehaut-Moment.“ Vielleicht, so Powitz weiter, trage das Projekt sogar zur Entwicklung einer Dürener Stadtgesellschaft bei. „Wir holen die Menschen aus ihren alten Schubladen heraus und schaffen ein neues, verbindendes Element.“

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