Tag des offenen Denkmals: „Die Geburtshelfer der Stadt Düren”

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Eine Karte aus dem Jahr 1930,
Eine Karte aus dem Jahr 1930, gehalten von Mitgliedern des Stadtmuseum-Vereins, verdeutlich die Dimensionen: Die Dürener Mühlenteiche füllen mehrere Meter Plan. Foto: Johnen

Düren. In dieser Epoche blieb kein Stein auf dem anderen. Nationalstaaten entstanden, mit der Industrialisierung setzte der Kapitalismus zu seinem Siegeszug in Westeuropa und Amerika an, Gesellschaften wurden umgekrempelt, die Städte platzten plötzlich aus allen Nähten.

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, widmet sich daher unter dem Motto „Romantik, Realismus, Revolution” dem 19. Jahrhundert, einer der stilistisch vielseitigsten und an technischen Neuerungen reichsten Epochen der Bau- und Kunstgeschichte. Auch im Dürener Land gibt es viele Denkmäler, an denen sich die Entwicklungen ablesen lassen - und die an diesem Tag ihre Pforten öffnen. Auch werden vielerorts Führungen angeboten (siehe Infokasten).

Politisch wie gesellschaftlich war das 19. Jahrhundert von Umbrüchen geprägt: Durch die napoleonischen Kriege und den Rheinbund wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation Geschichte. Napoleons Einfall, die Neuordnung Europas beim Wiener Kongress 1815 und die Reichsgründung 1871 brachten weitreichende strukturelle Veränderungen mit sich. Infolgedessen wurden auch viele kirchliche Besitztümer, Institutionen und Herrschaftsgebiete aufgelöst oder von weltlichen Herren übernommen.

Seit vielen Jahren richtet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im September den sogenannten Tag des offenen Denkmals aus. Auch die Untere Denkmalbehörde der Stadt Düren hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Vereinen zahlreiche Aktionen zum „Tag des offenen Denkmals” in der Kreisstadt organisiert - vom geführten Rundgang durch den Stadtpark bis zu den Relikten des Anschlusses ans Eisenbahnnetz. Offene Denkmäler gibt es aber auch in Langerwehe und Niederzier zu besichtigen.

Trinkbares Trinkwasser?

Erstmals präsentieren Mitarbeiter des Stadtmuseums neue Erkenntnisse zu den Mühlenteichen. „Die Mühlenteiche sind die Geburtshelfer der Stadt”, sagt Historiker Bernd Hahne. Bis zu zehn Kilometer erstreckten sich die Wasserläufe im Stadtgebiet. Sie sorgten für die Be- und Entwässerung, für die Wehrhaftigkeit der Stadt - und trieben zunächst die Mühlen und später die Maschinen der Industrie an.

Viele Mühlen wechselten im Laufe des Jahres zudem ihre Funktion. „Spannend ist auch die Etablierung einer Trinkwasserversorgung”, berichtet Hahne. Im Zuge der Industrialisierung habe die Wasserqualität immer mehr gelitten. So gingen beispielsweise die Bierbrauer auf die Barrikaden, weil das Wasser der Rur nicht gerade dem Reinheitsgebot entsprach.

Ein Großteil des zehn Kilometer langen Wassernetzes ist heute aus dem Stadtbild verschwunden. „Es tauchen aber immer neue Mühlen in den Archivunterlagen auf, das ist eine spannende Arbeit”, betont Hahne, der zudem anregt, Teile der Wasserläufe im Stadtgebiet wieder freizulegen - durchaus aus touristischen Gründen.

Neu im Programm sind auch Führungen zur Drehscheibe am Dürener Bahnhof und rund um den Stadtpark. Klassiker am Tag des offenen Denkmals sind Haus Horn in Oberzier und die Alte Kirche in Langerwehe.

Offene Türen in Düren, Langerwehe und Niederzier

Zum Tag des offenen Denkmals wird am Sonntag von 10 bis 17 Uhr ein Team des Stadtmuseums an der Stadtmauer im Hoeschpark ein Zelt aufschlagen und Informationen zu den Dürener Mühlenteichen präsentieren. Von 10 bis 17 Uhr zeigen Schüler des Stiftischen Gymnasiums an der Stadtbefestigungsanlage unter anderem eine Ausstellung zur Stadtmauer im Wandel der Zeiten.

Rund um den Stadtpark geht es ab 11 Uhr mit Christel Kreutzer. Treffpunkt ist der Parkplatz am Stadtparkrestaurant. Die Stadtgärtnerei ist von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Führungen rund um die Drehscheibe am Dürener Bahnhof bietet Kurt Klee von 10 bis 12 Uhr an.

Der Evangelische Friedhof an der Kölnstraße ist von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Um 11 und um 14 Uhr gibt es eine Führung. Von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr ist die St.-Joseph-Kapelle an der Krauthausener Straße in Lendersdorf geöffnet. Der Gürzenicher Schillingspark kann von 9 bis 19 Uhr besichtigt werden. Um 16.30 Uhr bietet Denkmalpflegerin Heike Kussinger-Stankovic eine Führung an.

In Langerwehe ist die Alte Kirche auf dem Rymelsberg von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Um 11 Uhr wird Gottesdienst gefeiert, um 15 Uhr gibt es einen Vortrag zur Geschichte und um 17 Uhr findet ein Konzert statt. Auch das ehemalige Prämonstratenserinnen-Kloster in Wenau ist von 10.30 bis 18 Uhr geöffnet. Um 9.30 Uhr wird eine Messe gelesen. Zudem werden mittelalterliche Kleidung, das Klosterleben und die Küche des Mittelalters präsentiert.

In Niederzier öffnet die Burg (Rathaus) von 14 bis 16 Uhr ihre Pforten. Eine Ausstellung zeichnet die Entwicklung des Braunkohletagebaus nach. Haus Horn in Oberzier ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert