Boich - Tag der Architektur: Ochsenblut verbindet alt und neu

Tag der Architektur: Ochsenblut verbindet alt und neu

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
Bauherr Mischa Wollbrandt und
Bauherr Mischa Wollbrandt und Architekt Andreas Fanke vor dem Ensemble aus Geschichte und Moderne. Foto: Berners

Boich. Wer sich noch an die alte Dorfkneipe „Boicher Stuben” und den Saal neben der Pfarrkirche erinnert, weiß, wie sanierungsbedürftig das denkmalgeschützte Fachwerkhaus vor wenigen Jahren noch ausgesehen hat und traut heute kaum seinen Augen.

Am Tag der Architektur zeigten der Dürener Architekt Andreas Fanke und Bauherr Mischa Wollbrandt, wie man aus einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus ein Bürohaus mit Ausstellungsfläche machen kann, das alt und neu verbindet. Wenn Franke und Zimmerei-Chef Wollbrandt erzählen, merkt man, dass ihnen das Projekt Spaß gemacht hat. Auch wenn es kein einfaches Unterfangen war.

Wichtig war dem Architekten bei dem Projekt, den historischen Kontext und die Nähe zur Kirche in der Architektur aufzugreifen. Damit spricht er Dinge an, die das Auge als harmonisch wahrnimmt, ohne sie erklären zu können. So sind zum Beispiel die Bruchsteine, die die Terrasse des Neubaus umfassen, auf die Kirche abgestimmt. „Und die Basis für die Farbe, in der der Sockel des Hauses gestrichen ist, sind die Fugen zwischen dem Bruchstein der Kirche”, erklärt Franke den Besuchern. Die schmalen Fenster im Versatz greifen den Kirchturm ebenso auf wie das Fenster an der Kopfseite des Hauses. „Eine Verbindung zur Kirche stellt auch das Kreuz im Galeriefenster her”, sagt Franke.

Der alte Saal ist einem kontrastierenden, modernen Anbau mit großen Fenstern gewichen. Der Anbau wurde mit einem Flachdach ausgebildet, um der Kirche Raum zu lassen. An der ihr zugewandten Seite ist er schlicht, um keine Konkurrenz zu erzeugen.

Das Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1728 musste komplett entkernt, das Gefache neu ausgemauert werden. Eine Innenschale in Holzrahmenbauweise wurde mit Zellulose gedämmt. Wandheizung und Wärmepumpe sorgen für Temperatur.

Ein weiterer Anbau wurde entfernt. Er hat Platz für eine mit Schiefer verkleidete Fassade und ein beinahe haushohes Fenster gemacht, hinter dem im Inneren eine Galerie liegt. Dort sind die alten Fachwerkbalken zu sehen. Einigen ist anzusehen, dass es früher einmal gebrannt haben muss. Das traditionelle „Ochsenblut-Rot” der Fensterumrahmung ist im Geländer, in der Stahltreppe und in den modernen Büromöbeln wieder aufgegriffen. Die Räume sind offen. Türen gibt es nur zu Funktionsräumen wie Lager und Technik. Eine Theke findet man in der ehemaligen Wirtschaft übrigens auch wieder - allerdings am anderen Ende des Hauses als Treffpunkt für die Mitarbeiter.

Dunkle Fliesen und Estrich speichern die Wärme

Ein Wohnhaus im Holzrahmenbau hat die Familie Heyden in Oberzier mit den Architekten Arno Knott und Jan Philipp Koch vorgestellt.

„Wir wollten viel Licht und einen offenen Bereich für Küche, Wohn- und Esszimmer”, erzählt Bauherrin Monika Heyden. Außerdem sei ihnen wichtig gewesen, dass sie im Alter ausschließlich im Erdgeschoss leben können.

Wichtig war dem Ehepaar auch das Raumklima. „Wenn mir wohlig warm ist, ist es meinem Mann viel zu heiß”, erzählt die Bauherrin. In dem energieeffizienten neuen Haus fände man den idealen Mittelweg und ein angenehmes Raumklima. Die Fußbodenheizung wird von einer Wärmepumpe versorgt.

Den offenen Wohn-Kochbereich prägen dreifachverglaste Elemente an den Seiten und im Dach. „Der dunkle Boden und der dicke Estrich speichern die Wärme und geben sie danach langsam ab”, erklärt Architekt Knott zur Energieeffizienz.

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