Tagebau-Mitarbeiter plagen Zukunftsängste

Von: Jörg Abels
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Sonnenschein über dem Tagebau Hambach, dunke Zukunftsaussichten trüben die Stimmung der Mitarbeiter. Foto: Jörg Abels

Niederzier. Die Stimmung unter den knapp 1600 Mitarbeitern im Tagebau Hambach war schon einmal besser. Daraus macht Günter Schneider keinen Hehl. „Die Kollegen fühlen sich vom Unternehmen schlecht informiert und von der Politik im Stich gelassen“, betont der Vorsitzende der IGBCE-Vertrauensleute im Tagebau Hambach.

„Wir haben bis zum heutigen Tag dafür Sorge getragen, dass in NRW und Deutschland eine sichere und bezahlbare Energieversorgung gewährleistet ist, die den Erfolg des Industriestandorts erst ermöglicht.“ Der Gewerkschaftler spricht von fehlender Wertschätzung und nimmt vor allem NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei den laufenden Koalitionsverhandlungen in Berlin in die Pflicht, sich ihrer Verantwortung für die Mitarbeiter in der Braunkohle im speziellen und den Arbeitsplätzen in der Industrie bewusst zu werden. „Die Mitarbeiter haben kein Verständnis dafür, dass die Energiewende auf ihrem Rücken ausgetragen wird.“

Aber auch die Informationspolitik des Unternehmens stoße den Mitarbeitern sauer auf, kritisiert Schneider. Während seit Monaten in den Medien über Kraftwerkschließungen und die vorzeitige Aufgabe des Tagebaus Garzweiler spekuliert wird, erhalten die Mitarbeiter nur „bröckchenweise“ Informationen vom Unternehmen, kritisiert der Gewerkschaftler. „Wir bekommen immer nur zu hören, dass gespart werden muss, aber nicht konkret wo“, kritisiert Schneider. „Ich habe längst aufgehört, mir Zahlen zu merken. Sie ändern sich fast täglich. Ein Sparprogramm jagt das nächste, wir aber werden von Monat zu Monat vertröstet.“ Auch am Donnerstag gab es außer der Beteuerung des Vorstandsvorsitzenden Peter Teriums, an der Braunkohle festzuhalten, kein Wort zu konkreten Auswirkungen der Sparziele auf die Tagebaue. Allein 2300 Arbeitsplätze sollen in der Kraftwerksparte wegfallen, vor allem bei Gas- und Steinkohlekraftwerken. Sollten aber auch Braunkohlekraftwerke betroffen sein, habe das auch Auswirkungen auf die Tagebau, betont Schneider. „Da braucht man doch nur eins und eins zusammenzuzählen.“

Entsprechend groß sei die Verunsicherung der Mitarbeiter im Tagebau. „Sie treibt die Sorge um ihren Arbeitsplatz und die Sorge vor Altersarmut um“, hat der Gewerkschafter in seinen täglichen Gesprächen festgestellt, angefangen beim einfachen Arbeiter bis rauf zur mittleren Führungsebene. Auch das Gespenst Outsourcing mach die Runde. „Die Mitarbeiter haben den Glauben an das soziale Gewissen des Arbeitgebers verloren.“

Bis Ende 2014 sind betriebsbedingte Kündigungen zwar auch im Tagebau Hambach tarifvertraglich ausgeschlossen. Aber was kommt danach? RWE-Personalvorstand Uwe Tigges hat am Donnerstag erklärt, dass er den tariflichen Kündigungsschutz angesichts der Lage auf dem Energiemarkt nicht verlängern will. „Das sich der Vorstand hier verweigert, stößt bei den Mitarbeitern auf Unverständnis“, macht Günter Schneider deutlich. Er fordert konstruktive Verhandlungen, um eine für die Mitarbeiter tragbare Lösung herbeizuführen.

Kleiner Lichtblick: Gewerkschaften und Betriebsräte haben für die Zeit nach 2014 vor wenigen tagen erst einen Rahmen-Sozialplan und Interessenausgleich ausgehandelt, der mittlerweile auch unterschrieben sei, und dafür sorge, dass erst einmal kein Mitarbeiter auf der Straße landet, erklärt Günter Schneider. Er spricht von einem „großen Erfolg der Mitbestimmung“, der kein Spaziergang gewesen sei. Sollte ein Arbeitsplatz ab 2015 wegfallen, muss das Unternehmen dem Mitarbeiter ein zumutbares Alternativangebot im Konzern machen. Und was zumutbar ist, entscheide ein Gremium, in dem auch Arbeitnehmervertreter ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben, erklärt der Vorsitzende der IGBCE-Vertrauensleute. Auch Entschädigungen und Ausgleichszahlungen wurden vereinbart, allerdings wird es die nicht dauerhaft geben.

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