Tangueros schweben über den Annaplatz

Von: Anke Holgersson
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Bei der ersten Dürener „Open-Air-Milonga“ (offenes Tangotanzen) war die Tanzfläche gut gefüllt. Foto: Anke Holgersson
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Bei der ersten Dürener „Open-Air-Milonga“ (offenes Tangotanzen) war die Tanzfläche gut gefüllt. Foto: Anke Holgersson

Düren. „Ocho“ heißt nicht nur „acht“ im Spanischen, sondern ist auch eine Figur im „Tango Argentino“. Auf dem Annaplatz neben der gleichnamigen Kirche in der Innenstadt wurde sie eifrig getanzt bei der ersten „Milonga Santa Anna“ am Samstagabend. Mit dem Ocho bewegen sich die Füße der Dame im Halbkreis nach hinten oder nach vorne, immer gegeneinander, so dass die Zehen eine Acht auf den Boden schreiben.

Das ist eine von vielen Möglichkeiten des argentinischen Tangos, der von den zeitweise bis zu 15 Paaren während der Veranstaltungsdauer von 18 bis 21 Uhr vor der Kirche getanzt wurde.

Der Herr führt

Viele der „Tangueras“ (Tangotänzerinnen) hielten dabei ihre Augen geschlossen, weil sie auf diese Weise besser fühlen können, welche Figur ihr „Tanguero“ als nächstes führen wird. Wichtigste Voraussetzung beim Tango: Der Herr führt, die Dame folgt. Sonst geht es nicht.

Dass das gar nicht so einfach ist, weiß Kirsten Sprey, die mit ihrem Ehemann Frank Meier aus Schleiden angereist war: „Mal ganz abgesehen von Frauen- und Männerrollen – loszulassen und die Führung dem anderen anzuvertrauen, ganz ohne einzugreifen, das ist nicht einfach. Darauf muss man sich erst einmal einlassen.“

Wenn man es schaffe, den Kopf abzuschalten, tanze man Tango. Das bestätigt auch Doro Heiß aus Düren, die mit ihrem Mann Stefan tanzt. Und wenn dann auch noch Livemusik im Spiel sei, wie beim ersten Dürener Open-Air-Tango, werde das Tanzen fast zum Schweben. Die Band „El Flete“ (benannt unter anderem nach einem bekannten Tango des argentinischen Komponisten Vicente Greco aus den 1930er-Jahren) spielte eine Mischung aus klassischen und modernen Tangos. Stephan Langenberg bediente meisterhaft das Bandoneon.

In der Musik des argentinischen Tangos ist dieses Instrument das zentrale Ausdrucksmittel. Langenberg ist Dozent an der Offenen Jazzhaus-Schule Köln, gibt Orchester-Workshops für Tango Argentino und hat als Solist schon die Band „Die Ärzte“, diverse Rundfunkorchester und die „Höhner“ begleitet.

Nach Düren ist er gerne gekommen: „Es herrscht eine schöne Atmosphäre hier. Es sind wirklich viele Gäste da, Tänzer und auch Neugierige“, sagt Langenberg. Er wurde sehr gefühlvoll von Luis Ferreyra, dem Gründer der Gruppe „El Flete“, auf der Gitarre begleitet.

Auch so mancher Nichttänzer blieb gerne sitzen oder stehen, um der Musik bei schönstem Maiwetter und lauen Temperaturen zu lauschen. Charlotte Triebus und Ahmad Katlesh waren ebenfalls Gäste der Tanzveranstaltung. Die beiden setzen sich beruflich mit dem Thema „Tanz“ auseinander.

Sie ist professionelle Tänzerin, er ist zurzeit Stipendiat des Heinrich-Böll-Hauses in Langenbroich. Beide erarbeiten gemeinsam eine Tanzinstallation, in der sie Schrift und den Klang von Sprache und Tanz zusammenbringen möchten. Kathlesh stammt aus Syrien. Den argentinischen Tango hat er erst vor anderthalb Jahren in Jordanien gelernt.

Die Idee zu der Tango-Sause hatte Claudia Veith, die auch das Organisationsteam der Veranstaltung, die „Freie Tangogruppe Düren“, gründete. Mit dem Verlauf des Abends ist sie zufrieden: „Ich bin glücklich. Dass so viele Leute kommen, hätte ich nicht gedacht. Es wurde viel und gut getanzt. Eine tolle Sache!“

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