Tag der Heimat: Brücken zwischen verfeindeten Völkern bauen

Von: Bruno Elberfeld
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Stephan Rauhut sieht Düren als leuchtendes Vorbild im Umgang mit dem Gedenktag der Vertriebenen. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Mit bunten Trachten, schmissigen Märschen und anrührenden Heimatliedern präsentierte sich der „Bund der Vertriebenen“ am „Tag der Heimat“ im Haus der Stadt in Düren. Frauen boten in leuchtenden Trachten ihrer vor nahezu 70 Jahren verlorenen Heimat im ehemaligen Osten Deutschlands ein malerisches Bild.

Neben ihnen auf dem Podest standen Fahnen der Landsmannschaften, die während der Feier vorgestellt und gegrüßt wurden. Das „Oberschlesische Orchester Köln“ unter der Leitung von Alfons Beier spielte Märsche, ein ehemaliger Tenor der Oper Köln und der „Heimatchor Euskirchen“ verstanden ihre Zuhörer mit Heimatliedern aus vergangenen Zeiten zu unterhalten.

Hausherr und Bürgermeister Paul Larue sprach in seiner Begrüßungsrede drei Schwerpunkte an: Düren, Europa und die Welt. Er lobte das Engagement der Vertriebenen nach 1945 beim Aufbau der total zerstörten Stadt. Flüchtlinge und Dürener hätten aus einer nahezu unlösbaren Aufgabe ein florierendes Werk geschaffen.

Larues zweiter Gedanke galt Europa. „Europa ist schon immer ein Kontinent gewesen, dessen Grenzen sich zum Leidwesen der Menschen immer wieder verschoben haben.“ Als Beispiel nannte Larue den häufigen Wechsel der Gebiete von Ostbelgien. „Es sind dies die Folgen einer verbrecherischen deutschen Politik unter den Nazis“, erinnerte Larue. Die ehemaligen deutschen Gebiete im Westen und im Osten sollten zu „Brückenlandschaften“ zwischen den ehemals verfeindeten Völkern Europas werden, so sein Wunsch.

Der letzte Gedanke des Redners: die Welt. Düren habe mit der Welt und die Welt mit Düren zu tun, sagte Paul Larue. In naher Zukunft werde die Stadt Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen, die zurzeit – wie viele Menschen auf dem Globus – ihre Heimat verlassen müssten. Der Bürgermeister appellierte an die Vertriebenen, ihnen zu einer zweiten Heimat zu verhelfen, weil gerade sie ja das Gefühl von Heimatverlust am eigenen Leibe erfahren hätten. Manfred Barsuhn, der Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Düren, der die Veranstaltung moderierte, bat die Stadt Düren, angesichts der Christenverfolgungen in muslimischen Ländern, nur syrische Christen aufzunehmen.

Der Ehrenvorsitzende des Dürener Vereins, Karl Heinz Weschke, blickte zu den Anfängen zurück, wo die Vertriebenen sich zusammenschlossen und engagiert auf ihre Situation aufmerksam gemacht hatten. Er mahnte, die Erinnerungsarbeit fortzusetzen, um die „Pflicht gegenüber den Opfern der Vertreibung zu erfüllen.“ Wie andere Redner auch verlangte er einen offiziellen Tag der Erinnerung, wie ihn die bayerische Staatsregierung für 2014 schon angekündigt hat.

Der Hauptredner des Tages, Stephan Rauhut aus der Enkelgeneration, bezeichnete die Stadt Düren als leuchtendes Vorbild im Umgang mit dem Gedenktag der Vertriebenen. Rauhut erinnerte an die 800-jährige Siedlungsgeschichte im Osten und forderte, die Geschichte der Vertreibung aus dem Osten wieder in die Geschichtsbücher aufzunehmen.

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