„Tag des offenen Denkmals“: Hürtgenwald-Gedächtniskapelle geöffnet

Von: Stephan Johnen
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Die Hürtgenwald-Gedächtniskapelle in Kleinhau kann am Sonntag beim „Tag des offenen Denkmäler“ besichtigt werden. Foto: Stephan Johnen
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Robert Hellwig und Peter Nellihsen (von links) kennen sich mit der Geschichte des Gebäudes und der Ausstattung aus. Im Hintergrund sind der alte Kreuzweg der Großhauer Pfarrkirche und eine Barockmadonna zu erkennen. Foto: Stephan Johnen
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Ein Detail der von Paul-Franz Bonnekamp entworfenen Glasfenster, die die Hinterlassenschaften der Hürtgenwaldschlachten thematisieren. Foto: Stephan Johnen

Kleinhau. Die Frage, wie die Hürtgenwald-Gedächtniskapelle zu ihrem Namen gekommen ist, ist mit einem Blick beantwortet: Über dem Sarkophag, in dem die sterblichen Überreste eines im Kriegswinter 1944/45 getöteten Soldaten unbekannter Nationalität beigesetzt sind, ist ein Christuskörper platziert, dessen Heiligenschein aus Stacheldraht gefertigt wurde.

Wer an einem sonnigen Tag die Kapelle betritt, kann den leuchtend-bunten „Engel des Friedens“ nicht übersehen, der von den in dunklen Farben gehaltenen Relikten der Hürtgenwaldschlacht umrahmt wird.

Der Künstler Paul-Franz Bonnekamp aus Inden hat die unter Denkmalschutz stehende Bleiverglasung entworfen, die an die Kämpfe zwischen amerikanischen und deutschen Truppen im Gebiet das damaligen Staatsforstes erinnert und die Menschen zu Frieden mahnt. Am morgigen „Tag des offenen Denkmals“ kann die Kapelle wie viele andere Baudenkmäler im Kreisgebiet besichtigt werden (siehe Infokasten).

Vor allem im Detail gibt es in dem Gebäude viel zu entdecken. Viele Teile der Ausstattung wurden von Bürgern gestiftet oder haben, wie der im Innenraum befestigte schwere Eichenholzkorpus, die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überlebt. Erst 1974 tauchte der Korpus, der bereits während der Besetzung des Rheinlandes durch napoleonische Truppen ein Wegkreuz zierte, wieder auf. Seit 1945 galten Kreuz und Korpus als vermisst. „Der Korpus war auf dem Weg nach Belgien, wo er zu Geld gemacht werden sollte“, berichtet Robert Hellwig, Mitglied des Pfarreirates und des Geschichtsvereins Hürtgenwald. Glücklicherweise wurde dies verhindert, die Schnitzarbeit restauriert.

Ohnehin gibt es viele Geschichten zur und rund um die Kapelle zu berichten. Beispielsweise die der Entstehung: Am 4. Oktober 1970 wurde die Kapelle in einem ökumenischen Gottesdienst eingeweiht. Der Dürener Architekt Heinrich Richartz hatte die Pläne bereits im Jahr 1954 gezeichnet. Die Formsprache der 50er Jahre ist in dem von 1966 bis 1970 errichten Bauwerk deutlich zu erkennen.

Schon in den 40er Jahren sollte eine eigene Kapelle gebaut werden, damit die Kleinhauer nicht zur Pfarrkirche St. Apollonia nach Großhau pilgern mussten. Doch zunächst fehlte das Geld, viele kleine und große Spenden später die Erlaubnis. „Ursprünglich sollte die Kapelle gar nicht genehmigt werden. Das Bistum war gegen ein weiteres Gotteshaus. Priestermangel war schon im Jahr 1955 ein Thema“, berichtet Hellwig. „Doch die Kleinhauer haben sich etwas einfallen lassen.“

Mit Hilfe der Kommune wurde im Bauantrag aus der Kapelle offiziell eine Aussegnungshalle. „Die Kleinhauer feiern hier Gottesdienste, Taufen sowie Trauungen“, sagt Hellwig. Die Kapelle war und ist kirchlicher und sozialer Treffpunkt. Prozessionen starten dort, oder machen Station auf dem Vorplatz. Seit 1973 ist das „kommunale“ Gebäude im Besitz der Pfarre St. Apollonia. In jenem Jahr löste sich auch der 1956 gegründete Kapellenbauverein auf.

Seit 1995 stehen die Kapelle und Teile der Ausstattung unter Schutz. „Das zum Schutz vor Witterung tief heruntergezogene Dach und die Bruchsteinmauern sind typisch für die Eifel“, sagt Hellwig. „Dass die Pläne ursprünglich gar nicht für Kleinhau waren, hat uns nicht gestört“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Ganz anders sieht das bei den Fenstern aus: Die Baumstümpfe, zerborstene Panzer und zurückgelassene Munition sind Bilder, die viele Menschen nur zu gut kannten. „Wir wollen nie wieder Krieg erleben“, sagt Hellwig.

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