Tanzprojekt: „Identitätsstiftend für die Stadt Düren“

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Dieter Powitz, Leiter des Dürener Kulturbetriebs. Foto: Sandra Kinkel

Düren. 70 Tänzerinnen und Tänzer aller Altersstufen, drei Choreographen und zwei große Ausführungen im Haus der Stadt in Düren: „tanzwärts“ heißt ein besonderes Projekt, dass Dieter Powitz, Leiter des Kulturbetriebs der Stadt Düren, an die Rur geholt hat. Am Wochenende, 18. und 19. Juni (jeweils um 19 Uhr), wird das Projekt im Haus der Stadt der Öffentlichkeit präsentiert. Im Vorfeld hat „DN“-Mitarbeiterin Sandra Kinkel mit Dieter Powitz über Tanztheater im Allgemeinen und „tanzwärts“ im Besonderen gesprochen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in Düren ein Tanztheaterprojekt zu initiieren?

Dieter Powitz: Bevor ich nach Düren gekommen bin, war ich stellvertretender Intendant am Theater Bielefeld und habe dort einen spannenden Tag mit Royston Maldoom, einem Tanzpädagogen und Choreographen, erlebt. Royston Maldoom arbeitet auch mit ganz unterschiedlichen Konstellationen von Menschen zusammen und stellt sich dieser Herausforderung. Ich bin seiner Philosophie und Leidenschaft erlegen.

Hat es in Bielefeld schon ein ähnliches Projekt wie „tanzwärts“ gegeben?

Powitz: Ja, wir haben ein ähnliches Projekt, bei dem auch vier unterschiedliche Gruppen getanzt haben, in Bielefeld gemacht, und es war ein großer Erfolg. Daraus wurde sogar unter der Leitung von Gregor Zöllig eine ganze Reihe mit über 15 Projekten.

Bielefeld ist deutlich größer als Düren. Das Theater ist ein Drei-Sparten-Haus mit Musiktheater, Tanztheater und Schauspiel. Warum sind Sie überzeugt, dass ein Tanzprojekt auch in Düren funktioniert?

Powitz: Das hat nichts mit der Größe einer Stadt zu tun. Wir sind im digitalen Zeitalter angekommen. Ich glaube allerdings, dass der menschliche Körper, unser Geist, das Gehirn nicht für den Dauerbetrieb, die ständige Bereitschaft, geschaffen sind. Viele Menschen haben eine Sehnsucht nach Sinnlichkeit, danach, gemeinsam etwas zu schaffen. Nach einem gemeinsamen Erlebnis, Bühnengeruch, und danach, mit dem eigenen Körper etwas entstehen zu lassen. Und genau das gibt „tanzwärts“ den Menschen.

Hätte man das nicht auch mit einem Schauspiel oder einem großen Chor erreichen können?

Powitz: Vielleicht ja. Aber bei einem Theaterstück kommt es auf die Sprache an, beim Chor auf die Fähigkeit, singen zu können. Beim Tanzen wird jeder seinen Fähigkeiten entsprechend abgeholt, keiner braucht Vorkenntnisse zu haben. Das Einzige, was die Teilnehmer mitbringen müssen, sind Neugierde und Leidenschaft. Unsere drei „tanzwärts“-Choreographen haben das Stück nach unseren Tänzern ausgerichtet und geguckt, wie und mit welcher Choreographie man die Tänzer am besten zur Geltung bringen kann.

So ein Projekt kostet sehr viel Geld. Was bringt es dem Kulturleben der Stadt Düren?

Powitz: Sie haben recht, die Realisierung von „tanzwärts“ ist teuer. Ein Drittel der Kosten übernimmt die Sparkasse mit einer sehr großzügigen Spende, den Rest finanzieren wir aus dem Etat des Kulturbetriebs. Zunächst einmal macht das Projekt ganz viel mit den Teilnehmern. Sie gehen nach „tanzwärts“ anders zurück ins Leben, viel selbstbewusster. Ich glaube auch, dass das Projekt etwas mit den Familien unserer Teilnehmer macht. Wenn man einen nahen Verwandten auf der Bühne sieht, der etwas tut, was man ihm so nicht zugetraut hätte, verändert das vielleicht ein Stück weit die Gesellschaft. Ich hoffe, dass „tanzwärts“ identitätsstiftend für Düren wirkt.

Und bezogen auf das Kulturleben?

Powitz: Das muss man abwarten. Ich wünsche mir durch „tanzwärts“ eine größere Neugierde und Aufnahmefähigkeit, was modernen Tanz angeht, in Düren.

Wie wichtig ist es Ihnen, etwas ganz Eigenes für Düren zu etablieren?

Powitz: Sehr wichtig. Düren liegt zwischen Bonn, Köln und Aachen, drei Städten ohne eigenes Tanztheater. Wir schaffen mit „tanzwärts“ etwas völlig Einzigartiges für Düren, etwas Einmaliges.

Das heißt, das Projekt soll fortgesetzt werden.

Powitz: Das wird es auf jeden Fall. „tanzwärts“ soll keine Eintagsfliege, sondern eine feste Reihe werden. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass wir im Rahmen des Projektes mit blinden und sehbehinderten Menschen zusammenarbeiten. Wir planen ein großes Projekt zum Thema Heimat, in das auch das Tanztheater integriert werden soll. Dazu haben wir schon jede Menge Ideen. Denkbar ist zum Beispiel, dass Flüchtlinge mitmachen oder eine Gruppe Menschen, die infolge des Tagebaus ihre Heimat verloren hat oder auch Neu-Dürener.

Worauf freuen Sie sich am 18. Juni am meisten?

Powitz: Ich war sicher schon weit über 1000 Mal im Theater, aber die Authentizität des Tanztheaters entfaltet sich mit einer ungeheuren Wucht. Das macht Gänsehaut, darauf freue ich mich. Es gibt Szenen in unserem Stück, wo Menschen von acht bis 80 Jahren auf der Bühne stehen. Ich glaube, das geht direkt ins Herz.

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