Kreis Düren - Tagebau-Stopp wäre für die Menschen in Morschenich ein „fatales Signal“

Tagebau-Stopp wäre für die Menschen in Morschenich ein „fatales Signal“

Von: Sandra Kinkel
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Die Polizei geht davon aus, dass derzeit 150 Aktivisten in Hambacher Forst leben – zum Teil in solchen Baumhäusern. Wie reagieren sie auf das Kölner Urteil, das weitere Rodungen in dem Wald erlaubt? Foto: dpa

Kreis Düren. „Nun ist der Richter doch noch umgefallen. Das ist schade.“ Walter Jordans, BUND-Vorsitzender im Kreis Düren formulierte am Freitagmittag schon an einem Appell an RWE, die Rodung im Hambacher Forst auszusetzen – obwohl das Verwaltungsgericht Köln die Klage des BUND zurückgewiesen hat und der Wald weiter gerodet werden darf.

Am Dienstag hatte das Gericht zunächst einen Vergleich vorgeschlagen, den RWE aber abgelehnt hat (wir berichteten). „Das Unverständnis gegenüber RWE wird immer größer“, so Jordans. „Wir müssen der Konzernspitze klar machen, dass sie einen enormen Imageschaden erlebt, wenn sie weiter roden.“ Jordans engagiert sich nicht nur im BUND, er ist auch Mitglied der „Initiative Friedensplan“ mit Vertretern der christlichen Kirchen, Parteien, Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen und Einzelpersonen, die sich vor anderthalb Jahren gegründet hat.

Unter anderem haben Mitglieder der Initiative immer wieder auch Gespräche mit den Aktivisten im Wald geführt. Das habe, so jedenfalls die Meinung der Aktionsgruppe, zu einer Deeskalation der Gewalt geführt. „Natürlich werden wir mit dem Bündnis weitermachen“, so Jordans, „und mit den Aktivisten im Gespräch bleiben. Und wir werden auch um die ein bis zwei Prozent Hambacher Forst, die nach der Rodung übrigbleiben, kämpfen.“

Landrat Wolfgang Spelthahn und Merzenichs Bürgermeister Georg Gelhausen (beide CDU) rechnen mit einer deutlichen Eskalation der Gewalt im Hambacher Forst. Spelthahn: „Die Situation wird sich zuspitzen, und wir müssen abwarten, ob die Gespräche mit den Aktivisten ausgesetzt werden müssen.“ Es gäbe ein enormes Spannungsfeld, ergänzt der Landrat, zwischen den rechtskonformen Forderungen von RWE, weiter zu roden, und dem weltweiten Interesse von Umweltschützern, aus der Kohleenergie auszusteigen. „Wir werden schwierige Tage mit einer gehörigen Portion Konfliktpotenzial erleben.“

Ähnlich sieht das auch Georg Gelhausen. Morschenich-Alt, der Ortsteil von Merzenich, der dem Tagebau zum Opfer fallen wird, liegt in unmittelbarer Nähe zum Hambacher Forst. „Ich erwarte eine Welle der Gewalt“, sagt Gelhausen. Gleichwohl betont der Bürgermeister auch, dass die Menschen in Morschenich-Alt nur wenig Kontakt zu den Aktivisten hätten. Gelhausen: „Die Umsiedlung schreitet immer weiter fort. Die, die unter den Aktivisten leiden, werden immer weniger.“ Die hohe Polizeipräsenz im Ort sei allerdings für die Bürger belastend.

Wenig Berührungspunkte

Nur noch rund 120 Menschen wohnen überhaupt in Morschenich-Alt, etwa die Hälfte davon sind Asylbewerber. Auch Ortsvorsteher Michael Dohmes und seine Familie sind längst umgesiedelt. „Es gibt eigentlich nur wenig Berührungspunkte der Morschenicher mit den Aktivisten“, sagt Dohmes. Natürlich komme es vor, dass die Tagebaugegner abends an den noch bewohnten Häusern klingeln und um Wasser bitten würden, sagt der Ortsvorsteher. „Das macht den überwiegend älteren Menschen Angst.“

Grundsätzlich findet Dohmes das Urteil vom Verwaltungsgericht Köln richtig. „Fast alle Bürger von Morschenich haben zumindest schon mit einer Planung für ihre Umsiedlung begonnen. Bisher haben nur zehn Familien überhaupt noch nicht mit dem RWE gesprochen.“ Würden eine Rodung des Forsts und damit auch der Tagebau Hambach gestoppt, so Dohmes weiter, sei das für die Menschen in Morschenich ein „fatales Signal“. „Die Umsiedlung und der Verlust der Heimat sind ein sehr schmerzhafter Prozess, den viele Menschen aus Morschenich aber schon hinter sich haben.

Sie haben mit Morschenich-Alt abgeschlossen.“ Käme es zu einem Tagebau-Stopp und der Ort müsste vielleicht gar nicht abgebaggert werden, wäre das für die Morschenicher „sehr schwierig“. Dohmes: „Wir wünschen uns, dass der Tagebau vernünftig abgeschlossen wird und es eine vernünftige Rekultivierung der Fläche gibt.“

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